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ZDF-Sommerinterview Klima, Rente, Digitalisierung: AfD-Chef Gauland gibt kaum Antworten auf Zukunftsfragen

An einem Holztisch sitzen Alexander Gauland von der AfD und Journalist Thomas Walde von ZDF. Im Hintergrund glänzt ein See
Gewinner des gestrigen Sommerinterviews mit AfD-Chef Alexander Gauland ist Journalist Thomas Walde. Für seine hartnäckigen Fragen wird er im Netz gefeiert. Auch Juso-Chef Kevin Kühnert  hält das Interview für eine journalistische Glanzleistung. Walde befragt den AfD-Chef zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Klimawandel und Rente. Dabei kommt eine gewisse Ahnungslosigkeit zu vielen Themen zum Vorschein. Insbesondere mit seinen Statements zum Klimawandel stößt der AfD-Politiker auf Unverständnis. Alexander Gauland am 12.08.2018 in Berlin Für das Satire-Magazin Extra 3 sind Gaulands Aussagen ein gefundenes Fressen. Auch viele andere Twitter-Nutzer reagieren empört. Ob die AfD etwas aus dem Sommerinterview gelernt hat?
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Im ZDF-Sommerinterview hat Alexander Gauland nicht eine Frage zur Asyl- und Flüchtlingspolitik beantworten müssen. Auf wichtige Zukunftsfragen wie Rente und Digitalisierung konnte der AfD-Politiker dagegen nicht antworten.

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat sich dagegen ausgesprochen, politische Konzepte gegen den Klimawandel zu entwickeln. "Ja, es gibt einen Klimawandel", sagte Gauland zwar im ZDF-Sommerinterview, das am Sonntagabend ausgestrahlt wurde. "Wir glauben nicht, dass das sehr viel mit dem CO2-Ausstoß durch die Industrieproduktion oder durch menschliches Tun zu tun hat."

Insofern glaube er auch nicht, "dass es gegen den Klimawandel irgendetwas gibt, was wir Menschen machen können", fügte der AfD-Vorsitzende hinzu. Somit könne seiner Ansicht nach keine Partei in dem Bereich sinnvolle Konzepte anbieten. "Man soll nicht Umweltschutz bleiben lassen, aber ich glaube nicht, dass man irgendetwas sinnvoll bewirken kann mit einer Klimapolitik."

Keine Antworten auf Zukunftsfragen?

Gauland verteidigte zugleich den Entschluss der Partei, erst im kommenden Jahr ein Rentenkonzept vorzulegen. Es gehe um ein schwieriges Thema. Auf die Frage, wie sich die private Vermietung von Wohnungen über die Plattform Airbnb regeln lasse, sagte der Parteichef: "Eine Regulierungsmöglichkeit haben wir auch nicht gefunden." Allerdings solle der Bund viel mehr Geld in den Bau von Häusern und Wohnungen stecken.

"Wir sind als Partei groß geworden gegen bestimmte Fehlentwicklungen", sagte Gauland auf die Bemerkung seines Gesprächspartners, dass seine Partei Antworten auf Zukunftsfragen schuldig bleibe. "Auf dem Gebiet sind wir auch die Oppositionspartei. Das war ursprünglich die Eurorettung, das ist die Flüchtlingskrise. Dann gibt es andere politische Themenfelder, die sich natürlich erst langsam entwickelt haben, auch in der Partei."

Keine Strategie zur Digitalisierung

In dem Gespräch räumte der AfD-Vorsitzende ein, sich nicht mit dem Internet auszukennen. Auf die Frage, ob er die Digitalstrategie seiner Partei erklären könne, sagte Gauland: "Nein, das kann ich Ihnen nicht erklären. Es ist allgemein bekannt, dass ich persönlich keine enge Beziehung zum Internet habe und ich bin auch kein Fachmann für diese Fragen."

Er sehe zwar das Problem, dass Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen könnten, "ohne dass wir schon über Alternativen genügend nachgedacht" hätten. "Aber von einer Strategie zur Digitalisierung kann nicht die Rede sein und ich wüsste auch im Moment keine", sagte der 77-Jährige.

Proteste gegen Alexander Gauland

Das Interview wurde von Protesten begleitet: Während der Aufzeichnung in Potsdam hielten drei Demonstranten Schilder hoch mit der Aufschrift "Schämen Sie sich". Außerdem buhten sie und riefen "Gauland, die Schande im Herzen von Potsdam".

Alexander Gauland
tkr AFP DPA

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