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US-Wahlkampf: Ryan stolpert über falsche Marathon-Zeit

Der Vizekandidat der Republikaner, Paul Ryan, prahlte mit einer Traumzeit von unter drei Stunden für den Marathon. Dumm, dass jetzt herauskam, dass er viel, viel langsamer unterwegs war.

Von Till Bartels

Erst vor wenigen Tagen wurde der smarte Paul Ryan auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa zum Kandidaten des Vizepräsidenten für den US-Wahlkampf gekürt. In einer mitreißenden Rede stahl er fast dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney die Show. Der 42 Jahre alte Ryan gilt als kompromissloser Sparer und Scharfmacher der Partei. "Amerika braucht eine Wende", rief er den Delegierten zu und griff den US-Präsidenten Barack Obama frontal an.

Jetzt wird der vermeintlich sportliche Ryan von seiner Vergangenheit eingeholt. Es dreht sich um seine persönliche Bestzeit bei einer Sportveranstaltung während seiner Zeit im College. In einer Radiosendung am 22. August hatte Ryan dem Moderator Hugh Hewlitt erzählt, dass er bei einem Marathonrennen die 42 Kilometer lange Strecke in knapp drei Stunden zurückgelegt hatte. Wörtlich sprach Ryan von “two hours and fifty-something”, wie die Website slate.com berichtet.

Unter drei Stunden? Das wäre eine Traumzeit. Denn Freizeitsportler, die regelmäßig für einen Marathonlauf trainieren, haben stets ein Ziel vor Augen: die magische Vier-Stunden-Grenze. Alle Zeiten, die darunter liegen, gelten als sehr ehrgeizig. Und die Grenze von drei Stunden wird fast nur von ehrgeizigen Sportlern unterschritten. Der Weltrekord liegt bei knapp über zwei Stunden.

Erinnerungslücke des Kandiaten

Jetzt hat die Zeitschrift "Runners World" die Angaben von Ryan überprüft. Bei dem Lauf handelte es sich um das Grandma’s Marathon in Duluth, Minnesota, im Jahre 1990. Ryan war damals 20, und siehe da: Er absolvierte die Strecke nicht in knapp drei Stunden, sondern in mehr als vier Stunden. Damit kann Ryan nicht mehr als Spitzensportler gelten, wie er sich selbst sieht, sondern er gehört eher nur zum Mittelfeld. Bei den Ergebnissen aus anderen Jahren fanden die Journalisten von "Runners World" niemanden mit dem Namen Paul Ryan.

Ryans Pressesprecher bestätigte die viel längere Laufzeit: Ryan hatte an dem Marathon 1990 tatsächlich teilgenommen und beendete das Rennen in vier Stunden, einer Minute und 25 Sekunden.

Nun fragt sich Amerika: Macht sich der Vizepräsidentschaftskandidat sportlicher, als er ist, oder leidet er unter Gedächtnislücken? Der peinlichen Verwechslung seiner Marathon-Zeit steht das Laufergebnis seiner Vorgängerkandidatin zur Vizepräsidentschaft gegenüber. Vor vier Jahren kandidierte die umstrittene Republikanerin Sarah Palin aus Alaska an der Seite von John McCain für das Amt als Vizepräsidenten - allerdings ohne Erfolg. Doch ihre Marathonzeit ist besser als die von Ryan: Sie benötigte für einen Marathon unter vier Stunden: 3 Stunden und 59 Minuten lautet Palins Bestzeit.