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Sotschi: Treffen zwischen Putin und Merkel: Wie ein Blumenstrauß zum Zankapfel wird

Bei ihrem Treffen in Sotschi überreichte Wladimir Putin Angela Merkel zur Begrüßung einen Blumenstrauß. "Ein Affront", titelte die "Bild". In Russland sorgt die Zeitung damit für Empörung, die bis in den Kreml reicht.

Wladimir Putin begrüßt Angela Merkel mit einem Blumenstrauß

Wladimir Putin begrüßte Angela Merkel in Sotschi mit einem Blumenstrauß

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Am vergangenen Freitag reiste Angela Merkel zu einem Treffen mit Wladimir Putin nach Sotschi. Bevor sich die beiden alten Bekannten den großen Krisenherden der Welt widmeten, begrüßte Putin die Kanzlerin in seiner Sommerresidenz mit einem Blumenstrauß. Eine Geste der Wertschätzung in Russland. Bei der "Bild"-Zeitung interpretierte man das kleine Geschenk jedoch anders. "Was höflich aussieht, ist in Wahrheit ein Affront: Unter Top-Politikern gibt man sich die Hand, man schenkt keine Blumen. Die Bilder sollen signalisieren: Mächtiger Mann begrüßt Gnädige Frau", kommentierte man bei der Boulevardzeitung

Es sind nur wenige Sätze, die aber in Russland für einige Aufregung sorgen. Denn dort ist das Blatt als eines der einflussreichsten deutschen Medien bekannt. Dass man bei der "Bild" einen Blumenstrauß als Affront interpretieren kann, ist in Russland unbegreiflich. Dort gehört es einfach zum guten Ton, Frauen Blumen zu schenken, egal ob es sich um Arbeitskolleginnen, Nachbarinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen oder Politikerinnen handelt. Zu so manch einem Anlass kommt es gar einer Beleidigung gleich, keine Blumen zu schenken. Einen sexistischen Unterton haben Blumen in Russland schlichtweg nicht. "Weil das Prinzip des Sexismus grundsätzlich nicht in der russischen Kultur verankert ist", wie die kremlkritische Zeitung "Gazeta.ru" es prägnant auf den Punkt bringt.

Die vermeintliche Beleidigung durch einen Blumenstrauß an Merkel wird nun von den russischen Medien als ein weiteres Beispiel westlicher Propaganda gegen Russland bewertet, zumal die "Bild"-Zeitung ohnehin schon für ihren "hetzerischen Ton" verschrien ist. Selbst eine Geste des Respekts werde im Westen als ein feindlicher Akt ausgelegt, so der aufgebrachte Tenor.

"Das gehört zu unseren Traditionen"

Am Montag sah sich sogar Kreml-Sprecher Dmitri Peskow angesichts der Aufregung dazu genötigt, ein Statement zu der Angelegenheit abzugeben, obwohl man eigentlich gar nicht auf sowas reagieren wolle, betonte er. "Es ist absolut normal, dass wir Frauen, Kollegen und internationalen Gesprächspartnern Blumen schenken", sagte Peskow. "Das gehört zu unseren Traditionen, an denen wir uns orientieren", fügte er hinzu. 

Auch unabhängige Medien sind um Aufklärung bemüht. "Der Blumenstrauß in zarten Pastelltönen ist Ausdruck der Dankbarkeit für die Möglichkeit eines Dialogs und der Hoffnung auf dessen Fortsetzung", schrieb etwa "Gazeta.ru".  

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Putin Merkel Blumen schenkt. 2008 überreichte der russische Präsident der Kanzlerin zum Weltfrauentag am 8. März einen Strauß roter Blumen. Damals hatte jedoch niemand Anstoß dran genommen. Die jetzige Aufregung der "Bild" sei nur ein weiterer Beleg für die hysterische Stimmungsmache gegen Russland, heißt es in russischen Staatsmedien.

Ein Mitbringsel für Wladimir Putin 

Auch anderen Politikerinnen hat Putin bereits Blumen überreicht, im letzten Jahr war es die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović, 2012 war es die damalige Präsidentin Finnlands Tarja Halonen. Auch die Gattin des ehemaligen US-Präsidenten Georg W. Bush hat mehrmals Blumen von Putin bekommen, genauso wie die niederländische Königin Beatrix. 

Bei ihrem Besuch in Sotschi soll Merkel übrigens Putin auch ein Geschenk gemacht haben: deutsches Bier. Dieses Mitbringsel hat in der Beziehung der beiden Staatschefs bereits Tradition. Und wenn man es böswillig betrachtet, könnte man es wohl auch als ziemlich sexistisch auslegen. Das tut aber niemand. Und einen Händedruck, gab es zwischen Putin und Merkel übrigens auch. 

Wladimir Putin fuhr in einem orangenen Lastwagen der kultigen russischen Marke Kamaz über die Krim-Brücke