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Treffen mit Lukaschenko Verräterische Körpersprache: Auftritt Putins sorgt für Spekulationen

Sehen Sie im Video: Umstrittenes Treffen in Sotschi – Putin sagt Lukaschenko enge Partnerschaft zu.




Russland und Belarus streben auch weiterhin eine enge Partnerschaft in Wirtschaftsfragen und beim Militär an. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte dem umstrittenen belarussischen Staatsoberhaupt Alexander Lukaschenko bei einem Treffen am Montag in Sotschi eine enge Zusammenarbeit zu. Dies gelte für die Verteidigung wie auch für Handel und Investitionen. Dabei bewilligte Putin seinem Gegenüber einen Kredit von rund 1,3 Milliarden Euro. Zugleich forderte Putin, dass die Krise in Belarus intern und ohne ausländische Einmischung gelöst werden müsse. "Wir sehen, was für innenpolitische Ereignisse im Zusammenhang mit den Wahlen in Belarus geschehen. Sie kennen unsere Position gut. Wir sind dafür, dass die Belarussen diese Situation selbst regeln. Ohne Tipps und Druck von außen, in einer ruhigen Atmosphäre, durch Dialog. Sie sollten zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen wie sie ihre Arbeit weiterführen können." Lukaschenko dankte Putin im Gegenzug für die Unterstützung Russlands. Die jüngsten Ereignisse zeigten, wie wichtig die Verbindung beider Länder sei, so Lukaschenko. Seit sich der mit harter Hand regierende Lukaschenko Anfang August zum Wahlsieger erklärt hat, reißen die Proteste gegen ihn nicht ab. Für Lukaschenko ist es die schwerste Krise in seiner 26 Jahre währenden Amtszeit. Am Sonntag hatten erneut mindestens 100.000 Menschen in der belarussischen Hauptstadt Minsk protestiert und die Freilassung in Haft genommener Oppositioneller verlangt. Allein in Minsk wurden 500 von ihnen in Gewahrsam genommen. Die Präsidentenwahl in Belarus vom 9. August ist auch international umstritten, so erkennt die Europäische Union sie nicht an. Kritiker werfen Lukaschenko Wahlbetrug vor und verlangen seinen Rücktritt. Er weist die Vorwürfe zurück und hat erklärt, hinter den Protesten stünden ausländische Kräfte.
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Zappelnde Füße, unruhige Hände, unsteter Blick: Bei dem Treffen mit Alexander Lukaschenko zeigte sich Wladimir Putin ungewöhnlich nervös. Nicht zum ersten Mal löst seine Körpersprache Fragen nach seiner mentalen Verfassung aus. 

Am Montag stattete der in Bedrängnis geratene belarussische Diktator Alexander Lukaschenko seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin einen Besuch ab. Für das Treffen verließ der Kreml-Chef sogar seine Residenz in Moskau, in der er die letzten Monate ausgeharrt hat und die im Volk nur noch "der Bunker" genannt wird. In Sotschi am Schwarzen Meer berieten die beiden über ihre weitere Strategie für Belarus.

Die Ergebnisse dieses Treffens bestätigen alle Prognosen: Russland wird weiterhin Lukaschenko den Rücken stützen und niemand beabsichtigt, irgendwann einen Dialog mit der Opposition zu führen. Außerdem sagte Putin Lukaschenko einen Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar zu. Belarus ist auf massive russische Finanzhilfen angewiesen. 

Mehr als vier Stunden berieten sich die beiden Machthaber hinter verschlossenen Türen. Doch es sind nicht die Ergebnisse, die nun in den russischen sozialen Netzwerken und unabhängigen Medien diskutiert werden, sondern die Körpersprache der beiden Staatschefs, die sie bei dem anschließenden Auftritt an den Tag legten. Während Lukaschenko mit seiner zum Kreml-Chef geneigten Sitzhaltung sich selbst als Bittsteller positionierte, wirkte Putin ungewöhnlich nervös. Obwohl er sich die größte Mühe gab, möglichst viel Raum in seinem Sessel einzunehmen, konnte er zeitweise seine Füße und Hände kaum ruhig halten, wie Videoaufnahmen zeigen. Von vielen wird diese nonverbale Sprache als ein Zeichen dafür gewertet, dass die derzeitige Situation Putin zunehmend mental zusetzt.

In den vergangenen Wochen haben bereits mehrere Auftritte Putins für Spekulationen über seinen Gemütszustand ausgelöst. Zunächst tauchte der Kreml-Chef, der sonst sehr auf sein Aussehen bedacht ist, mit dunklen Augenringen bei einer Militärparade auf. Vor zwei Wochen dann gab Putin ein Interview, bei dem er sich faktisch an seinen Stuhl klammerte, obwohl alles abgesprochen und im Vorfeld aufgezeichnet worden war.

Tatsächlich befindet sich Putin derzeit in einer durchaus brisanten Lage: Im Osten Russlands gehen seit mehr als zwei Monaten die Menschen auf die Straße und fordern seinen Rücktritt. Im Nachbarland Belarus steht das Schicksal des verbündeten Lukaschenko auf Messers Schneide. Die russische Wirtschaft hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Und nun drohen dem Kreml auch noch neue Sanktionen wegen der Vergiftung von Alexej Nawalny.

Wladimir Putin in der Selbstisolation 

Über den gesundheitlichen Zustand Putins wird ebenfalls spekuliert. Seit dem Ausbruch der Pandemie hat er sich praktisch in der Residenz in Nowo-Ogarjowo bei Moskau verbarrikadiert. Nur zu selten Anlässen, wie Militärparaden oder dem Treffen mit Lukaschenko, lässt er sich in der Öffentlichkeit blicken. Offiziell dienen die Maßnahmen dem Schutz gegen das Coronavirus. 

Um Putin vor einer Infektion zu schützen, hat der Kreml zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen eingeführt. Der Präsident und seine engsten Kontaktpersonen werden regelmäßig auf das neuartige Coronavirus getestet. Auch Besucher müssen sich vor einem Treffen mit Putin einem Test unterziehen. Außerdem wurde im Kreml und in der Residenz Putins jeweils ein Desinfektionstunnel eingerichtet. Alle, die dem Kreml-Chef einen Besuch abstattet wollen, müssen nun zunächst durch die Sicherheitsschleuse hindurch. Dabei werden die Besucher von allen Seiten mit Desinfektionsspray besprüht.

Bis zum Februar will Putin noch in der Selbstisolation bleiben, wie der Kreml verkündete. Vielen Russen muten diese Maßnahmen seltsam an, zumal Putin nicht müde wird, Loblieder auf den russischen Impfstoff zu singen, und das Virus in Russland längst für besiegt erklärt hat. 

ivi

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