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Meinung

Venezuela: Maduro muss weg – was auch Europa und die USA dafür tun können

Nun also ist die Krise Venezuelas eine für die Welt. Lange haben die Regierungen beim Untergang des Landes zugesehen, die autokratische Regierung Maduros zwar kritisiert, Resolutionen verfasst, nichts aber ist geschehen. 

In Venezuela eskalieren seit Tagen die Proteste

In Venezuela eskalieren seit Tagen die Proteste

Getty Images

Nun also plötzlich ein neuer Showdown. Entscheidend dafür: ein mutiger, aber bisher kaum bekannter Oppositionsführer, Juan Guaidó, 35, der Maduros Gegner binnen weniger Wochen einen konnte und sich zum Interimspräsidenten des erdölreichen Staates ausrief. 

Und, ja, auch US-Präsident Donald Trump. Die USA haben Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt – wie auch Kanada und viele lateinamerikanische Staaten. Sie haben sich zunächst auch der Anordnung Maduros widersetzt, die Diplomaten abzuziehen. Sie haben damit den leidenden Menschen das Gefühl gegeben: ihr habt endlich Alliierte.

Den Venezolanern, sonst wie alle Lateinamerikaner höchst empfindlich gegenüber ausländischen Interventionen, ist es egal, wer den Druck ausübt – ob der allseits verhasste Trump oder die Nachbarstaaten. Sie wollen Maduro nur loswerden. Sie gehen wieder auf die Straße. Die Situation im Land ist so katastrophal – Hunger, medizinische Notlage, Versorgungsengpässe, Hyperinflation – da kann der Retter Trump heißen oder Kolumbien oder wer auch immer.

Venezuela: Warum Maduro gehen muss

Für Trump war das zunächst mal kein ungeschickter Schachzug. Endlich scheint nicht mal "America First" im Vordergrund zu stehen. Die Mehrheit der Venezolaner und Lateinamerikaner und auch der Welt steht endlich mal hinter ihm: Maduro muss gehen. Daran führt kein Weg vorbei. Der Sozialist hat das Land gemeinsam mit seinem Vorgänger Hugo Chavez zu Grunde gerichtet und sämtliche demokratischen Spielregeln gebrochen.

Doch Risiken bleiben. Zum einen ist eine kohärente Strategie unter Trump nicht gerade zu erwarten, eine schnelle Eskalation damit nicht ausgeschlossen. Was heißt "Alle Optionen sind denkbar?" Eine militärische Invasion? 

Zum anderen hat Russland Trump dringend vor einem Coup d’Etat gewarnt und verurteilte das Vorgehen als "kriminell und schmutzig". Wörtlich: "Wir warnen vor einer solch waghalsigen Aktion, die katastrophale Konsequenzen nach sich ziehen könnte." Es geht den Russen um zweierlei: Erstens haben sie wie China Milliarden-Kredite und Militärhilfe vergeben – im Austausch für Öl. Und wie schon in Zeiten des Kalten Kriegs geht es Putin darum, den einst großen Einfluss in Lateinamerika nicht komplett zu verlieren. 

Was jetzt zu tun ist

Nachdem sich die militärische Führung Venezuelas gestern hinter Maduro gestellt hat, ist nun die Frage: Was kommt als nächstes? Ein paar Sanktionen dürften nicht reichen. Bisher halten die Generäle an Maduro fest, weil sie im korrupten System sehr profitieren und viel zu verlieren haben. Doch sollten genug andere Offiziere die Aussichtslosigkeit erkennen, ist auch eine Rebellion nicht auszuschließen. Eine breit angelegte Amnestie könnte helfen, die Mehrheit des Militärs für sich zu gewinnen.

Den Druck auf Maduro zu erhöhen, ist in jedem Fall der richtige Weg. Jetzt geht es darum, eine gemeinsame internationale Strategie zu erarbeiten, um ihn tatsächlich aus dem Amt zu drängen. Russland und China wird man dafür nicht gewinnen können. Trump allein sollte man nicht vertrauen. Auch die Europäer sind jetzt gefragt. Der Ausweg könnte lauten: Exil für Maduro in Kuba, Bolivien oder Nicaragua, vielleicht sogar Mexiko. Amnestie für die Militärs. Großzügige Aufbauhilfe fürs Land. Darauf müssen nun alle gemeinsam drängen.