HOME

Verwundeter Staatschef in Saudi-Arabien: Jemeniten fürchten Rückkehr von Präsident Saleh

Der verwundete Präsident Jemens, Ali Abdullah Saleh, ist in Saudi-Arabien operiert worden. Ob er in seine Heimat zurückkommen wird, ist noch unklar. Die Regierungspartei aber kündigt seine Rückkehr für die nächsten Tage an.

Die Ausreise des verwundeten Präsidenten Ali Abdullah Saleh hat im Jemen Hoffnungen auf ein Ende des erbitterten Machtkampfs geschürt. Der bei einem Angriff auf seinen Palast verletzte Saleh traf zur Behandlung im benachbarten Saudi-Arabien ein. Am Sonntag wurde er nach Angaben aus Ärzte-Kreisen operiert, um Geschosssplitter aus seiner Brust zu entfernen.

Saleh konnte Kreisen zufolge in Saudi-Arabien selbst aus dem Flugzeug steigen. An Nacken, Kopf und Gesicht seien jedoch Verletzungen zu erkennen gewesen. Er wurde Regierungskreisen zufolge in ein Militärkrankenhaus verlegt. Für die Verletzungen an Hals und Gesicht sei auch plastische Chirurgie geplant. Über den Gesundheitszustand Salehs wurde seit dem Angriff am Freitag spekuliert, bei dem sieben Menschen getötet und mehrere Regierungsvertreter verletzt wurden.

Steht der Jemen vor dem endgültigen Scheitern?

Doch die Zweifel bleiben, ob der Klinikaufenthalt wirklich den Weg für einen dauerhaften Rückzug ebnet. So erklärte die Regierungspartei, Saleh werde binnen Tagen in sein Land zurückkehren. Zudem waren trotz einer von Saudi-Arabien vermittelten Waffenruhe auch am Sonntag Schüsse und Explosionen zu vernehmen. Damit wuchsen Befürchtungen, dass das anhaltende Chaos den Jemen letztlich als Staat scheitern lässt und ihn als Rückzugsort von al Kaida zu einem immer größeren Sicherheitsrisiko mitten in der Golfregion macht.

In der Hauptstadt Sanaa kam es zu Explosionen. Schüsse waren nach Angaben der Augenzeugen vor allem im Stadtteil Hassaba zu hören, wo es in den vergangenen Wochen zu heftigen Kämpfen zwischen Anhängern des Präsidenten und Mitgliedern des mächtigen Hasched-Stamms gekommen war. Im Zentrum Sanaas feierten gleichzeitig Jugendliche ausgelassen Salehs Ausreise. Andernorts in Sanaa blieb es aber ruhig. Viele Menschen trauten dem Frieden noch nicht. "Wir werden uns erst richtig freuen können, wenn sicher ist, dass Saleh nicht zurückkommt", sagte ein Bewohner Sanaas.

Mit dem Angriff auf das Staatsoberhaupt eskalierte endgültig der Konflikt, dem Monate überwiegend friedlicher Proteste gegen den seit mehr als drei Jahrzehnten herrschenden Saleh vorausgegangen waren. Am Samstag flohen Tausende Menschen vor den Kämpfen in Sanaa. Die deutsche Botschaft wurde geschlossen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte alle Deutschen auf, den Jemen umgehend zu verlassen.

Die Menschen fürchten einen Militärputsch

"Die Menschen machen sich Sorgen darüber, was nach Salehs Ausreise passieren wird", sagte ein Bewohner der Hafenstadt Aden. "Am meisten fürchten sie einen Militärputsch oder Machtkämpfe in der Armee." Zweifel an einem Ende des Konflikts schürte auch die Tatsache, dass die militärische Führungsriege Regierungskreisen zufolge im Land geblieben war. Dazu gehören auch Salehs einflussreiche Söhne und Neffen, mit denen der amtierende Präsident Abd Rabbu Mansur Hadi nun zusammentraf. Er führte auch Gespräche mit dem US-Botschafter. Die USA haben Saleh zum Machtverzicht aufgefordert.

Der saudische Politik-Experte Chalid al Dachil sagte: "Das Spiel ist aus. Die Saudis werden mit ihm nicht verhandeln." Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien hatte am Samstag in seinem Nachbarland die Waffenruhe zwischen den verfeindeten Seiten vermittelt, kurz bevor Saleh zur Behandlung in das Königreich ausgeflogen wurde. Saleh dürfte es nun schwer fallen, aus dem Ausland seine Macht in dem extrem instabilen Jemen zu sichern.

Salehs Ausreise wurde vor allem in der südjemenitischen Stadt Tais gefeiert. Tausende jubelnder Menschen gingen dort auf die Straße und entzündeten ein Feuerwerk. Doch dem Fernsehsender al Dschasira berichtete auch über schwere Schießereien in Tais.

nik/Reuters / Reuters