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Vormarsch: Invasionsheer kommt rasch voran

Das Pentagon sieht "erhebliche Fortschritte" im Krieg gegen den Irak. Die Zerstörung des irakischen Regimes sei nur noch eine Frage der Zeit.

Bei den US-Luftangriffen auf Bagdad und Basra ist in beiden Städten die Stromversorgung getroffen worden. Korrespondenten des arabischen Fernsehsenders El Dschasira berichteten am Samstag, dass nach den Angriffen kurz vor Mitternacht in weiten Teilen der irakischen Hauptstadt die Lichter ausgegangen seien. Auch in der Hafenstadt Basra sei die Stromversorgung am Nachmittag unterbrochen worden. Bei den bisherigen Angriffswellen war die Stromversorgung geschont worden.

Pentagon spricht von "erheblichen Fortschritten"

Das Pentagon sieht "erhebliche Fortschritte" im Krieg gegen den Irak. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das irakische Regime zerstört ist", sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke in Washington. Der Vormarsch auf Basra gehe voran, zahlreiche irakische Soldaten hätten sich ergeben. "So erfolgreich die Aktionen auch sind, wir erinnern daran, dass noch eine Menge Herausforderungen und Schwierigkeiten vor uns liegen", sagte Clarke.

Saddam Hussein bei guter Laune

Ungeachtet der heftigen US-Luftangriffe auf Bagdad zeigt sich Iraks Staatschef Saddam Hussein weiter in bester Stimmung. Das staatliche irakische Fernsehen zeigte am Samstagabend Bilder von einem Treffen Saddams mit dem engsten Führungszirkel. Saddam lachte aus vollem Herzen, und auch die anderen Anwesenden strahlten über das ganze Gesicht. Nach Angaben des Fernsehens ist der irakische Staatschef mit der bisherigen Leistung seiner Armee, der Baath-Partei und den irakischen Volksgruppen sehr zufrieden.

An der Runde nahmen neben seinem jüngsten Sohn Kusai auch Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, Verteidigungsminister Sultan Haschim Ahmed, Informationsminister Mohammed Sajjid Sahhaf und der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis teil. Es gibt keine unabhängige Bestätigung, wann die Bilder aufgenommen wurden.

Basra umzingelt

Das amerikanisch-britische Invasionsheer hat am Samstag die Stadt An Nassirijah im Landesinneren auf halber Strecke Richtung Bagdad erobert. Die Millionenstadt Basra weiter südlich wurde umzingelt. Am Abend gab es abermals zwei kurze Bombenangriffe auf Bagdad. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, sein Land sei entschlossen, mit Truppen in Nordirak einzumarschieren.

Nach Angaben des irakischen Gesundheitsministers Omed Medhat sind bei den Luftangriffe in der Nacht zu Samstag drei Menschen getötet worden. Rund 200 Einwohner seien verletzt worden, darunter Kinder. Der Regierungssitz von Präsident Saddam Hussein am Westufer des Tigris wurde beschädigt, das neunstöckige Hauptquartier des Geheimdienstes wurde direkt getroffen.

Am Abend stiegen rund 20 Rauchsäulen in Bagdad auf. Der arabische Sender El Dschasira meldete, Irak habe Ölcontainer in Brand gesteckt, um die Luftangriffe durch den Rauch zu stören.

Der Kommandeur der alliierten Streitkräfte in Irak, General Tommy Franks, sagte, man liege im Zeitplan. Bislang habe die irakische Bevölkerung die Truppen begrüßt. Er rechne mit der gleichen Reaktion, wenn Basra falle. Die Angriffstaktik basiere auf "Angst, Überraschung und Flexibilität". Das Heer habe noch keine Hinweise auf Massenvernichtungswaffen gefunden. Der Aufenthaltsort des irakischen Staatschefs Saddam Hussein sei unbekannt. Das irakische Staatsfernsehen meldete, Saddam Hussein habe sich am Samstag zwei Mal mit Kabinettsmitgliedern und seinem ältesten Sohn Kusai getroffen.

Beim Vorstoß auf Basra gerieten die Soldaten unter Artillerie- und Maschinengewehrbeschuss, sagte ein Leutnant der Marineinfanterie, Eric Gentrum. Der Flughafen und eine Brücke wurde eingenommen. Der britische Militärsprecher Oberstleutnant Chris Vernon sagte, um blutige Straßenkämpfe wie in Umm Kasr zu vermeiden, werde Basra zunächst nicht gestürmt. "Wir haben noch keine sichere Bestätigung, dass Umm Kasr gesichert ist", sagte der britische Militärsprecher Al Lockwood. "Unser Ziel ist die Sicherung des Hafens, um humanitäre Hilfe ins Land bringen zu können."

Nordwestlich von Basra nahmen alliierte Truppen die Stadt An Nassirijah ein. US-Militärsprecher Frank Thorp erklärte, die Stadt sei gesichert. Das Heer rücke jetzt nach Norden in Richtung Bagdad vor, während die Marineinfanteristen die östliche Parallelroute nehmen sollten. Der Chef des britischen Verteidigungsstabs, General Michael Boyce, erklärte, Soldaten in Südirak arbeiteten derzeit daran, die eroberten Ölfelder zu sichern und Sprengsätze zu entschärfen.

Zuvor hatte sich nach US-Angaben eine irakische Heeresdivision mit 8.000 Mann ergeben. Einem Pentagon-Sprecher zufolge handelte es sich um die 51. Infanteriedivision, die als vergleichsweise gut ausgebildet und ausgerüstet gilt. Sie sollte mit rund 200 Panzern das Herzstück bei der Verteidigung Basras sein, wie unabhängige Experten ebenso wie US-Regierungsbeamte erklärten.

Die türkischen Streitkräfte dementierten den Einmarsch in Nordirak. Etwaige Berichte "entsprechen nicht der Realität", hieß es in einer Stellungnahme. Aus türkischen Militärkreisen verlautete am Freitag, 1.000 Soldaten seien in den Norden Iraks geschickt worden. Gül sagte indes, sein Land sei entschlossen, Truppen über die Grenze zu schicken. Die Bundesregierung drohte umgehend mit dem Abzug der deutschen Soldaten in den AWACS-Aufklärern über der Türkei, sobald Ankara Truppen nach Nordirak entsende.

Ein Zusammenstoß zweier britischer Hubschrauber des Typs Sea King über dem Persischen Golf kostete sieben Soldaten das Leben, wie das britische Zentralkommando in Katar mitteilte.