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Wahlempfehlung: "New York Times" unterstützt John Kerry

Der demokratische Präsidentschaftskandidat hat die Redaktion der "New York Times" überzeugt. Sie gab eine Wahlempfehlung für John Kerry ab.

Zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat die Zeitung "New York Times" eine Wahlempfehlung für den demokratischen Kandidaten John Kerry abgegeben. "Wir sind beeindruckt von Mr. Kerrys umfassendem Wissen und seinem klaren Denken", hieß es in dem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel. In der jüngsten Wählerumfrage des Time-Magazins lagen Kerry und Amtsinhaber George W. Bush inzwischen fast gleich auf: 48 Prozent der Befragten sprachen sich für Bush aus, Kerry kam auf 46 Prozent.

Der Wahlkampf konzentrierte sich auf eine wachsende Zahl so genannter Swing States, in denen sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Republikanern und Demokraten abzeichnet. Dazu gehören nach der letzten Fernsehdebatte zwischen den beiden Kandidaten auch Wisconsin und Colorado, wo sich in Umfragen zunächst noch eine Mehrheit für Bush abgezeichnet hatte.

Kritik vonseiten der Militärs

Mit seiner Irak-Politik stößt Bush mittlerweile auch bei den Streitkräften auf Kritik. 62 Prozent erklärten in einer Umfrage der Universität von Pennsylvania, die Regierung habe die Situation unterschätzt und zu wenige Soldaten im Irak stationiert. 59 Prozent der 655 befragten Militärs kritisierten, Washington habe zu viele Aufgaben nicht ausreichend ausgebildeten Angehörigen der Nationalgarde und Reservisten übertragen.

In scharfer Form hat darüber hinaus der frühere US-Sicherheitsberater Brent Scowcroft Bushs Außenpolitik kritisiert. Bush habe sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegenüber der Nato und Europa verächtlich verhalten und suche nun aus Verzweiflung wieder die Zusammenarbeit, um die fehlgeschlagenen Unternehmungen im Irak und in Afghanistan zu retten, sagte der einstige Sicherheitsberater von Bushs Vater in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Londoner "Financial Times".

Nationale Sicherheit für 55 Prozent wichtig

Wichtigstes Thema für die Wähler ist derzeit die nationale Sicherheit, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP ergab. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) von 1.000 Befragten hält Sicherheitsprobleme demnach für die drängendste Frage. Wichtigstes sicherheitspolitisches Einzelproblem ist dabei nach Ansicht von fast jedem dritten Befragten (27 Prozent) der Irak-Krieg und die dortige Sicherheitslage. Den internationalen Terror nannten 18 Prozent. Außerhalb des Sicherheitsbereichs gaben 40 Prozent die Wirtschaftslage als wichtigstes Thema an.

Bush betonte in seiner wöchentlichen Radioansprache, die US-Wirtschaft sei in den vergangenen drei Jahren so schnell gewachsen wie in keiner anderen größeren Industrienation. Für Verwirrung sorgte er auf einer Wahlkampfveranstaltung mit einer Äußerung zur Wehrpflicht. "Wir werden keine Freiwilligen-Armee haben", sagte Bush, um sich kurz darauf zu korrigieren: "Wir werden keine Wehrpflicht haben". Kerry kündigte erneut an, die von Bush verhängte Beschränkung der Stammzellenforschung aufzuheben.

Streit um Moore-Film

Der Filmemacher und Bush-Kritiker Michael Moore muss möglicherweise auf die Ausstrahlung eines dreistündigen Specials zur Wahl in einen Pay-TV-Sender verzichten. Der Sender iN DEMAND entschied am Freitag wegen "rechtlicher Bedenken", die Sendung abzusagen. Gezeigt werden sollte am 1. November, einen Tag vor der Wahl, unter anderem Moores mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnete Dokumentation "Fahrenheit 9/11". Moore erklärte, er erwäge rechtliche Schritte gegen den Sender.

AP / AP