HOME

Zypern: Polizei zwingt syrische Flüchtlinge zum Verlassen von Kreuzfahrtschiff

Vor Zypern hatte sie der Luxus-Dampfer aus Seenot gerettet, dann besetzten die syrischen Flüchtlinge die "Salamis Filoxenia". Eigentlich sollten 300 Russen ihre Kreuzahrt an Bord des Schiffes starten.

Inzwischen hat die Polizei die geretteten syrischen Flüchtlinge von Bord des Kreuzfahrtschiffs "Salamis Filoxenia" gezwungen

Inzwischen hat die Polizei die geretteten syrischen Flüchtlinge von Bord des Kreuzfahrtschiffs "Salamis Filoxenia" gezwungen

Mehrere hundert syrische Flüchtlinge sind von der zyprischen Polizei an Land gezwungen worden. Zuvor hatten sie sich geweigert, ein Kreuzfahrt-schiff zu verlassen, das sie vor der Küste Zyperns aus Seenot gerettet hatte. Die Geretteten verlangten, nach Italien gebracht zu werden, berichtete der Chef der Kreuzfahrtgesellschaft Salamis Cruise Lines, Kikis Vassiliou, in der Nacht zum Freitag im Hafen von Limassol.

Das zyprische Kreuzfahrtschiff "Salamis Filoxenia" hatte am Donnerstag 345 Flüchtlinge an Bord genommen, deren Boot in rauer See zu kentern drohte. Nach der Landung im Hafen von Limassol sollten die Flüchtlinge in ein Armeelager gebracht werden. Die Geretteten weigerten sich jedoch, von Bord zu gehen. Nach Polizeiangaben verließenzunächst nur 65 Flüchtlinge das Schiff. Sie wurden in ein Aufnahmelage nahe Nikosia gebracht.

"Wir haben alles getan um sie zu retten, wir haben ihnen zu Essen gegeben und Hilfe geleistet, und jetzt wollen sie unser Unternehmen ruinieren", klagte Vassiliou. Durch die verzögerte Weiterfahrt des Kreuzfahrtschiffes drohten seinem Unternehmen Verluste in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, sagte er. Rund 300 russische Urlauber, die mit der "Salamis Filoxenia" am Donnerstagabend Richtung Israel hätten auslaufen sollen, wurden vorerst in Hotels in Limassol untergebracht.

In der Nacht zum Freitag liefen Verhandlungen mit den Geretteten. Im Hafen standen Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Roten Kreuzes bereit, um den Flüchtlingen zu helfen. Eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffs berichtete, die Flüchtlinge seien nach eigenen Angaben von Syrien gestartet und drei Tage auf See gewesen. Der Kapitän habe das Flüchtlingsboot im Stich gelassen. Zypern liegt nur rund 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt.

Die Flüchtlinge stammen nach Schätzungen der Behörden fast alle aus Syrien. Unter ihnen sind viele Familien, mehr als 50 Kinder sind dabei. Die Flüchtlinge sollen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht werden. Im Mittelmeer sind in den vergangenen Monaten tausende Flüchtlinge ums Leben gekommen.

2014 starben 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer

Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika haben 2014 eine beispiellose Zahl von Menschen in die Flucht getrieben Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben.

mia/AFP/DPA / DPA