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Abwasch der Woche: Sie Düffeldoffel da!

Warum schläft die FDP den Schlaf der Steuergerechten? Was hätte Wehner gesagt, wenn er Arno Schmidt gewesen wäre? Und warum gründet Ypsilanti erst jetzt eine Denkfabrik? Zeit für den Abwasch.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Herbert Wehner ist ja auch schon wieder 20 Jahre tot, der gerne nach dem vorbildlichen Motto verfuhr: Das bisschen, was ich sage, kann ich auch schweigen. Wenn er aber anhub zu reden, schuf der große Grantler Sprachbilder und Schmähungen von dadaistischer Gewalt: den unübertroffenen "Sie Düffeldoffel da" und den wunderbaren "Hodentöter" zum Beispiel oder den Pinkwart, ach nein, den nicht, der ist echt und überdies auch schon von Geringeren wie Jürgen Möllemann als "Pinkelwart" veralbert worden und als "Chaosprofessor", nur weil er in seiner früheren Existenz als Professor der Volkswirtschaft wegweisende Werke verfasst hat, mit Titeln wie "Chaos und Unternehmenskrise", was, in einem leicht anderen Zusammenhang, wiederum recht aktuell anmutet.

Ach, haben wir übrigens schon erwähnt, dass Andreas Pinkwart der ruhmreichen Freidemokratischen Partei Deutschlands nicht nur angehört, sondern auch deren stellvertretender Bundesvorsitzender ist, und zwar seit Jahren? Sowie seit nicht ganz so vielen, aber immerhin auch schon fünf Jahren stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Minister für Innovation, Forschung, Wissenschaft und Technologie (uff, hoffentlich ham wa da nix vagessen!), was auch nicht weiter aufgefallen ist, den Amtsinhaber aber nicht daran hindert, das Amt auch nach der Landtagswahl in Düsseldorf innehaben zu wollen, wogegen aber ein gewisser wachsender, nun ja: Überdruss an den selbsternannten "Freunden der Freiheit" und bestimmten ihrer liberalen Positionen und ein damit verbundener Liebes- beziehungsweise Stimmentzug spricht, weswegen ihm, also Pinkwart, tragende Körperpartien auf Grundeis gehen und er - und nun kommen wir endlich zur Sache - jetzt seinen persönlichen Stellvertreterkrieg angezettelt hat, gegen die von der FDP, also der von ihm mitgeführten Partei, durchgefochtene Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen, den sogenannten Schnorchelrabatt.

Aber wahrscheinlich liegt das gar nicht an der Angst des Pinkwart vor der Landtagswahl und Rüttgers Wendigkeit und Schwarzgrün und Wiederopposition, sondern er hat nur als besonders gründlich forschender Wissenschaftler mit etwas Verspätung gegenüber dem vorschnellen Rest der Zunft rausgekriegt: Irgendwie ist das mit dieser Steuersenkung so wie mit dem Perpetuum mobile oder dem Stroh-zu-Gold-Spinnen: Dolles Ding eigentlich, funktioniert nur leider in der Praxis nicht richtig. Weil: Die Beamten haben's versaut. Diese Bürokratie! Betten (sieben Prozent) hier, Brötchen (neunzehn Prozent) da, soll noch einer auseinanderhalten können. Hätt' ja auch mal früher jemand sagen können, dass das so kompliziert wird. Wie, haben doch Aberdutzende? Macht auch nichts. Wurscht ist's beziehungsweise Weg mit! Und zwar subitosofort.

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Wir kennen sowas auch aus dem echten Leben, zum Beispiel aus Hollywood ("Traum(!)fabrik"): Da finden sich zwei, geiles Gestell, markantes Kinn, die Kleinkohle ist ebenso da wie die Zweitvilla - und ab geht´s nach Las Vegas, die Sonne putzen bzw. beim Friedensschnellrichter mal eben ein hurtiges Ja-Wort abgelegt und ab in die Federn (da fällt uns ein: Gibt´s da auch Steuernachlass?). Und stramme 30 Tage später: Böses Erwachen! Morgendliche Knittergesichter. Das Frühstücksei zu hart, die Zahnpastatube links gedrückt. So geht das nicht, so wird das nichts. Aus die Maus. Scheidung und puff, ausgeschnorchelt.

Aber wir wollen uns jetzt nicht über Gebühr lustig machen über den politischen Überlebenskampf eines Mannes, dem seine Parteifreunde in Berlin sogar unterstellen, er wolle FDP-Vorsitzender werden, wobei man nicht weiß: Ist das jetzt noch üble Nachrede oder schon Veralbern? Eigentlich muss man Pinkwart sogar dankbar sein. Er hat gezeigt, dass es auch in der FDP nostalgische Anwandlungen gibt: Das ist doch die gute alte Partei, wie wir sie von früher kennen: Sie kämpft so gut, wie sie kann - bis zum Umfallen.

Vielleicht hat er aber auch nur mal bei Wehner nachgelesen und etwas gründlich missverstanden: "Es ist besser, als ein Wolf zu sterben, denn als ein Hund zu leben."

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Ach ja, geschundene, gequälte Kreatur. Der Maier Sebb, der in seinem Torhüterleben viele Bälle gefangen und ein paar auf die Mütze bekommen hat, hat jetzt in den "Blättern für internationale Politik", ach Quatsch, kleine Verwechslung, im "Kicker", auf die Frage nach seinem besten Freund geantwortet: "Mein Hund Batzenhofer", ein, man lernt ja nie aus, Deutsch-Stichelhaar. Batzenhofer?, fragen die Kollegen vom "Kicker" irritiert. Ja, das sei so gekommen, erzählt der Maier Sebb, er sei mit seiner Frau durch Berlin gebummelt, da las er "das Schild einer Brauerei: 'Echt Batzenhofer'. Falls wir mal einen Hund haben, ist das der richtige Name, habe ich gesagt."

Wir dagegen fragen uns seither erstens, wie das Tier wohl hieße, wenn die Maiers in Hamburg rumgestromert wären: Holstenknalltamdollsten? Und zweitens, ob der Maier Sebb wohl das Schild meint, das wir hier in Berlin immer gesehen haben: "Aecht Patzenhofer". Ach ja, Payern in Perlin...

Ganz aehrlich, wir wissen auch nicht, ob's am Bier oder den Bällen liegt, dass wir an dieser Stelle ausgerechnet auf den Ramsauer Peter kommen. Wahrscheinlich doch am Bier: Der Verkehrs- und Brau, pardon: Bauminister hat jetzt für sein Haus ein Reinheitsgebot erlassen und lässt die Unterwanderung durch das perfide Albion stoppen. Künftig gilt: Man spricht deutsh. Da werden sich die Mitarbeiter aber wundern, wenn sie bestens präpariert zum nächsten Meeting kommen und nur ein simples Treffen stattfindet. Und wie spricht Günther Oettinger das eigentlich aus, wenn es am Bahnhof demnächst wieder eine "Information" gibt?

Der Ramsauer Peter ist jedenfalls sicher, dass seine durchaus löbliche Säuberungsaktion ein äh, wie sagt man?, voller Erfolg wird. "Meine Mitarbeiter wissen den Weg zur deutschen Sprache", hat er stern.de enthüllt.

Yo! Da wissen sie sich aus: Nämlich bis zum service point, dann scharf rechts abbiegen und immer geradeaus. Und immer schön auf die Gleise achten!

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Wir vom Abwasch verlangen ja nicht viel, schon gar keine Vernunft. Wir sind schließlich keine Unmenschen. Aber irgendwie vermissen wir doch so ein kleines, kleines bisschen mehr Enthusiasmus bei den Liberalen, seitdem die schwarzrote Koalition Merkel-Bild Fahndung frei gegeben hat: "Kauft euch die reichen Steuerbetrüger!" Irgendwie hört man von den Freidemokraten so gar nichts zu dem Thema. Was ist los? Schlaf der Steuergerechten? Zuviel zu tun: Spenden zählen (Mövenpick, ist das nicht auch irgendwie Schweiz?), Pinkwart quälen? Wehner studieren ("Wir sind nicht auf die Welt gekommen, damit wir es gemütlich haben")?

Dabei könnte man das schöne Schwarzgeld gerade gut gebrauchen. Wenn wir richtig gerechnet haben, kann man mit den hinterzogenen Steuern glatt die Hälfte des Schnorchelrabatts finanzieren. Wär doch schon mal was. Man könnte auch ganz locker die Kosten bezahlen, die laut "Tagesspiegel" entstehen, weil es pro Verwaltungsakt 21 Euro kostet, die 20 Euro Kindergeld wieder einzutreiben, die im Januar irrtümlich zu viel an 1,3 Millionen Hartz-IV-Empfänger ausgezahlt wurden, was für die Staatskasse ja auch ein schönes Verlustgeschäft ist.

Oder, hey, man könnte - "Das war schon Quatsch. Und das hier ist noch viel Quätscher" (Wehner) - die "Nationale Streusalzreserve" finanzieren, die der FDP-Politiker Patrick Döring gefordert hat, nachdem's hier mal geschneit hat wie in Norwegen zwischen eins und halb zwei; ein paar Iglus wären dann auch noch drin. Man wundert sich dann doch immer wieder mal über die Liberalen. Da dachte man, die Freunde der Freiheit verföchten das Motto: Selber streuen! Damit kennen sie sich schließlich aus. Ach nein, das haben wir verwechselt, da geht's ja um Sand und Augen...

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Das Beste kommt zum Schluss. Nämlich die Antwort auf die Frage: Was macht die AKO eigentlich so, die Außerkoalitionäre Opposition? Nun, sie schmiedet rotrotgrüne Bündnisse, jedenfalls in Gestalt von - jawoll, Narhallamarsch - Andrea Ypsilanti. Wahrscheinlich des großen Erfolges wegen. In Berlin hat die SPD-Politikerin jetzt mit Grünen und Linken das "Institut solidarische Moderne" gegründet, eine so genannte "Denkfabrik".

Denkfabrik! Nicht schlecht. Da hätte sie mal früher drauf kommen können. Vielleicht hilft's ja was.

Oder wie Wehner über Andrea Ypsilanit gesagt hätte, wenn er Arno Schmitt gewesen wäre: "Ich finde niemanden, der so häufig recht hätte, wie ich."