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Für 25.000 Euro: Russen sollen Petry und Pretzell Flug im Privatjet gezahlt haben

Nicht nur US-Präsident Donald Trump, auch die AfD hat jetzt ihre Russland-Affäre. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll aus Russland Geld für einen Privatflug dreier Mitglieder geflossen sein.

Die früheren AfD-Politiker Marcus Pretzell und Frauke Petry, eine Maschine vom Typ Embraer Legacy 450

In einer Maschine vom Typ Embraer Legacy 450 ging es für die damaligen AfD-Politiker Marcus Pretzell und Frauke Petry von Moskau nach Berlin

Einmal von Moskau-Wnukowo nach Berlin-Schönefeld, ganz flexibel ohne lästigen Flugplan, ganz entspannt im Privatjet auf bequemen Ledersesseln. Kostet: 25.450 Euro, zu buchen über die Bremer Charterfirma "Atlas Air Service". Ein exklusiver Dienst, den sich die damaligen AfD-Politiker Frauke Petry und Marcus Pretzell sowie ihr Parteikollege Julian Flak im Februar 2017 gegönnt haben. Oder eher: sich gönnen ließen. Denn wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Bezahlinhalt) berichtet, ließ sich das Trio die Reise bezahlen - von russischer Seite. Und das könnte nun in vielerlei Hinsicht zum Problem für die AfD werden.

Eingeladen hatte demnach ursprünglich die Moskauer Stadtregierung, es sei bei dem Treffen um Regionalpolitik gegangen, auch das Thema "Schüleraustausche" habe zum Beispiel auf dem Programm gestanden. Nach dem Treffen sei die Rückkehr nach Deutschland per Linienflug geplant gewesen, doch daraus wurde nichts.

Illegeale Parteienfinanzierung für die AfD?

Denn unter anderem habe Wjatscheslaw Wolodin, der Vorsitzende des Moskauer Unterhauses, die drei AfD-Politiker noch treffen wollen, und so habe die russische Seite angeboten, für sie den Privatjet zu chartern, damit der starre Flugplan die Zusammenkunft nicht über den Haufen werfe.

So hätten es Pretzell und Flak inzwischen geschildert, nachdem es lange Zeit nur Gerüchte über den teuren Flug gegeben hatte, schreibt die FAZ. Frauke Petry indes schweige zu der ganzen Angelegenheit.

Die zentrale Frage ist: In welcher Eigenschaft flogen die drei Politiker nach Russland? Als Parteimitglieder? Oder als Abgeordnete? Beide Möglichkeiten könnten Schwierigkeiten mit sich bringen:

Sollte die Zahlung der 25.000 Euro der Partei zugutegekommen sein, handelt es sich dabei möglicherweise um eine illegale Parteispende aus dem Ausland. Pretzell sagte dazu: "Das hat mit einer Parteispende nichts zu tun", die Delegation habe "nicht im Gremienauftrag" der Partei gehandelt. Waren die Politiker also doch als Abgeordnete unterwegs? Dann hätten sie die Übernahme der Kosten melden müssen - inklusive der Namen der Geldgeber. Das ist laut FAZ nicht geschehen. Pretzell ließ die Frage des Blattes nach dem Namen des Sponsors unbeantwortet.

Kritik an Russland-Verbindung

Doch nicht nur juristisch, auch politisch ist der gesamte Vorgang brisant, schürt er doch den Verdacht russischer Unterstützung für die AfD. Die Partei zeigte sich in der Vergangenheit häufiger auf Kreml-Linie, etwa im Zusammenhang mit der Annexion der Krim.

So äußerte sich CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen überzeugt, dass Russland viel an einem politischen Erfolg der AfD liege: "Das zeigt, dass Frau Petry als damalige Bundesvorsitzende der AfD von Geldgebern in Russland als unterstützenswerte Person angesehen wurde. Und über diesen offensichtlichen Zusammenhang muss die AfD für Aufklärung sorgen." Ähnlich äußerte sich der Grünen-Außenexperte Omid Nouriopour: "Es ist schon spannend, dass ausgerechnet diejenigen, die am lautesten die angeblich verletzte Souveränität Deutschlands wiederherstellen wollen, sich für ihre Politik von einer ausländischen Macht berzahlen lassen", sagte er der FAZ. "Das ist das erste Mal, dass sich eine bisher nur angenommene Verbindung zur AfD nachweisen lässt. Das ist fatal und schockierend. Damit ist die AfD der verlängerte Amt Putins im deutschen Parlament."

Moskau - Berlin, ganz entspannt im Privatjet. Das könnte für Pretzell, Petry und Co. im Nachhinein noch ziemlich unbequem werden.

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