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Politischer Stimmungstest Schlappe für Joe Biden: Republikaner Glenn Youngkin siegt bei Gouverneurswahl in Virginia

Glenn Youngkin
Der von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Glenn Youngkin hat laut Hochrechnungen die Wahl in Virginia für sich entschieden
© Chip Somodevilla / Getty Images / AFP
Noch sind es nur Hochrechnungen, aber sie sind eindeutig und dürften US-Präsident Joe Biden nicht freuen: Die hart umkämpfte Gouverneurswahl in Virginia hat offenbar der Republikaner Glenn Youngkin gewonnen. Immerhin: Bei der Bürgermeisterwahl in New York siegt ein Demokrat.

Der Republikaner Glenn Youngkin hat bei der als wichtiger Stimmungstest geltenden Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia Prognosen zufolge gewonnen. Der Republikaner lag bei der Abstimmung knapp vor dem von US-Präsident Joe Biden unterstütztem Kandidaten Terry McAuliffe, wie in der Nacht (Ortszeit) zu Mittwoch aus übereinstimmenden Vorhersagen der Fernsehsender CNN und NBC hervorging.

In New York wird der Demokrat Eric Adams neuer Bürgermeister. Der schwarze Ex-Polizist gewann die Bürgermeisterwahl in der US-Metropole am Dienstag laut Hochrechnungen mit rund 67 Prozent der Stimmen klar gegen seinen Rivalen Curtis Sliwa von den Republikanern. Der 61-Jährige wird damit der zweite afroamerikanische Bürgermeister in der Geschichte New Yorks.

Virginia: Republikaner gewinnt mit Unterstützung von Donald Trump

Die Wahl in Virginia ein Jahr vor den Kongresswahlen wird im Land aufmerksam verfolgt – für Bidens Demokraten ist das Ergebnis eine heftige Schlappe. Bereits vor der Wahl hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet, im Sommer lag allerdings der Demokrat McAuliffe noch vorn. McAuliffe (64) war von 2014 bis 2018 Gouverneur, Youngkin (54) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Youngkin lag nun den Prognosen zufolge rund drei Prozentpunkte vorn. Zu Beginn des Wahlabends schien der Abstand zwischen den beiden Kandidaten deutlich größer – McAuliffe holte dann aber noch auf.

Youngkin wurde im Wahlkampf von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt – auch wenn er sich öffentlich von ihm distanzierte und sich auf gemäßigte Wählerinnen und Wähler konzentrierte. "Terry tritt gegen einen Gefolgsmann von Donald Trump an", sagte Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arlington. Die Demokraten befürchteten bei den jetzigen Wahlen vor allem, dass viele ihrer Anhänger nicht zur Wahl gingen, weil Trump als Schreckensgespenst nicht mehr im Amt ist. Auch deshalb dürften sie versucht haben, Trump immer wieder zum Thema zu machen.

Die Wahl gilt als eine Art Lackmustest für Biden, der vor einem Jahr ins Weiße Haus gewählt wurde. Seine Zustimmungswerte sind schlecht wie nie seit seinem Amtsantritt. Bei der Präsidentschaftswahl konnte Biden in Virginia und New Jersey noch mühelos gewinnen. Der knappe Ausgang der Gouverneurswahlen ist ein Jahr vor den Zwischenwahlen ein Debakel für die Demokraten. Bei der Abstimmung im kommenden Jahr steht ihre hauchdünne Mehrheit im Kongress auf dem Spiel. Trumps Republikaner wollen dann wieder die Kontrolle im Senat und im Repräsentantenhaus erobern.

Biden versucht seit langem erfolglos, zwei Investitionspakete durch den Kongress zu bringen. Er scheiterte damit aber bislang an Flügelkämpfen in seiner eigenen demokratischen Partei. Davon, dass seine politische Leistung Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnte, wollte er hingegen nichts wissen. 

Die vergangenen Monate waren von zahlreichen Rückschlägen für Biden geprägt. Neben dem parteiinternen Streit um Bidens Investitionspakete ließ auch der chaotische Abzug aus Afghanistan den Präsidenten nicht gut dastehen. Die Corona-Pandemie machte dem Land weiter zu schaffen – im Sommer trieb die Delta-Variante die Zahlen in die Höhe. Mit dem Impfen gegen das Virus geht es nur schleppend voran. Biden setzt auf Impfpflicht in vielen Bereichen – ein Thema, das in den USA polarisiert. Auch der Wirtschaftsaufschwung läuft nur schleppend – hinzukommen Lieferengpässe infolge der Pandemie.

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Bürgermeister von New York: der "zweithärtester Job" nach dem des Präsidenten

In New York hingegen hat der 61-jährige Demokrat Eric Adams die Bürgermeisterwahlen für sich entschieden. "Heute Abend habe ich meinen Traum verwirklicht, und mit ganzem Herzen werde ich die Barrieren wegräumen, die euch daran hindern, die euren zu verwirklichen", sagte Adams nach seinem Wahlsieg vor feiernden Anhängern in Brooklyn. Bereits in seiner Zeit bei der Polizei hatte sich der Demokrat gegen Rassismus bei den Sicherheitskräften eingesetzt.

New York ist seit Jahren eine Hochburg der Demokraten, Adams galt daher schon im Vorfeld der Wahl als haushoher Favorit. Die Zahl der eingeschriebenen Anhänger der Demokraten ist in der US-Metropole siebenmal so hoch wie die der Republikaner-Anhänger. Adams' Rivale Sliwa, ein rechtskonservativer Radiomoderator und Gründer der Guardian Angels, räumte schon kurz nach der Wahl seine Niederlage ein.

Adams tritt sein Amt im Januar an. Er folgt auf den unpopulären Demokraten Bill de Blasio, der nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Auf den 61-Jährigen kommen große Herausforderungen zu. Schon seit langem gilt das Bürgermeisteramt in New York City als "zweithärtester Job" in den USA nach dem des Präsidenten. Die Stadt leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie, hoher Armut und einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Die verheerenden Sturzfluten Anfang September mit mehreren Toten machten zudem deutlich, dass sich die Stadt dringend auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten muss. Und wie in vielen anderen US-Städten auch gibt es Forderungen, die nach Gewalt gegen Schwarze in die Kritik geratene Polizei zu reformieren.

Adams kann dabei auf eigene Erfahrungen bei der Polizei zurückgreifen. 22 Jahre lang war der in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn als Sohn einer Putzfrau und eines Metzgers geborene Adams selbst Polizist, bevor er in die Politik wechselte. 1995 gründete er eine Organisation schwarzer Polizisten, die sich gegen Rassismus bei den Sicherheitskräften einsetzt.

yks dpa AFP

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