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Afghanistan: Bundeswehrwaffen landen auf dem Schwarzmarkt

Auf Schwarzmärkten in Afghanistan und Pakistan soll es einen regen Handel mit Bundeswehrpistolen geben. Die Waffen stammen laut einem Rundfunkbericht aus Altbeständen, die dem afghanischen Innenministerium Anfang 2006 übergeben wurden.

Pistolen aus Bundeswehr-Beständen werden nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks auf Schwarzmärkten in Afghanistan und Pakistan gehandelt. Wie NDR-Info berichtet, sind darunter Waffen aus einer Lieferung des Bundesverteidigungsministeriums, das die afghanische Polizei und Armee mit 10.000 Pistolen ausstattete. Weder die Bundesregierung noch eine zuständige US-geführte Sicherheitseinheit in Afghanistan hätten den Verbleib der Pistolen verfolgt. Waffenhändler in der Region hätten NDR-Info gesagt, es seien mehrere hundert deutsche Pistolen im Angebot.

Das Verteidigungsministerium hat keine Hinweise auf einen Schwarzmarkthandel mit Bundeswehrwaffen, bestätigte aber, dass ein Altbestand von 10.000 ausgemusterten Walther-P1-Pistolen im Januar 2006 an das afghanische Innenministerium übergeben worden war. Die afghanische Seite habe sich aber zur ausschließlichen Verwendung der Waffen durch die Sicherheitskräfte verpflichtet. "Eine Weitergabe an Dritte darf danach nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung der Bundesregierung erfolgen", sagte ein Ministeriumssprecher. Die zuständige US-geführte Sicherheitseinheit kann nach Angaben von NDR-Info den Verbleib von weniger als der Hälfte der Waffen nachvollziehen.

Grüne: "Grob fahrlässig"

NDR-Info berichtete weiter, die deutschen Pistolen würden in Afghanistan und Pakistan nach Angaben von Waffenhändlern als Prestigeobjekte gelten und zu Preisen von teilweise mehr als 1000 Dollar gehandelt. So sei in Kabul eine fast 50 Jahre alte, aber nahezu unbenutzte Bundeswehrwaffe für 1600 Dollar angeboten worden. Unter anderem verkauften aktive und ehemalige afghanische Polizisten und Soldaten die Waffen illegal. Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Nachtwei, warf der damaligen Bundesregierung eine "grob fahrlässige Vorgehensweise" vor und forderte eine Untersuchung des Vorfalls. Auch die Gewerkschaft der Polizei kritisierte die Lieferung.

Nato fordert mehr deutsche Polizeiausbilder

Zwischen Deutschland und der Nato drohen unterdessen Unstimmigkeiten wegen des Einsatzes von Polizeiausbildern in Afghanistan. Die Bundesregierung soll einem "Spiegel"-Bericht zufolge 1200 Beamte entsenden - über zehn Mal mehr als bislang im Land. Eine offizielle Anfrage werde in den nächsten Wochen gestellt werden, schreibt das Magazin unter Berufung auf Nato-Kreise. Aus Sicherheitskreisen in Berlin hieß es, es wäre problematisch, so viele deutsche Polizisten für einen Einsatz in Afghanistan zu mobilisieren. "Das sprengt jeden Rahmen." Deutsche Polizisten können - anders als Soldaten - nur auf freiwilliger Basis ins Ausland geschickt werden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte: "Eine solche Forderung der Nato ist uns nicht bekannt."

DPA / DPA