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"Absolut lächerlicher PR-Schritt" Putin für Nobelpreis nominiert – mit dieser absurden Begründung

Wladimir Putin ist von einem Getreuen für den Friedensnobelpreis nominiert worden
Wladimir Putin ist von einem Getreuen für den Friedensnobelpreis nominiert worden 
© Alexei Nikolsky / Picture Alliance
Mussolini, Hitler oder Stalin: Sie alle waren zu ihrer Zeit für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Nun gehört auch Wladimir Putin zu dieser illustren Runde. Und für seine Nominierung werden denkwürdige Gründe angeführt. 

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist für den Friedennobelpreis 2021 nominiert worden. Professoren mehrerer Universitäten ergriffen die Initiative und schlugen den Kreml-Gegner als Kandidaten vor. Der russische Wissenschaftler, Professor an der Rutgers University in New Jersey, Sergej Erofeew, gab dies auf seiner Facebook-Seite bekannt. Das konnten die Anhänger Wladimir Putins nicht auf sich sitzen lassen. Prompt ging bei dem Nobelkomitee die Nominierung des russischen Präsidenten ein. 

Der Schriftsteller Sergei Komkow hat nach eigenen Angaben den Vorschlag bereits am 9. September in Oslo eingereicht. "Obwohl Wladimir Putin als Oberhaut eines Staates, das derzeit über alle Arten moderner Waffen verfügt, enorme Möglichkeiten hätte, beeilt er sich nicht, diese Waffen einzusetzen", heißt es in der Begründung für die Nominierung. Stattdessen würde Putin nach anderen Möglichkeiten zur Lösung von Konflikten suchen. Komkow ist also der Meinung, dass Putin den Nobelpreis verdient hätte, weil er nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Waffen einsetzt und die Welt nicht schon längst in Schutt und Asche gelegt hat. 

Außerdem habe Putin die Vorstellung eines Gottes in der russischen Verfassung verankert und internationale Hilfe während der Corona-Pandemie geleistet, argumentiert Komkow.

Putins Vertrauter 

Das Engagement Komkows kommt nicht von ungefähr. Der Autor einiger Bücher ist vor allem als Chefredakteur des Kreml-Blatts "Präsident" tätig, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem "russischen Präsidenten auf jeder Ebene wahrheitsgemäße Informationen" zur Verfügung zu stellen. Auf der Seite des Propaganda-Organs preist er sich selbst als "Vertrauten des Präsidenten der Russischen Föderation Putin". 

Außerdem ist er nach eigenen Angaben Doktor der Pädagogischen Wissenschaften, Doktor der Rechtswissenschaften, Professor und Mitglied der Moskauer Schriftstellervereinigung. Darüber hinaus ist er aber Mitglied des 2001 gegründeten Präsidentenclubs "Vertrauen", der ins Leben gerufen wurde, "um Wladimir Putin und seine Präsidentschaftsprogramme zu unterstützen".

Und diese Aufgabe erfüllt Komkow ganz und gar. Über die Mitglieder des Nobelkomitees sagte er nun: "Entweder sind sie Diener dunkler Mächte und sind bereit, völlig blind für jede Art des Bösen zu stimmen. Oder sie sind Erben und echte Vollstrecker des Willens des großen Nobels." Wenn Putin den Preis nicht bekomme, müsse das Friedensnobelkomitee "aufgelöst werden", führte er weiter aus.

"Ein absolut lächerlicher PR-Schritt"

Im Kreml gibt man sich da gelassener: "Wenn die Entscheidung auf Putin fällt, wäre es super, wenn nicht, ist das aber auch kein Problem", kommentierte Pressesprecher Dmitri Peskow die Nominierung. Chancen rechnet man sich im Kreml offenbar keine aus.

Der Politiker Boris Wischnewsky glaubt jedenfalls nicht an den Erfolg Putins: "Es ist klar, dass niemand Putin den Nobelpreis geben wird. Besonders wenn man bedenkt, welche großartigen "Verdienste" Wladimir Wladimirovich um den Frieden in dieser Welt vorzuweisen hat", sagte der Chef der Jabloko-Fraktion in der Stadtduma von St. Petersburg im Interview mit dem unabhängigen Sender "Radio Swoboda". "Zuerst griffen wir Georgien an, dann die Ukraine und schließlich mischten wir uns in den Krieg in Syrien ein. Wenn es einen Anti-Nobelpreis oder einen Kriegsnobelpreis geben würde, würde Waldimir Wladimirowitsch wohl zu den Favoriten gehören." 

Er glaube nicht einmal, dass die ganze Aktion vom Kreml koordiniert wurde. "Es ist so idiotisch, dass ich sogar bereit bin zu glauben, dass dieser Schriftsteller, den bislang niemand kannte, ohne Zustimmung gehandelt hat", so Wischnewsky weiter. "Er hat sich einfach entschlossen, sich anzudienen. Anbiederung erfordert nicht immer eine Absegnung."

Der Politiker Sergej Mitrokhin ist in diesem Punkt anderer Meinung: "Natürlich war die Aktion abgesprochen, daran habe ich keinen Zweifel", sagte der ehemalige Vorsitzende der oppositionellen Partei Jabloko im Gespräch mit "Radio Swoboda". Die Nominierung sei "ein absolut lächerlicher PR-Schritt." Umso schlimmer, dass der Kreml sowas zulasse, denn das Ganze werde nach hinten losgehen. Die Verleihung an Putin sei "natürlich unrealistisch, unmöglich. Und es besteht die Gefahr, in diesem Kampf gegen Nawalny oder Tichanowskaja zu verlieren." "Es ist so dumm, dass es nicht einmal lustig ist", stimmte ihm Wischnewsky zu.

Die Statuten des Nobelkomitees 

Im Übrigen kann für den Friedensnobelpreis jeder nominiert werden: Mussolini, Hitler oder Stalin sind auch schon mal vorgeschlagen worden. Nominierungen einreichen können unter anderem Mitglieder von Parlamenten, Regierungen, Universitäten, Friedensforschungsinstituten und Richter. Weder die Namen der Nominierer noch der Nominierten dürfen bis zum Ablauf einer Frist von 50 Jahren jedoch nicht bekannt gegeben werden. Daher kann das Nobelkomitee keine Stellung zu der Nominierung Putins beziehen. 


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