VG-Wort Pixel

Vorgezogene Parlamentswahl May gegen Corbyn – das müssen Sie über die Wahl in Großbritannien wissen

Wahl in Großbritannien
Der Union Jack vor dem berühmten Londoner Uhrturm Big Ben im Palace of Westminster, in dem das britische Parlament tagt. Die Briten stimmen heute über ein neues Unterhaus ab.
© Matt Dunham/AP
Wird es doch noch mal eng für Premierministerin Theresa May? Wochenlang sah sie wie die sichere Siegerin bei den vorgezogenen Neuwahlen aus. Doch zuletzt holte Labour-Rivale Jeremy Corbyn auf. Gibt es eine Riesenüberraschung an der Themse?

Fast ein Jahr nach dem Brexit-Referendum gehen die Briten heute wieder wählen. Premierministerin Theresa May will mit der vorgezogenen Parlamentswahl eine größere Mehrheit für ihre konservativen Tories und mehr Rückendeckung für die Brexit-Verhandlungen bekommen. Bislang regierte May mit einer Mehrheit von 17 Stimmen. Umfragen zufolge könnte sie ihr Ziel aber verfehlen. Ihre Partei lag zuletzt nur noch wenige Prozentpunkte vor Labour und deren Spitzenkandidaten Jeremy Corbyn. Das müssten Sie zur Wahl wissen:

Wie wird gewählt?

Das Land hat 650 Wahlkreise für ebenso viele Sitze im Unterhaus. Um einen zu ergattern, müssen Politiker in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen holen - Motto: "The winner takes it all", der Gewinner räumt alles ab. In Deutschland haben Wähler eine Erststimme für Direktkandidaten und eine Zweitstimme, die für die Verteilung der Sitze an die im Parlament vertretenen Parteien maßgeblich ist. Die Briten haben nur eine Erststimme. So kann es passieren, dass Polit-Promis keinen Sitz bekommen, weil sie ihren Wahlkreis nicht geholt haben - 2015 passierte das dem Ukip-Chef Nigel Farage.

Wem nutzt dieses Wahlsystem?

Hauptsächlich den großen Parteien. Profitieren können kleine aber, wenn sie regional stark sind. Wie die schottische Nationalpartei SNP: In England, Wales und Nordirland tritt sie nicht an, in Schottland gewann sie 2015 aber 56 der 59 Wahlkreise. Sie wurde drittstärkste Kraft - mit nicht mal 5 Prozent der Stimmen im Königreich.

Ist das gerecht?

Ansichtssache. Einerseits muss jeder Kandidat selbst die Wähler überzeugen. Andererseits zählen so Millionen Stimmen für "Verlierer" nicht. 2015 bekamen die Konservativen mit rund 37 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Sitze. Die rechtspopulistische Ukip bekam fast 13 Prozent der Stimmen, aber nur ein Mandat, die Grünen mit rund 4 Prozent ebenfalls einen Sitz. Die Gesellschaft für Wahlreform kämpft seit Jahren für ein Verhältniswahlrecht. Allerdings haben die Briten es 2011 in einem Referendum abgelehnt, das System zu ändern. Die Grünen scheiterten 2016 mit einem Antrag dazu im Parlament.

Wann steht das Ergebnis fest?

Die Wahllokale sind von 7 bis 22 Uhr Ortszeit (8 bis 23 Uhr MESZ) geöffnet. Unmittelbar danach gibt es die ersten Hochrechnungen. Freitagmorgen soll das Ergebnis feststehen.

Welche politischen Konstellationen sind möglich?

Gewinnt eine Partei 326 Sitze oder mehr, beauftragt Königin Elizabeth II. deren Chef mit der Regierungsbildung. Ohne absolute Mehrheit muss nach Partnern für eine Koalition oder eine Minderheitsregierung gesucht werden. Die Regierung bleibt dann geschäftsführend im Amt. Koalitionen sind in Großbritannien traditionell unüblich. Daher könnten die Tories oder Labour eher auf eine von einer kleinen Partei gestützte Minderheitsregierung bauen. Diese müsste zum Start eine Vertrauensabstimmung bestehen.

Wann wird der neue Premierminister ernannt?

Sobald sich abzeichnet, dass eine neue Regierung zustande kommt, ist der übergangsweise amtierende Premierminister zum Rücktritt verpflichtet. Dies trifft sowohl für den Fall einer Koalition als auch einer Minderheitsregierung zu. Der mögliche neue Regierungschef wird dann von der Queen zum sogenannten Handkuss in den Buckingham Palace eingeladen, mit der Regierungsbildung beauftragt und symbolisch ernannt. Die Hand der Monarchin muss bei der Zeremonie inzwischen nicht mehr geküsst werden, die formelle Amtsübernahme erfolgt zudem erst später.

Welche Auswirkungen hat das auf den Brexit?

Das auf maximal fünf Jahre gewählte Parlament kommt am 13. Juni zusammen, um einen Parlamentspräsidenten zu wählen; zudem leisten die neugewählten Abgeordneten ihren Amtseid. Am 19. Juni findet die feierliche Eröffnung des Parlaments statt. Queen Elizabeth II. liest dabei das von der Premierministerin oder dem Premierminister geschriebene Regierungsprogramm vor. In der Woche ab dem 19. Juni beginnen auch die formellen Verhandlungen über den EU-Austritt.

kng DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker