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Unruhen in Haiti: US-Bürger sollen Karibikinsel verlassen

Washington rief am alle US-Bürger in Haiti dringend auf, das Land zu verlassen. Die rund 70 dort eingesetzten Angehörigen der US-Hilfsorganisation würden abgezogen.

Washington rief am Donnerstagabend alle US-Bürger in Haiti dringend auf, das Land zu verlassen. Die rund 70 dort eingesetzten Angehörigen der US-Freiwilligenorganisation Peace Corps würden abgezogen. Das US-Verteidigungsministerium kündigte außerdem die Entsendung von Militärexperten nach Haiti an, die die Sicherheit der amerikanischen Botschaft dort prüfen soll.

OAS bietet Hilfe an

Trotz Kritik an Präsident Jean-Bertrand Aristide hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) der haitianischen Regierung am Donnerstag Unterstützung zugesichert. Die Staatengruppe will Aristide dabei helfen, "die öffentliche Ordnung durch verfassungsgemäße Maßnahmen wieder herzustellen", wie die OAS in einer Erklärung mitteilte. Zuvor hatte US-Außenminister Colin Powell einen internationalen Friedensplan für den von blutigen Unruhen erschütterten Karibikstaat angekündigt.

Bei dem Treffen der OAS-Staaten in Washington machte US-Botschafter John Maisto die haitianische Regierung für die Krise mitverantwortlich. Sie habe versäumt, "rechtzeitig Probleme anzupacken, von denen sie wusste, dass sie zunahmen". Die Vorschläge der USA und weiterer Staaten für eine friedliche Lösung sehen nach Angaben Powells dennoch keinen vorzeitigen Rücktritt Aristides vor, dessen reguläre Amtszeit noch bis Februar 2006 geht.

Zahlreiche Polizeiwachen in Brand gesteckt

Auf der 160 Kilometer östlich von Haiti gelegenen Insel Jamaika ist am Donnerstag ein Boot mit 20 haitianischen Flüchtlingen eingetroffen. Es sei bereits die zweite Gruppe haitianischer Bootsflüchtlinge in sechs Tagen, teilte die Polizei in der Hauptstadt Kingston mit. Erst am Samstag seien zehn Haitianer an der Westküste gelandet, darunter acht Polizisten. Die Aufständischen in Haiti haben in den vergangenen zwei Wochen zahlreiche Polizeiwachen in Brand gesteckt.

Seit Beginn der Unruhen am 5. Februar haben die Rebellen die Kontrolle über mehr als ein Dutzend Städte und Ortschaften im Norden Haitis übernommen. Die Versorgungsrouten von der Hauptstadt Port-au-Prince in den Norden sowie aus der westlich angrenzenden Dominikanischen Republik sind unterbrochen. Die Vereinten Nationen entsandten am Donnerstag zwei Delegationen in die Region, um den Bedarf an Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern zu ermitteln. "Einige Städte sollen bereits unter Nahrungsmittelknappheit leiden", teilte das UN-Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten mit. UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich am Donnerstag "sehr besorgt über die Entwicklungen in Haiti."