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Finanzuntersuchungen: Die Tricks des Baulöwen: Wie Trump sein Imperium nach Bedarf aufblähte oder schrumpfte

Donald Trump nennt sich smart. Wenn smart ein anderes Wort für opportunistisch ist, dann hat der US-Präsident Recht. Der "Washington Post" liegen seine finanziellen Selbstauskünfte vor - nach Worten eines Experten ein "humoristisches Zahlenwerk".

Der Trump Tower in New York: Hier finden viele Gespräche zwischen Donald Trump und seinen möglichen Kabinettsmitgliedern statt

Der Trump Tower in New York: 58 statt 68 Stockwerke hoch

Es gibt Menschen, die glauben, dass Donald Trump eigentlich viel reicher sein müsste als er ist – gemessen an seinen Startvoraussetzungen. Bis zu 400 Millionen Dollar soll er nach heutigem Wert von seinem Vater erhalten haben. Auf der Superreichenliste von "Forbes" rangiert er mit drei Milliarden Dollar Vermögen derzeit auf Platz 715, doch ob diese Schätzung stimmt, ist unklar. Wie überhaupt nie klar war, welches Ausmaß sein Reichtum wirklich hat. Anscheinend machte der jetzige Präsident genau so gerne zu große Angaben wie auch zu niedrige - je nachdem was er gerade von wem wollte.

24 Wohneinheiten zu viel angegeben

2011 zum Beispiel schrieb seine Firma, die Trump Organisation, dass er 55 Wohneinheiten an seinem Golfplatz im Süden Kaliforniens zu verkaufen habe. Mindestgebot pro Stück: drei Millionen Dollar. Tatsächlich waren es aber nur 31 Einheiten. Die Differenz von 24 hatte einen Wert 72 Millionen Dollar – sehr viel Geld, das zu dem Zeitpunkt nur theoretisch existierte.

Länger bekannt ist auch Trumps äußerst flexibler Umgang mit der Höhe seines Trump Towers in New York. Weil ihm der Wolkenkratzer von General Motors um die Ecke zu groß wirkte, ließ er die Stockwerke neu durchnummerieren, um damit werben zu können, dass sein Turm 68 Etagen hat. Tatsächlich sind es 58.

Das "Time Magazine" zeigt Trump nach den Russland-Ermittlungen

Diese Beispiele stammen aus Trumps "Statements of Financial Condition", eine Art finanzielle Selbstauskunft, die sein Unternehmen potenziellen Geschäftspartnern zukommen lässt. Die Unterlagen sollen einen Überblick über das Vermögen der Trump Organisation geben, sowohl Immobilienbesitz ist darin aufgeführt als auch Verbindlichkeiten. Der "Washington Post" liegen einige dieser Dokumente vor. Das Blatt nennt sie leicht despektierlich "Werbebroschüren".

"Werte überbewertet, Schlüsselangaben schlicht falsch"

Grund für die Skepsis: "Für jemanden, der versucht, ein genaues Bild von Trumps Vermögen zu bekommen, sind die Dokumente zu fehlerhaft. In einigen fehlen Angaben zu Objekten, auf denen hohe Kredite lasten. Einige Vermögenswerte sind überbewertet. Und einige Schlüsselangaben sind schlicht falsch", so das Blatt. Mittlerweile beschäftigen sich auch Abgeordnete des Repräsentantenhaus mit den stark variierenden Dokumenten, eine New Yorker Finanzbehörde hat Unterlagen von AON angefordert, Trumps langjährigen Versicherer. Hintergrund sei der Verdacht, dass der Baumogul den Wert seiner Immobilien zu niedrig angegeben hat, um Prämienzahlungen zu drücken, wie eine anonyme Quelle der "Washington Post" sagte.

Über diese Art von Geschäftsgebaren hatte vor kurzem Trumps langjähriger Anwalt und Ausputzer Michael Cohen berichtet. Nachdem beide miteinander gebrochen hatten, hatte der frühere Jurist ausgesagt, dass Trump übertriebene Angaben zu seinem Vermögen gemacht habe, wenn es seinen Zielen zugute gekommen sei - zum Beispiel bei der Platzierung auf der "Forbes"-Reichenliste. Auf der anderen Seite habe er sein Vermögen klein gerechnet, um Steuern zu sparen. Der Ex-Anwalt legte dem Kongress Dokumente vor, um seine Vorwürfe zu untermauern.

Aufgrund dieser Aussage haben Abgeordnete damit begonnen, sich näher mit den Finanzen der Trump Organisation zu befassen. Ob diese Rechentricks und Zahlenschiebereien strafbar sind, ist nach Informationen der "Washington Post" unklar. Dass Immobilienentwickler ihre Zahlen frisieren sei nicht ungewöhnlich, so das Blatt. Allerdings gebe es Gesetze dagegen, Versicherer und Geldgeber mit Falschangeben zu betrügen. Ob Donald Trump zur Rechenschaft gezogen werden wird, hänge davon ab, ob er seine Geschäftspartner absichtlich in die Irre führen wollte und ob er durch die Falschangaben einen finanziellen Vorteil erlangt habe.

Donald Trump braucht Geld von Deutscher Bank

Das Blatt zitiert den Rechnungswesen-Experten Kyle Welch von der George Washington University mit den Worten, dass die Trump Organisation womöglich mit Ausschlussklauseln gearbeitet haben könnte, die potenzielle Investoren darauf hinweisen, dass sie nicht das ganze Bild sehen würden. Damit wäre das Unternehmen auf der sicheren Seite. Ironischerweise könnten die übertriebenen Angaben dem Immobilienmogul sogar helfen, so Welch. Er habe nie Dokumente gesehen, die die üblichen Buchhaltungsregeln derart überdehnten. "Es ist ein humoristisches Finanzstatement", so Welch. "Ich frage mich, wer darauf wohl hereinfallen würde."

Laut Cohen seien die Finanzbroschüren 2014 auch an die Deutsche Bank gegangen, als Trump einen Kredit brauchte, um das Footballteam Buffalo Bills kaufen zu können. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Herr Trump seine Bilanzen aufgeblasen hat, wenn er daraus einen Vorteil ziehen konnte", sagte Cohen vor einigen Wochen bei einer Anhörung. Die Deutsche Bank ist der größte Gläubiger Trumps und wird derzeit vom Finanzkomitee des US-Repräsentantenhaus untersucht.

Möglicherweise waren die verdächtigen Unterlagen auch im Spiel, als Trump 2014 für 200 Millionen Dollar das historische Postgebäude in Washington zu einem Trump-Hotel umbauen wollte. In diesem Fall, die Summe war selbst für Trump-Verhältnisse außerordentlich hoch, bürgten die Wirtschaftsprüfer von Mazers, Trumps Bilanzbuchhalter, für die Richtigkeit der Angaben. Die Aufstellung erfolgte nach den üblichem Regelwerk und ist damit offiziell. Rechtlich eng könnte es also werden, wenn Mazers die Zahlen entweder nicht überprüft hat oder die Trump Organisation falsche Daten geliefert haben sollte.

Quellen: "Washington Post", "Forbes", "Neue Zürcher Zeitung", "New York Times"


nik