VG-Wort Pixel

US-Präsidentenwahl Gary Johnson - er könnte Clinton oder Trump die Wahl kosten

US-Wahl: Gary Johnson
Gary Johnson: für flachen Staat und Homo-Ehe, gegen Einkommenssteuer. Mit seinen libertären Forderungen spricht er bei der US-Wahl sowohl rechte als auch linke Wähler an
© AFP
Die US-Wahl entscheidet sich zwar nur zwischen zwei Kandidaten, aber ein dritter im Bunde könnte Hillary Clinton oder Donald Trump die Wahl kosten. Der Libertäre Gary Johnson buhlt um konservative wie demokratische Stimmen.

Dieser US-Präsidentschaftskandidat kommt aus der Geschäftswelt und wirbt mit unkonventionellen und teils radikalen Plänen. Er will etwa die Einkommensteuer restlos beseitigen und die zentrale Steuerbehörde gleich mit. Abschaffen will er auch den Geheimdienst NSA. Die Rede ist nicht von Donald Trump. Der Kandidat heißt Gary Johnson und tritt für die Libertäre Partei an. Chancen auf die Präsidentschaft hat er nicht. Gleichwohl könnte er den Ausgang der Wahl im November beeinflussen.

Chancenlos, aber vielleicht entscheidend

Die US-Präsidentschaftswahlen sind seit vielen Jahrzehnten faktisch Zweikämpfe, denn nur die Kandidaten der Demokraten und Republikaner haben eine Chance. Doch manchmal gelang es einem der übrigen Kandidaten, mehr als eine Rolle unter "Ferner liefen ..." zu spielen.

Der Milliardär Ross Perot holte 1992 mehr als 18 Prozent. Und der Grüne Ralph Nader landete im Jahr 2000 zwar nur bei 2,4 Prozent - doch die Demokraten beschuldigten ihn, Al Gore bei seiner hauchdünnen und strittigen Niederlage gegen George W. Bush entscheidende Stimmen weggenommen zu haben.

In diesem Jahr könnte nun also Gary Johnson zu einem ernstzunehmenden dritten Kandidaten erwachsen. Die jüngsten Umfragen sahen den 63-Jährigen zwischen sieben und zehn Prozent. Was Johnson attraktiv macht: Er ist kein Exot, sondern ein Kandidat mit vorzeigbarer Vita als Unternehmer und Gouverneur - und sein Programm hat sowohl für Konservative wie Linke etwas zu bieten.

Für Homo-Ehe, gegen Steuern

Johnson, der früher Republikaner war und acht Jahre lang den Südweststaat New Mexico regierte, könnte etwa mit seinen Steuerabschaffungsplänen für konservative Wähler zur Verlockung werden. Zugleich hat er mit seiner Ablehnung von US-Militärinterventionen, seinem Plädoyer für die Homo-Ehe und eine liberale Einwanderungspolitik auch Angebote für linksgerichtete Wähler im Sortiment. Bei ihm sei "das Beste aus beiden Welten" zu haben, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP.

Auch seine Vita als Selfmademan ist ein Pluspunkt. Während des Studiums der Politologie in New Mexico gründete Johnson eine Firma für Handwerkerdienste. Später entwickelte er das Unternehmen zu einem der größten Bauunternehmen seines Heimatstaates fort. Als politischer Neuling wurde er dann 1994 zum Gouverneur gewählt.

US-Wahl: Clinton liegt vor Trump in Umfragen
In den Umfragen liegt Gary Johnson (gelbe Linie) deutlich hinter der Führenden, Hillary Clinton, liegt aber bei beachtlichen 7,8 Prozent
© Screenshot RealClearPolitics

Schon als Gouverneur verfolgte der damalige Republikaner einen "libertären" Kurs, indem er die Rolle des Staates deutlich beschnitt. Er setzte eine Serie von Steuersenkungen um und reduzierte das Personal im öffentlichen Dienst.

2012 wurde er dann erstmals von der Libertarian Party als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, die für einen Minimalstaat ficht. Zwar holte er damals nur ein Prozent - die 1,2 Millionen gewonnenen Stimmen waren dennoch das beste Ergebnis der Parteigeschichte.

Die US-Wahl wird teuer für Gary Johnson

Dieses Jahr könnte Johnson nun davon profitieren, dass sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton, die voraussichtlichen Kandidaten von Republikanern und Demokraten, unter außergewöhnlich schlechten Popularitätswerten leiden. Johnson attackiert bislang vor allem Trump, den er als "gruselig" bezeichnet. Ob er aber eher dem rechtspopulistischen Immobilienmilliardär oder der Ex-Außenministerin schaden könnte, ist eine offene Frage.

Wie weit Johnson kommt, wird auch davon abhängen, ob er seine Medienpräsenz noch deutlich steigern kann. Für eine massive Werbekampagne fehlt dem Libertären, der zuletzt zwischenzeitlich eine Startup-Firma für Cannabis-Produkte geleitet hatte, jedoch Geld. Und er ist auch nicht für die TV-Kandidatendebatten im Herbst vorgesehen, weshalb er die Organisatoren verklagt hat.

Zweifellos mangelt es Johnson für einen Wettbewerb unter extrem widrigen Umständen aber nicht an Ausdauer und Disziplin. Er ist ein gestählter Freizeitathlet, der an Ironman-Wettkämpfen teilgenommen und den Mount Everest bestiegen hat. Den höchsten Gipfel der US-Politik, soviel zumindest ist klar, wird er aber nicht erreichen.

AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker