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  • Wagner-Truppen gegen Moskau: Chronik eines abgeblasenen Aufstandes

Zum Artikel Wagner-Truppen gegen Moskau: Chronik eines abgeblasenen Aufstandes
Das Hauptquartier des russischen Inlansgeheimdienstes FSB
23. / 24. Juni, 22.25 bis 0.08 Uhr. Das Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Hier werden Stunden nach Prigoschins Aufruf Ermittlungen gegen den Wagner-Chef ausgerufen – wegen des "Aufrufs zur Meuterei" und eines versuchten Militärputsches. Zudem wird ihm ein Aufruf zum "Bürgerkrieg" vorgeworfen. Prigoschin bestreitet das in einer Sprachnachricht auf Telegram.
© Alexander Zemlianichenko Jr / XinHua / DPA
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23. Juni, 21.37 Uhr. Der Chef Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, bläst zum Sturm auf Russlands Hauptstadt Moskau. "Wir sind 25.000", sagte Jewgeni Prigoschin in einer Sprachbotschaft und rief "alle, die sich uns anschließen wollen", dazu auf, "dem Chaos ein Ende zu bereiten". Das Wort "Putsch" mied Prigoschin und sprach stattdessen von einem "Marsch für die Gerechtigkeit".
Das Hauptquartier des russischen Inlansgeheimdienstes FSB
24. Juni, 3 bis 4 Uhr. Die Wagner-Truppen schießen auf ihrem Weg nach Moskau einen russischen Militärhubschrauber ab und marschieren in die Regionalhauptstadt Rostow ein. Der hiesige Gouverneur Wassili Golubew mahnt die Bewohner dazu, ihre Wohnungen und Häuser nicht zu verlassen.
24. Juni, 6.33 Uhr. Prigoschin bei einer Videoansprache in Rostow. Auf einem Video in den sozialen Medien ist der Söldnerchef mit Russlands Vize-Verteidigungsminister Junus-Bek Jewkurow zu sehen. Darin ist zu hören, wie Prigoschin mit einem Vormarsch nach Moskau droht, sollten sich Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow vor ihm verstecken.
24. Juni, 6.52 Uhr. Soldaten bringen sich hinter Sandsäcken an den Stadtgrenzen Moskaus in Position. Angesichts eines sich zuspitzenden Konflikts hat Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin "Anti-Terror-Maßnahmen" in Kraft gesetzt. Auf den Straßen finden verstärkt Verkehrskontrollen statt. Auch der Gouverneur der Region um Moskau, Andrej Worobjow, meldet auf Telegram hochgefahrene Sicherheitsvorkehrungen. Er ruft die Menschen der Region dazu auf, auf private Autofahrten in Richtung Südrussland zu verzichten.
24. Juni, 7.09 Uhr. Ein Kämpfer der Wagner-Söldner läuft vor dem Hauptquartier der russischen Armee in Südrussland entlang. Am Morgen verkündet Armee-Chef Prigoschin die Kontrolle aller Militäreinrichtungen in Rostow. Der Kreml bestätigt dies wenige Stunden später.
24. Juni, 8.17 Uhr. Moskau ruft den Anti-Terror-Notstand aus. "Um mögliche Terroranschläge in der Stadt und dem Gebiet Moskau zu verhindern, ist ein Regime für Operationen zur Terrorbekämpfung eingeführt worden", teilt das nationale Anti-Terror-Komitee mit. Zudem werden die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt und der umliegenden Region verschärft. Auf dem Roten Platz stehen nun Absperrgitter, dahinter Polizeibeamte. Der Platz wird kurzfristig für Besucher gesperrt.
Putin tritt am Samstagvormittag vor die Fernsehkameras
24. Juni, 11.12 Uhr. Auf ihrem Vormarsch Richtung Moskau treffen die Wagner-Söldner in Woronesch auf Gegenwehr. Gouverneur Alexander Gussew spricht von "Anti-Terror-Maßnahmen" der russischen Spezialkräfte. In dem Konflikt gerät ein Tanklager in Brand. Die Region liegt auf halber Strecke zwischen Rostow und Moskau. Bis zur russischen Hauptstadt sind es noch über 500 Kilometer.
24. Juni. Unterdessen werden die Wagner-Söldner in der besetzten Stadt Roszow zur Attraktion. An die Mahnungen des Gourverneurs halten sich viele Bürger nicht – sondern strömen auf die Straßen, um mit den Kämpfen zu posieren und zu sprechen.
24. Juni, 12 Uhr. Noch am Mittag hängen in St. Petersburg Werbeschilder mit der Aufschrift "Schließt euch uns bei Wagner an" in der Stadt. Doch der zu dem Zeitpunkt eskalierte Konflikt führt dazu, dass sämtliche Werbung für die Söldner in der Stadt entfernt werden.
24. Juni, 12.10 Uhr. Die Vorsitzende des russischen Oberhauses, Valentina Matwienko, versichert, Putin habe die "volle Unterstützung" der Parlamentskammer. Auch aus den von Russland besetzten Gebieten in der Ostukraine kommen Solidaritätsbekundungen. "Die Menschen in Cherson und die Region unterstützen unseren Präsidenten voll und ganz!", verkündet der Regionalgouverneur on Cherson, Oleksandr Prokudin.
24. Juni, 13.16 Uhr. Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow kündigt Truppen zur Unterstützung des Kreml an. "Kämpfer des Verteidigungsministeriums und der Nationalgarde der Republik Tschetschenien sind bereits in die spannungsgeladenen Gebiete aufgebrochen. Wir werden alles tun, um die Einheit Russlands zu bewahren und ihre Staatlichkeit zu schützen", teilt Kadyrow auf Telegram mit.
24. Juni, 14.03 Uhr. Die Wagner-Truppen sind zu dem Zeitpunkt schon weiter auf dem Vormarsch gen Moskau. In der Region Lipezk, die auf dem Weg rund 420 Kilometer südlich der russischen Hauptstadt liegt, werden die Bewohner von der Regionalverwaltung dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben.
24. Juni, 17.50 Uhr. Am späten Nachmittag erreichen die Wagner-Truppen die Region Lipezk. Auf Telegram krusieren Gerüchte, wonach die Söldner in zwei Stunden in Moskau sein könnten.
Blick auf das Zentrum der Wagner-Gruppe in St. Petersburg
24. Juni, 18.30 Uhr. In Moskau bereiten sich die Behörden auf einen möglichen Einmarsch der Söldnergruppe vor. Der Ausgang von Prigoschins Aufstand ist noch ungewiss. Um den Vormarsch mindestens zu verlangsamen, wurden mancherorts Straßensperren errichtet und der Apshalt aufgerissen.
24. Juni, 19.40 Uhr. Prigoschin pfeift seine Truppen zurück. Er woll Blutvergießen vermeiden, sagt er in einer Rede. Die Kolonnen würden umkehren und in Richtung Feldlager zurückkehren. Zu dem Zeitpunkt sollen die Wagner-Söldner weniger als 200 Kilometer von Moskau entfernt sein.
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko
Ein Mann macht ein Selfie mit dem in einem Auto sitzenden Prigoschin
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