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Schlag 12 - Der Mittagskommentar: Rette die Griechen, wer kann

Auch wenn 119 Abgeordnete gegen ein drittes Hilfspaket für Griechenland stimmten und 40 Abgeordnete sich enthielten - jetzt darf verhandelt werden. Eine wirkliche Wahl hatte der Bundestag aber nicht.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Na, Freunde des hurtigen Weiterklickens, noch jemand da, der sich für Griechenland interessiert? Für ESM, Grexit, Schuldentragfähigkeit und die Debatte heute im Bundestag und für die nicht wirklich überraschende Entscheidung des Parlaments, den Euro-Finanzministern grünes Licht zu geben, ein drittes Hilfspaket zu verhandeln, das es eigentlich nie geben sollte, das keiner wollte, jedenfalls jenseits von Griechenland? Und das, nennen wir es mal: halbehrliche Ergebnis der namentlichen Abstimmung, bei der es der parlamentarische Arm der "Bild"-Zeitung dann doch auf nur 119 Neins und 40 Enthaltungen brachte?

Na, noch jemand da? Ah, sehr schön, der Herr mit der lachsfarbenen Krawatte am Commodore da hinten. Ein wenig Geduld bitte, wir kommen noch dazu. Erst einmal aber machen wir einen kleinen Ausflug in jene so entfernte Zeit, als die Welt noch fein geteilt und geordnet war in Ost und West, Gut und Böse, D-Mark und Drachme, Wehrpflicht und Zivildienst, was in Wirklichkeit aber auch nicht alles einfacher machte. Nehmen wir nur mal die sogenannte Gewissensprüfung für jene jungen Menschen, die sich bei der Bundeswehr partout nicht das Töten anderer Menschen beibringen lassen wollten, und das in diesen kuriosen Verhandlungen gerne aufgeworfene moralische Dilemma: "Sie gehen nachts mit Ihrer Freundin im Park spazieren. Plötzlich brechen sechs Russen aus dem Gebüsch und versuchen, Ihre Freundin zu vergewaltigen. Zufällig liegt eine Stalinorgel am Wegrand. Was machen Sie?"

Wir verraten kein großes Geheimnis, aber die Antwort: "Ha, die pump ich weg" mochte zwar auf der Hand liegen, führte aber höchstens auf den nächsten Kasernenhof. Alternativen? Keine. Sich in die Büsche schlagen, tatenlos zugucken - diskreditierte einen alles maßlos. Man musste sich ordentlich winden und seine Gewissensnöte ausstellen, um da raus zu kommen. Wir lernen: Zuweilen gibt es keine einfachen Antworten. Oder sie helfen einem nicht weiter. Und manchmal wollen die anderen einfach auch belogen werden.

Die hilflose Kanzlerin und das Flüchtlingsmädchen

Und nun, kleiner Zeitsprung, gucken wir kurz noch in Rostock vorbei, wo unsere Kanzlerin am Mittwoch bei einem ihrer Versuche, das Thema "Gut leben in Deutschland" mit echten Menschen zu erörtern, auf Reem traf, eine 13-Jährige aus Palästina, die mit ihrer Familie vor vier Jahren in dieses Gut-leben-Land geflüchtet ist, offenbar prima integriert ist, aber wohl wieder gehen muss, weil die Familie kein Bleiberecht bekommt. Das alles schilderte Reem einigermaßen ruhig und ziemlich bewegend. Was darauf folgte, wurde zum Shitstorm-Hit im Netz und dem Hashtag-Renner #merkelstreichelt.

Die Kanzlerin erklärt: "Politik ist manchmal hart. Es werden manche wieder zurückgehen müssen." Reem beginnt zu weinen. Merkel geht zu ihr, tätschelt sie und sagt: "Ach komm, Du hast das doch prima gemacht."

Nein, nicht wirklich glücklich und gelungen. Eher hilflos. So überfordert hilflos, wie Menschen in bestimmten Situationen manchmal einfach sind. Und, im Ernst: Was hätte sie machen sollen? Weiter im Programm und das Mädchen heulen lassen? In Sonnenköniginnen-Manier versprechen: Nicht weinen, pfeif auf Gesetze und Gerichte, ich sorge dafür, dass du bleiben kannst? Wir nennen das jetzt mal: die Russen-im-Park-Situation. Egal, was man macht, wie man reagiert - es ist falsch. Lose-Lose.

Politik ist manchmal hart

So, und nun, tatatata, falls er sich nicht längst auf die Homepage des Professor Lucke verdünnisiert hat, zu unserem Lachsfarbenen da hinten, der Fass-ohne-Boden-Miene und mit dem Thomas-Strobl-Gedächtnis-Tweet: "Der Grieche hat genug genervt." Ja, der Grieche hat, jedenfalls in Gestalt seiner Regierung Tsipras, ordentlich genervt, er hat den Rest Europas gegen sich aufgebracht, er hat sämtliches Vertrauen verspielt, einen Keil in die deutsche Regierung getrieben und fast einen anderen zwischen Deutschland und Frankreich. Vor allem aber hat er die Lage seines Landes binnen kurzer Zeit dramatisch verschlimmert. "Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg", urteilt Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ach, pardon: So klar sagt das nur sein Vorgänger Peer Steinbrück. Ende im Gelände. Last exit Grexit. Kann man so sehen. Muss man aber nicht.

Ja, Politik ist manchmal hart - und teuer. Dazu gehört auch, zwischen Alternativen zu stehen, die keine sind. Vor der Russen-im-Park-Frage. Griechenland Pleite stürzen und das Land samt Europa in eine riskante, nicht zu kalkulierende Zukunft gehen zu lassen? Sich erpressen und Griechenland weiter Geld ohne wirkliche Gegenleistungen geben? Merkel hat sich für den Mittelweg entschieden. Es noch einmal zu versuchen mit DEM GRIECHEN - aber zu ihren Bedingungen. Nicht immer muss der Mittelweg den Tod bringen. Und dass sie nun als kühl und kaltherzig da steht, ja nun, siehe Absatzanfang: Politik ist …

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Der Bundestag hatte keine andere Wahl, als dem zuzustimmen. Er hat sich dieser Wahl souverän unterworfen. Und wo das erledigt ist, könnte jetzt jemand ja auch noch alle Hebel in Bewegung setzen, um dafür zu sorgen, dass Reem aus Rostock-Palästina und die vielen anderen Reems, die es mittlerweile in Deutschland gibt, doch bleiben dürfen. Denn auch da sollte gelten: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(