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US-Präsidentschaftswahl 2012: Rüpel Trump liebäugelt mit Obamas Job

Er ist eine der schillerndesten Figuren der US-Glitzerwelt: Milliardär Donald Trump. Jetzt kokettiert er mit einer Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner - und liegt in Umfragen vorne.

Von Florian Güßgen

Erinnern Sie sich an Donald Trump? Richtig. Das ist der superreiche Immobilienhai aus New York, der Milliardär, der "Tycoon" mit der Fönfrisur, jener "Mogul", der mit den Extravaganzen seiner damaligen Frau Ivana schon in den 80ern für Trash-Klatsch erster Güte gesorgt hat. In den USA war Trump zwar nie ganz von der Bildfläche verschwunden. Aber derzeit sorgt er mit einem ganz besonderen Projekt für Furore: Er liebäugelt mit der Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, mit der Herrschaft in einer ganz besonderen Immobilie: dem Weißen Haus in Washington. Trump, "The Donald", kokettiert damit, dass er, nunmehr 64, 2012 zum Herausforderer von Barack Obama werden könnte.

Pampig. Direkt. Allgegenwärtig.

Trumps Präsenz in den US-Medien ist gewaltig, obwohl er seine Kandidatur nicht einmal offiziell erklärt hat. Nicht nur, dass er für den TV-Sender NBC derzeit jede Woche die Casting-Show "The Apprentice" moderiert. Seit eine mögliche Kandidatur ruchbar ist, ist Trump als Interviewpartner auch in politischen Sendungen allgegenwärtig. Am Wochenende trat er auch bei einer Veranstaltung der rechten Tea Party Bewegung auf. Pampig. Direkt. Trump versucht, mit einfachen Lösungen zu punkten. Der US-Einsatz in Libyen? Den hätte sich die Regierung besser von der Arabischen Liga bezahlen lassen sollen. Die Ölpreise? Kein Problem. Amerika brauche einfach einen "Botschafter", der den Jungs bei der Opec mal klar macht, dass sie die Rohölpreise besser senken. Man kriege seinen Willen schon, so Trumps Credo, man müsse ihn nur richtig kommunizieren. Auf "Brainpower" komme es an, auf Gehirnschmalz. Obama? Ein denkbar schlechter Botschafter, dessen Wahl habe man George W. Bush zu verdanken. Erst am Sonntag wiederholte Trump seine Glaubensgrundsätze wieder in der CNN-Sendung "State of the Union".

Trump inszeniert sich als Galionsfigur der "Birther"

Überhaupt Obama. Trumps größter Vorvorwahlkampf-Schlager ist derzeit seine Behauptung, die Präsidentschaft des Demokraten beruhe auf einem einzigen, großen Betrug. Obama sei kein Staatsbürger der USA, so Trumps Mantra, weil er gar nicht in Hawaii geboren worden sei, also auf amerikanischem Boden, sondern in Afrika. Diese Mär' ist ein Klassiker der rechten Szene Amerikas, den Trump sich jetzt zu eigen gemacht hat. Die so genannten "Birthers" versuchen so schon seit der vergangenen Präsidentschaftswahl, an der Legitimität Obamas zu kratzen. Trump, eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Liberaler, inszeniert sich als die neue Galionsfigur der Rechten. Ausgerechnet in einem Interview mit seinem Sender NBC durfte er unwidersprochen behaupten, Obamas kenianische Großmutter habe gesagt, der Präsident sei in dem afrikanischen Land geboren wurden.

Als die "New York Times"-Kolumnistin Gail Collins Trump dafür angriff und ihm vorwarf, die ganze Präsidentschaftsnummer sei eine reine Schein-Bewerbung, schoss Trump umgehend zurück, per Leserbrief. Er habe größten Respekt für die Autorin, dass sie es geschafft habe, so lange mit so wenig Talent zu überleben, schimpfte er. Die "New York Times" druckte den Brief. "Trump scheint an der Idee der Präsidentschaftskandidatur Gefallen zu finden", schreibt Tim deFede im Online-Magazin "The Daily Beast" - "und er kämpft nun mit denselben Mitteln, derselben Zielstrebigkeit und demselben Selbstbewusstsein, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist: Amerikas bekanntester und rüpelhaftester Manager. Aber in der heutigen politischen Landschaft ist Rüpelhaftigkeit in."

"You're fired!"

Dabei beruht Trumps Popularität in den USA nur noch zum Teil auf seinem vermeintlich legendären Geschäftssinn, seinen Erfolgen als Immobilienhändler oder Bauherr, der sich mit dem Trump Tower in New York, jenem Mega-Gebäude an der 5th Avenue auf Höhe der 56. Straße, ein Monument gesetzt hat. (Mit Spielcasinos war er weniger erfolgreich.) Seine Popularität verdankt er fast im gleichen Maße dem grandiosen Erfolg der TV-Show "The Apprentice", die in diesem Frühjahr bereits das elfte Mal aufgelegt wird. Seit 2004 moderiert Trump die Reality-Sause, die im Kern eine Casting-Show für einen Manager-Posten ist. Wer sich hier unter 16 Teilnehmern durchsetzt, dem winkt ein 250.000-Dollar-Einjahresvertrag in einem von Trumps Unternehmen. Ihren Rauswurf verkündet Trump den Bewerbern jeweils mit einem mittlerweile legendären "You're fired!". In Deutschland experimentierte RTL einmal mit einem ähnlichen Format. "Big Boss" hieß die kurzlebige Sendung, der deutsche Trump war Ex-Fußballmanager Reiner Calmund. Dabei ist es viel eher der DSDS-Star Dieter Bohlen, der es an Popularität und Rüpelhaftigkeit und kommerziellem Erfolg mit Trump aufnehmen könnte, der mittlerweile von der berühmten Ivana geschieden und stattdessen mit einer Frau namens Melania verheiratet ist.

Polit-Profis mag Trumps mögliche Kandidatur wie ein Witz oder wie eine geschickte PR-Kampagne für seine TV-Show erscheinen. Aber zumindest in den ersten Umfragen ist sie mehr als das. Gemeinsam mit Mike Huckabee, einem ehemaligen Gourverneur aus Arkansas, liegt Trump laut einer Umfrage von CNN unter republikanischen Parteigängern oder parteinahen Wählern im sich langsam formierenden Bewerberfeld sogar ganz vorne, gefolgt von Sarah Palin, Ex-Gouverneurin von Alaska und Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin.

Im Juni will Trump sich erklären

Trumps derzeitiges Hoch ist freilich mit großer Vorsicht zu genießen. Noch ist es weit hin, bis die Vorwahlen bei den Republikanern in eine ernsthafte Phase gehen, noch gibt es viel Vorgeplänkel, weder das Kandidatenfeld noch die genauen Daten der Vorwahlen sind sicher. Huckabee gilt als Anwärter, aber der hat sich noch nicht offiziell zu einer Kandidatur geäußert. In der vergangenen Woche hat Mitt Romney, Ex-Gouverneur aus Massachusetts, verkündet, dass er eine Kandidatur von einem Komitee prüfen lassen will, auch Minnesotas Ex-Regierungschef Tim Pawlenty hat das getan. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von Bewerbern, auch im Umfeld der Tea Party. Was Palin genau vorhat, ist offen. In Michele Bachmann, der Abgeordneten aus Minnesota, ist ihr zudem im eigenen Lager echte Konkurrenz erwachsen - es gilt als wahrscheinlich, dass Bachmann antritt. Newt Gingrich, der ehemalige Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, überlegt sich ebenfalls eine Kandidatur. Und es gibt weitere mögliche Aspiranten. Das große Ziel jedes Kandidaten wäre es, auf dem Nominierungsparteitag, der nach derzeitiger Planung in Tampa in Florida stattfinden soll, auf den Schild gehoben zu werden. Aber hundertprozentig gewiss ist nichts, nicht einmal, wann die Vorwahlen in den traditionell ersten Staaten Iowa und New Hampshire stattfinden sollen. Eigentlich erst im Februar 2012, aber selbst das ist noch nicht komplett in trockenen Tüchern.

Trump nutzt die Lücke. Er spult weiter Interview um Interview herunter, geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Nach Hawaii hat er ein Erkundungsteam entsandt, das erforschen soll, ob sich Dokumente finden lassen, die die Geburt Obamas in dem Bundesstaat beweisen. Zudem hat er verkündet, dass er seine Entscheidung, ob er denn nun antreten werde oder nicht, im Juni bekannt geben wolle. Zuvor, das hat er auch schon verraten, werde es genauere Hinweise geben. Nämlich in seiner "The Apprentice"-Sendung am 22. Mai. An dem Tag findet das Finale der diesjährigen Staffel statt.