UN-Generalsekretär im Gazastreifen Flüchtiger Blick auf das Elend


Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat am Sonntag den Gazastreifen besucht, um sich ein Bild von der prekären Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung zu machen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat bei seinem Kurzbesuch im Gazastreifen nur einen sehr flüchtigen Blick auf das Elend der Zivilbevölkerung erhaschen können. Der 65-Jährige passierte am Sonntagmorgen den hochgesicherten Eres-Kontrollpunkt, vorbei an schwer bewaffneten israelischen Soldaten. Mit einer UN- Wagenkolonne fuhr er dann durch zerstörte Landschaften des von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Palästinensergebiets, das in der umkämpften Region wie eine Art Parallelwelt neben Israel existiert.

Dutzende Palästinenser, darunter mehrere Kriegswaisen und Versehrte in Rollstühlen, winkten dem exotischen Gast unweit des Grenzübergangs zu und schwenkten Palästinenserflaggen. "Mister Ban Ki Moon - bitte beenden Sie die Blockade und ermöglichen uns ein besseres Leben", stand fast flehentlich auf einem der vielen Spruchbänder, das sie in die Luft hielten.

Ban ist - wie zuletzt auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton - einer der wenigen ranghohen internationalen Repräsentanten, denen Israel überhaupt die Einreise in das seit vier Jahren blockierte Gebiet erlaubt. Die Blockade wurde nach der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit im Juni 2006 verhängt und nach dem gewaltsamen Hamas-Putsch ein Jahr später weiter verschärft.

Seit dem dreiwöchigen Gaza-Krieg vor mehr als einem Jahr gestattet Israel nur die Einfuhr von humanitären Hilfsgütern und Grundnahrungsmitteln in das abgeriegelte Gebiet. Baumaterialien sind verboten: Die Israelis fürchten, Hamas könnte sie zum Bau von Bunkern und Schmugglertunneln missbrauchen. Daher konnten tausende im Krieg zerstörte oder beschädigte Häuser bisher nicht wieder aufgebaut werden. Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden während der Offensive, die den ständigen Raketenbeschuss Israels unterbinden sollte, mehr als 20.000 Häuser beschädigt oder zerstört. Zahlreiche Familien leben weiterhin in UN-Zelten.

Bans Konvoi machte in einem dieser Zeltquartiere unweit des Dschabalia-Flüchtlingslagers im Norden des Küstenstreifs Halt. Isbet Abed Rabbo gehört zu denen von dem Krieg am schlimmsten betroffenen Vierteln: Immer noch liegt Schutt herum, in den Zelten leben die Ärmsten der Armen. Sie haben nicht das Geld, neue Wohnungen zu mieten und können nicht bei Verwandten unterkommen, wie andere, die das Lager schon lange wieder verlassen haben.

Die Blockade betrifft fast alle Aspekte des täglichen Lebens und die Arbeitslosenquote liegt im Gazastreifen bei mehr als 60 Prozent. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind etwa 80 Prozent der 1,5 Millionen Einwohner von der internationalen Lebensmittelhilfe und Spenden abhängig.

Ban hatte den Gazastreifen schon Ende Januar vergangenen Jahres unmittelbar nach der dreiwöchigen Offensive besucht, bei der etwa 1400 Palästinenser getötet und tausende weitere verletzt wurden. Damals hatte er sich angesichts des israelischen Beschusses von UN- Gebäuden, darunter auch einer Schule, zutiefst bestürzt geäußert.

In Chan Junis im Süden des Gazastreifens besuchte Ban am Sonntag ein neues Bauprojekt der Vereinten Nationen: Bis zu 150 Wohnungen sollen obdachlosen Familien ein neues Heim bieten. "Ich kann die israelische Sorge vor Hamas verstehen und teile sie auch, aber gleichzeitig sehe ich, dass die andauernde Blockade den Zivilisten inakzeptables Leid zufügt" sagte Ban. Das UN-Bauprojekt entsteht dort in einem Viertel mit einem sehr symbolträchtigen Namen: "Al-Amal" - Die Hoffnung.

Saud Abu Ramadan und Sara Lemel, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker