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Pandemie Wuhan, das Coronavirus und der Laborunfall: USA drängen darauf, Gerüchte endlich aufzuklären

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Wieder gibt es vage Hinweise, dass das Coronavirus aus dem Labor des Virologischen Instituts in Wuhan stammen könnte. Die Chinesen bezeichnen die Berichte als "komplette Lüge", doch das Weiße Haus verlangt endgültige Aufklärung.

Die USA werden langsam unruhig und es mehren sich die Stimmen, die die endgültige Klärung der "Laborunfall"-Theorie verlangen. Anlass ist ein Bericht des "Wall Street Journal" über mögliche Corona-Infektionen im Virologischen Labor in Wuhan. Damit hat die Dauerdiskussion über das umstrittene Gerücht neue Nahrung erhalten. Das "New York Magazin" schreibt dazu: "Die Hypothese ist längst nicht bewiesen. Aber der Bericht über die Herkunft des Virus ist höchst plausibel und genauso fundiert, wie die gängige Theorie einer Infektion, die auf natürliche Weise von einer Fledermaus auf eine Person übergesprungen ist."

Über Pfingsten hatte das Wirtschaftsblatt unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht berichtet, dass im November 2019 drei Mitarbeiter des Instituts für Virologie in der Stadt Wuhan so schwer erkrankt seien, dass sie ein Krankenhaus aufgesucht hätten. Die ersten Corona-Infektionen waren Ende 2019 in Wuhan bekannt geworden. Seitdem wird darüber spekuliert, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie, in dem mit Coronaviren geforscht wird, entwichen sein könnte. Die chinesische Regierung hat das energisch bestritten und auch ein Expertenteam, das im Auftrag der WHO im März zwei Wochen lang die Herkunft des Virus' vor Ort untersucht hatte, stufte das als "extrem unwahrscheinlich" ein.

Virus stammt wahrscheinlich von Fledermäusen

Das US-Außenministerium hatte schon im Januar - zum Ende der Amtszeit von Präsident Trump - erklärt, es gebe Anlass zu der Annahme, dass mehrere Mitarbeiter des Labors in Wuhan im Herbst 2019 und damit vor den ersten offiziellen Corona-Fällen erkrankt seien. Sie hätten Symptome gehabt, "die sowohl mit Covid-19 als auch mit gewöhnlichen saisonalen Erkrankungen übereinstimmen". Im "Wall Street Journal" machten US-Regierungsvertreter allerdings unterschiedliche Angaben darüber, wie belastbar die zugrunde liegenden Informationen sind. 

Bislang geht die Wissenschaft davon aus, dass das Virus "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich" von einer Fledermaus oder einem Schuppentier direkt oder indirekt auf den Menschen übergesprungen ist. Als erster bekannter Infektionsort gilt ein Wildtiermarkt in Wuhan. Einer Studie der Wissenschaftszeitschrift "Science" zufolge gibt es Hinweise, nach denen der Erreger bereits im Herbst 2019 auf einem Markt für Meeresfrüchte aufgetaucht sein könnte. Danach sei der Wildtiermarkt zwar nicht die Quelle von Sars-CoV-2, aber der erste "Superspreader"-Ort gewesen.

China nennt Bericht "komplette Lüge"

Eine Tier-Mensch-Übertragung, Ursache für 70 Prozent aller Infektionen, ist natürlich auch in einem Labor möglich. Laut der chinesischen Staatszeitung "Global Times" bezeichnete der Chef des Wuhaner Instituts den Bericht des "Wall Street Journals" als "komplette Lüge". Die Weltgesundheitsorganisation hatte angekündigt, die Hypothese eines Laborunfalls in Wuhan ungeachtet ihres bisherigen Ergebnisses weiter prüfen zu wollen. Zahlreiche Staaten äußerten ihre Besorgnis darüber, dass den Experten bei ihrer Untersuchung in China der Zugang zu Daten verwehrt worden sei. 

Als gesichert gilt mittlerweile, dass das Sars-CoV-2-Virus nicht durch menschliche Manipulation entstanden ist. Da das Virologische Institut in Wuhan mehr oder weniger in direkter Nachbarschaft zum Wildtiermarkt liegt, kamen schnell Gerüchte auf, dass das Virus aus dem Forschungsinstitut entwichen sein könnte. Selbst der damalige US-Präsident Trump griff die in Verschwörungskreise beliebte Theorie immer wieder auf. Im Mai 2020 spielte er sogar mit dem Gedanken, China für den Ausbruch der Pandemie finanziell in Haftung zu nehmen.

Obwohl in dem US-Geheimdienstbericht nicht behauptet wird, dass das Virus aus dem Labor des Virologischen Instituts entwichen sei, verlangt die jetzige US-Regierung weitere Ermittlungen durch die WHO. "Wir brauchen diese Informationen der chinesischen Regierung", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Bei der US-Opposition wiederum heißt es, man glaube nicht, dass die Weltgesundheitsorganisation willens sei, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen. Donald Trump hatte die USA in seiner Amtszeit aus der WHO zurückgezogen, mit der Begründung, die Organisation würde chinesischen Interessen dienen.

Quellen: "New York Magazin", "Wall Street Journal", DPA, AFP, USA Today, ZDF

nik

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