US-Sanitäter im Irak "Kämpfen, schießen, töten, Blut, Gedärme"


Soldaten ohne Arme oder Beine, Kinder durchsiebt von Splittern. Der Job der Ärzte und Sanitäter in der Kampfzone ist brutal, blutig, unmenschlich. Einige flüchten sich in Drogen. Um seinen Albträumen zu entkommen, ging Sergeant James R. Worster weiter - bis in den Tod.
Von Jan Christoph Wiechmann

Jimmy starb im Morgengrauen, irgendwann um fünf. Starb einsam auf seinem Zimmer neben dem Foto seines Sohnes. Seine Augen standen offen, doch sie formten keinen Blick mehr. Sein Gesicht trug noch Farbe, doch durchströmte es kein Blut mehr. In seinem Arm steckte eine Spritze und im Körper schon die Droge, die seine Schmerzen nahm und seinen Verstand raubte und sein Herz schließlich zum Stillstand brachte. Draußen erwachte Bagdad, der 18. September 2006.

Scherzbold mit superben klinischen Fähigkeiten

Es sollte sein großer Tag werden, Jimmys Tag. Die Armee wollte ihn und andere ehren, um sieben in der Früh. Wollte ihm einen Orden verleihen, die Army Commendation Medal. Wollte Jimmys Mut ehren, "seine superben klinischen Fähigkeiten", "die Überlebensrate im Lazarett", so steht es geschrieben. Mehr als 100 Menschen habe er das Leben gerettet als Sanitäter im US-Militärhospital, als Helfer an der Front, als selbstloser Sergeant der U.S. Army. Der Jimmy. Der Scherzbold. Der schmale Junge aus North Pole in Alaska.

Die Kameraden zerrten ihn aus der Stube und trugen ihn zum Emergency Room (ER). Steckten ihm einen Schlauch in die Luftröhre und legten eine Infusion. Sie beatmeten ihn, doch sein Atem kam nicht zurück. Sie schlossen ihn an einen Pulsmesser, doch der zeigte keine Regung. Da fluchten sie und banden einen Zettel an seinen Zeh und schrieben seinen Namen darauf und steckten seine Leiche in einen Sack und trugen den Sack in einen Kühlraum und meldeten an das Oberkommando: Sergeant James R. Worster, Company A, 10th Combat Support Hospital, ist tot, er starb an einem Herzinfarkt.

Er starb drei Wochen vor seiner Rückkehr

So ging die Nachricht hinaus. Erreichte, um elf Uhr Ortszeit, seine Frau Brandy in Colorado, die zusammenbrach und schnell einen Schuldigen fand: die Grauen des Krieges. Erreichte, zur selben Zeit, Jimmys Mutter in Alaska, die ebenfalls zusammenbrach, aber einen anderen Schuldigen fand: die untreue Ehefrau. Landete als Nachricht 924-06 auf der Homepage des Pentagon und dem Newsticker von CNN und der Titelseite der Lokalzeitung: Sergeant James R. Worster, 24, starb drei Wochen vor seiner Rückkehr aus dem Irak eines natürlichen Todes, Amerikas Kriegsopfer Nr. 2686.

Dann verschwindet der Fall. Taucht nicht mehr auf. Darf nicht auftauchen. Man bedenke die Schlagzeilen: Drogentod in Bagdad. Soldaten an der Nadel. Ermittlungen der CID. Und das alles im Bagdad ER. Der Musterklinik. Dem Vorzeigeprojekt der vier großen Krankenhäuser im Kriegsgebiet. Also lieber schweigen. Nichts sagen.

Helden und Wracks kehren zurück

Vielleicht wäre der Fall des James Robert Worster nie wieder aufgetaucht, wenn seine Kameraden im vergangenen Oktober mit einem guten Gewissen nach Fort Carson in Colorado zurückgekommen wären. Aber da kommen nicht nur Helden. Da kommen auch Wracks. Da kommen Schwersttraumatisierte. Sie haben den Krieg in seiner Rohform erlebt. Sie haben Kinder in Stücken gesehen. Sie haben den Tod als Massenware bekommen.

Da kommt Sergeant Benjamin nach Hause, der auf Antidepressiva, Psychopharmaka und Schlafmittel gesetzt wird, "weil ich verdammt krank bin im Kopf". Da kommt Specialist Smith, der sich in Süchte stürzt, Kokain, Pillen, Alkohol, "was immer ich in meinen Körper reinkriege". Da kommen Specialist Guess, der zum Psychiater muss, und Sergeant Dougherty, der mit dem Bild des toten Jimmy im Kopf einschläft und morgens wieder aufwacht. Und sie wollen reden. Sieben Soldaten reden. Reden ohne Unterlass. Als wollten sie etwas abtragen von der Last. Auch Jimmys Mutter in Alaska redet. Und seine Frau. Und so taucht der Fall wieder auf. Jimmys Fall. Von einem, der auszog, die Menschheit zu retten.

"King der Infusionen"

Jimmy war ein Mustersoldat, sagen sie. Der "King der Infusionen". Vielleicht zu nett für einen Krieg. Trug immer ein Lachen auf den Lippen. Hatte Erfahrung wie kein Zweiter. War in Tikrit, als man Saddam in seinem Versteck fand. War an der Front, als Kirkuk brannte. War Schichtführer in Bagdad, als der Krieg zum Fiasko wurde. War ein Spiegelbild dieses Krieges. Siegreich am Anfang, ratlos zwischendurch und gebrochen am Ende. Sah Hunderte Menschen sterben und konnte sich nie daran gewöhnen. Behandelte alle Verwundeten gleich, Amerikaner, Iraker, selbst Terroristen, und flickte sie wieder zusammen.

Doch keiner war da, als er selbst zerbrach. Jimmy wuchs auf in North Pole, einem kleinen Ort, wo Eskimos wohnen und Soldaten und Nachfahren der Indianer wie Jimmy selbst. Hier, in den Wäldern seiner Jugend, lernt er das Fallenstellen, das Fischen und das Überleben im Eis. Hier trifft er auch Brandy Kusinski, seine erste Liebe, Tochter eines First Sergeant der U.S. Army, der im nahen Fort Wainwright stationiert ist.

Die West Side Story von Pole

Sie lernen sich im Militärunterricht an der Highschool kennen. Sie ist die Kommandantin - und er nur der Sergeant. Sie lebte schon in Deutschland und Kalifornien - und er in North Pole. Sie liebt den Wilden in ihm, den Jäger und Trapper und sein Wissen um Grizzlys - und er ihre Sprache, ihren Snobismus und ihr Wissen um Gucci. Sie sind, so sagt man, die West Side Story von North Pole.

Gleich nach der Highschool verloben sie sich. Jimmy kauft ihr einen Diamantring, den sie sich größer erhoffte, doch sie willigt ein. Ihren Eltern sagt Brandy nichts davon, und als sie es doch erfahren, am Flugsteig vor der Abreise ins College- Leben, sagt der Vater zu Jimmy: "Meine Tochter kriegst du nicht. Du bist nicht gut genug für sie."

"Du bist keiner fürs Töten"

Jimmy wollte Arzt werden, vielleicht auch Feuerwehrmann, Menschen retten, doch um Brandys Vater umzustimmen, geht er zur Armee. Besteht mit Auszeichnung den Scharfschützen-Lehrgang, doch seine Mutter fleht ihn an: "Du bist keiner fürs Töten, du bist viel zu sensibel." Also entscheidet er sich für den Sanitätsdienst. So stellt er alle zufrieden, Mutter, Frau und Schwiegervater.

Jimmy und Brandy ziehen nach Fort Carson in Colorado. Kaufen sich ein Haus in Beige und Dunkelgrün, den Farben seiner Uniform. Es ist sein Eintritt in die Mittelklasse, die Jimmy nicht kennt und der Brandy gern zügig entsteigen würde. Im September 2003 bekommen sie einen Jungen, Trevor James, zehn Tage bevor Jimmy in den Irak aufbricht. "Sie waren eine glückliche Familie", sagt seine Mutter. "Für zehn Tage."

"Jeder Tod hat ihn fertiggemacht"

Jimmy kommt an die Front, Operation Iraqi Freedom I, nach Kirkuk, mit seinem guten Freund, Specialist Nick Guess. Sie geraten in schwere Kämpfe und behandeln die Verwundeten, und wenn Beine fehlen, sucht Jimmy sie im Wüstensand. Im Krieg, so lernte er einst, haben die Opfer Schusswunden, doch in diesem Krieg kommen sie nicht als Ganzes. Sie kommen in Stücken, die zu justieren ihm nicht möglich ist. Sie sterben mit Blicken, die er nicht vergessen kann. "Jimmy konnte das nicht ertragen", sagt Guess. "Jeder Tod hat ihn fertiggemacht."

Jimmy kommt nach Hause und ist ein anderer Mensch. Ist apathisch und kühl, von Gefühlen befreit. Hat Albträume in der Nacht, hört Schüsse immerzu und sieht den Feind in der eigenen Frau. Brandy will das Leben genießen - doch er nur den Tod vergessen. Sie sucht das Abenteuer - und er den Chill-out. Sie dachte, dass sie einen Helden bekäme, wie ihren Vater - und keinen Seelenkrüppel. Da treffen, wie so oft in diesem Krieg, zwei Eheleute aufeinander, die sich so nicht kennen. Sie sind eine Generation, die den Horror aus dem Film kennt, aber nicht aus dem Leben. Die Amerika für unbesiegbar hielt. Jimmys Ärzte diagnostizieren ein schweres Trauma. Er bekommt Antidepressiva, die nicht wirken, und Schlafmittel, die nicht wirken, und wird dienstfähig geschrieben, laut Gesundheitszeugnis "einsetzbar ohne Limit". Die Armee braucht jeden Mann.

Rückkehr in den Bürgerkrieg

So zieht Jimmy im Oktober 2005 wieder in den Krieg, Operation Iraqi Freedom III. Kommt in ein verändertes Land. In die unkontrollierbare Hauptstadt. Wo jetzt der Bürgerkrieg tobt. Kommt ins Ibn Sina Hospital, 10th CSH, Bagdad ER.

Die Notaufnahme besteht aus zwei Räumen und zehn Betten. Auf einer großen Tafel stehen die Operationen des Tages: "GSW" für Gunshot Wound, "Amp." für Amputation. Black-Hawk-Helikopter liefern die Verwundeten aus Bagdad und Umgebung, aus dem Süden vor allem die Opfer von Bomben, aus dem Norden viele Schwerverbrannte. Manchmal öffnet Jimmy die Tür des Helikopters, und schon fließen ihm Ströme von Blut entgegen. Sie amputieren Gliedmaßen und öffnen den Brustkorb und massieren das Herz und lagern Gedärme aus und schaben verkohlte Haut ab. Die Überlebensrate des Hospitals steigt auf 94 Prozent. Sie werden zu Helden. Donald Rumsfeld kommt zu Besuch und auch das Fernsehen. Sie sind die Erfolgsgeschichte in einem erfolglosen Krieg. Die gute Geschichte.

"Kämpfen, schießen, töten, Blut, Gedärme"

Jimmy hat wie alle eine Zwölf-Stunden-Schicht. Und in den Pausen trifft er sich mit Sergeant Benjamin in der Raucherecke und redet. Redet über die Kinder, die ihm weggestorben sind. Darf endlich weinen. Darf schwach sein. "Alles, was wir kannten, war: kämpfen, schießen, töten, Blut, Gedärme", sagt Benjamin. In Jimmys Schlaf dringen die Bilder des Tages. Die Angst vor dem Tod. Die Angst vor dem Leben. Er vermisst den Sohn und die Frau und schreibt ihnen Briefe und schließt sie mit: "Ich liebe euch".

Nach sechs Monaten ist Jimmy am Ende, "ein emotionales Wrack", sagt Benjamin. Ende März 2006 darf er nach Hause, zehn Tage, "um den Kriegsstress loszuwerden und die Moral zu verbessern", so der Befehl. Doch auch die Heimat hat sich verändert. Die Frau ist ihm fremd. Das Haus ohne Ordnung. Das Geld ausgegeben. Jimmy verdient 35.000 Dollar im Jahr plus Kriegszulage, doch es ist alles verbraucht. Er nimmt seinen zweijährigen Sohn mit auf eine Ausfahrt, da zeigt dieser auf ein Haus: "Ken, da wohnt Ken." Jimmy stellt seine Frau zur Rede, da beichtet sie das Verhältnis mit Ken, einem First Sergeant der Armee. Jimmys altem Vorgesetzten. Der nicht in den Krieg musste. Der zum Trösten daheim war. "Ich brauchte emotionale Nähe", wird Brandy später sagen.

Keine Zeit, die Ehe zu retten

Jimmy beantragt drei Tage Zusatzurlaub, um die Eheprobleme zu klären, doch die Armee bleibt hart. "Sie gaben ihm keine Zeit, seine Ehe zu retten", sagt Jimmys Zimmergenosse Sergeant Dougherty.

Die Lage in Bagdad wird schlimmer. Einmal werden sieben Marines eingeliefert, denen sieben Arme fehlen und sechs Beine. Ein anderes Mal, nach einem Anschlag, 28 Waisenkinder. "Ich musste Granatsplitter mit dem Finger aus ihrem Rücken kratzen", sagt Specialist Smith. "Und weil wir kein sauberes Besteck mehr hatten, die Rippen mit den Händen aufhalten, während der Arzt das Herz mit der Hand massierte. Kannst du mir sagen, wie man danach schlafen soll? I'm fucked up for life."

Offiziere verkaufen Drogen

Alkohol ist streng verboten, der einzige Verkaufsstand in der Green Zone geschlossen. Die Soldaten lassen sich das Zeug von zu Hause schicken, getarnt als Mundwasser oder Eistee. Sie kaufen es bei irakischen Kindern, die Flasche Wodka für 40 Dollar. Und Offiziere, so berichten Jimmys Freunde, die Zugang zum Medikamentenschrank haben, verkaufen die Drogen.

Jimmy war nie ein Raucher, aber nun raucht er. Er hat nie getrunken, aber nun trinkt er. Er ist in psychiatrischer Behandlung, aber sein Zustand wird nicht besser. Er schluckt massenhaft "Ambien"-Schlaftabletten und kämpft gegen den Schlaf. Der Kampf macht ihn high. Steht vor einer Wand und starrt sie an, als liefe da ein Film. Blickt in ein Buch, aus dem ihm die Buchstaben als kleine Männchen entgegenspringen. "Bist du betrunken?", fragt ihn Smith. "Nein, nur auf Ambien, Mann."

Sanitäter berechnen den Rausch

Mit anderen Kameraden schließt er sich ein und veranstaltet Partys. Einer, so berichten Soldaten, sieht die Jungfrau Maria. Ein anderer rennt nackt umher. Auch einige Specialists seien dabei, ein Sergeant, ein Lieutenant - ein Viertel des Teams. "Percocet und Ambien flossen wie Wasser", sagt einer der Beteiligten. "Es gab das Zeug in großen Gläsern in unserer Apotheke. Andere spritzten sich Propofol, griffen zu Morphium, Phetanol, Codein, anderen Opiaten. Wirken wie Heroin. Lassen dich schlafwandeln. Schalten dein Gehirn aus." Die Sanitäter sind vom Fach, sie kennen die Dosen, berechnen den Rausch, fünf Milligramm Opiate plus 325 Milligramm Tylenol mal vier, dazu alkoholfreies Bier, genug, um high zu werden, und zu wenig, um die Leber zu vergiften. Es ist ihr Kontrastprogramm zur Realität. Der Trip ins Vergessen. "Du siehst so viel Scheiße, du bist endlos einsam. Jeder von uns schlief mit jedem. Wir haben uns verzweifelt danach gesehnt, etwas anderes zu spüren als Schmerz und Leid."

Jimmys Zustand wird so schlimm, dass sein Zimmergenosse Dougherty es einem Vorgesetzten meldet. Auch eine Sanitäterin spricht ihren Sergeant und den Lieutenant Colonel auf die Drogengelage an, doch es gibt nur eine Ermahnung, man will die Karrieren nicht ruinieren. "Für mich hat unsere Führung versagt", sagt ein Sergeant, "sie hat alles unter den Teppich gekehrt."

Jimmy wird mit Opfern überhäuft

Vier Wochen vor seinem Tod wird Jimmy zum Schichtführer befördert. Die Notaufnahme wird mit Opfern überhäuft, Berge rohen Fleisches, oft kann er nicht mehr. Am Abend geht er ins Internet und liest die Seite seiner Frau. Sie prahlt dort mit ihren Erfolgen. Nennt Ken ihren Liebling. Erwähnt einen Jon. Und einen CJ. So ist Jimmys Leben: Am Tag rettet er die Opfer des Krieges, und am Abend liest er vom Liebesleben seiner Frau.

Am 12. September muss er zu einer medizinischen Untersuchung. Er bekommt eine Überweisung zum Psychiater - für die Zeit, wenn er wieder zu Hause ist. Auf dem Formblatt DD 2796 kreuzt er an, dass er sich "niedergeschlagen" fühlt, "depressiv" und "hoffnungslos", doch sein Gesundheitszustand gilt als "sehr gut", Probleme: "Keine".

"Nimmt man zu viel, stoppt es das Herz"

Am Abend des 17. September schaut er in der Notaufnahme sein Lieblingsprogramm, Football. Er ruft vorher noch seine Mutter an und sagt, dass Brandy eine neue Affäre habe und dass sie eine verdammte Hure sei. Holt sich aus dem Medikamentenreservoir ein Tütchen Propofol. Irgendwann in dieser Nacht zieht er sich mit dem jungen Specialist McKane zurück auf sein Zimmer. Sie spritzen sich das weißflüssige Narkosemittel gegenseitig, so heißt es. Schlagartig betäubt es die Sinne, raubt das Bewusstsein und lässt einen träumen, wilde Träume, sexuelle Fantasien. Ein gefährliches Zeug, erklärt ein Arzt des ER, "nimmt man zu viel, stoppt es das Herz".

Am Tag nach Jimmys Tod tauchen Ermittler der Militärpolizei auf. Verhören die Soldaten, versiegeln die Räume, sie suchen nach Einstichen in Armen und Füßen. Die Armee veranlasst eine Untersuchung, ein Colonel wird in den Ruhestand versetzt, anderen droht das Kriegsgericht, doch nichts dringt nach außen. Mit den Recherchen des stern konfrontiert, sagt die Kommandeurin der Company A, Randall Schaefer: "Die Untersuchung ist nicht abgeschlossen. Kein Kommentar!"

Sie versucht zu weinen

In der Woche nach Jimmys Trauerfeier fliegt seine Frau Brandy nach Texas, um sich mit Ken zu treffen. Sie erhält 100.000 Dollar Sterbegeld von der Armee und 400.000 aus Jimmys Lebensversicherung und kauft sich einen Jeep und ein großes Haus in Indiana, gleich neben den Eltern. Sie sitzt dort an einem großen Tisch und versucht zu weinen und sagt, dass alles eine große Lüge sei, dass sie keine Affären hatte. Sie sagt, dass der furchtbare Krieg Jimmys Leben nahm und dass sie nun Hass-Mails bekommt und sehr leidet.

Im Nordosten Alaskas sitzt Jimmys Mutter Donna Thornton und wartet auf die Untersuchungsergebnisse der U.S. Army. Sie sitzt in einer Ecke ihres eingeschneiten Flachdachhauses, unter der Urne ihres Sohnes mit der Aufschrift "Journey Home". Sitzt dort und stellt sich vor, wie es wäre, wenn er plötzlich an die Tür klopfte und nach heißem Kakao fragte. "Brandy hat ihn auf dem Gewissen", sagt sie. Auch Donna Thornton schreibt jetzt im Internet, Gedichte über untreue Ehefrauen und Briefe an die Liebhaber: "Während du mit seiner Ehefrau schliefst, war er in Übersee, um deine Freiheit zu verteidigen."

So geht er weiter, der Krieg. In der Heimat.

In Colorado versuchen die Männer des 10th CSH, in ein neues Leben zu finden. Guess will den Dienst quittieren. Smith geht zu drei Psychiatern, viermal die Woche, er ist auf drei Antidepressiva, seine Frau hat ihn verlassen. Benjamin will nach Südkorea gehen und hofft, dass "einige Vorgesetzte ins Gefängnis kommen".

In Washington sitzt Präsident Bush und schreibt einen persönlich gehaltenen Brief an Jimmys Frau: "Ich bin tief erschüttert über den Verlust Ihres Ehemanns, Sergeant James R. Worster, USA. Unsere Nation wird James' Opfer und seinen selbstlosen Einsatz, um die Welt friedlicher und freier zu machen, nicht vergessen."

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker