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AfD-Politiker in Sommerinterview "Können und wollen ihn nicht ignorieren" – RBB verteidigt Interview mit Rechtsextremisten Kalbitz

AfD-Politiker Andreas Kalbitz
Der RBB verteidigt sein Sommerinterview mit dem Brandenburger AfD-Politiker Andreas Kalbitz (Archivbild)
© Martin Schutt / DPA
Darf man einen Rechtsextremisten interviewen wie jeden anderen Politiker? Im Fall des RBB-Sommerinterviews mit dem brandenburgischen AfD-Politiker Andreas Kalbitz sagen Kritiker eindeutig: nein. Nun verteidigt sich der Sender.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat sein Sommerinterview mit dem AfD-Politiker Andreas Kalbitz gegen Kritiker verteidigt. Der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt war vorgeworfen worden, dem Brandenburger Landesvorsitzenden der Partei in dem rund 40-minütigen Video eine Bühne gegeben zu haben, auf der er weitgehend unwidersprochen sein Gedankengut verbreiten konnte.

Unter anderem behauptete der 47-Jährige in dem Gespräch, der Verfassungsschutz werde "politisch instrumentalisiert" und "als Regierungsschutz missbraucht", ohne dass dem Politiker Fakten entgegengehalten wurden. Kalbitz selbst wird vom Brandenburger Innenminister als "erwiesener Rechtsextremist" bezeichnet und vom Inlandsgeheimdienst beobachtet.

RBB verteidigt Sommerinterview mit Andreas Kalbitz

Darf ein öffentlich-rechtlicher Sender einer solchen Person ein derartiges Podium bieten? Nein, meinten viele Kritiker des Sommerinterviews, darunter auch Journalisten der ARD, zu der der RBB gehört. Der Sender widerspricht und zieht bei seiner Verteidigung des Sommerinterviews den Rundfunkstaatsvertrag heran. Darin heißt es: "Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen." – "Bei Reihen oder Serien kommen daher immer alle Positionen zu Wort – wie in dieser Gesprächsreihe alle Parteien des Landtags", schrieb der Sender auf seiner Homepage.

Nun legte Christoph Singelnstein, der Chefredakteur des RBB, gegenüber dem News-Portal "Watson" noch einmal nach. "Wir können und wollen als öffentlich-rechtlicher Sender den Fraktionschef der größten Oppositionspartei und zweitstärksten politischen Kraft im Land nicht ignorieren", erklärte er demnach. "Wir laden zu den Sommerinterviews aus den Oppositionsparteien die Fraktionschefs ein, das ist bei der AfD Andreas Kalbitz."

Auch auf die Kritik an der wenig konfrontativen Gesprächsführung ging Singelnstein ein. Hierzu stellte er fest: "Die Sommerinterviews sind nicht investigativ angelegt, sondern machen politische Positionen deutlich. Wir führen diese Interviews, damit man über die Inhalte diskutieren kann, nicht über das Interview selbst." Das hat zumindest in diesem Fall nicht funktioniert.

Wie ein Sommerinterview mit einem Spitzenpolitiker der AfD auch laufen kann, hatte vor rund zwei Jahren ZDF-Journalist Thomas Walde gezeigt. Für seine Interviewführung mit dem damaligen Bundessprecher Alexander Gauland erhielt Walde anschließend viel Lob und Anerkennung. In einem stern-Interview erklärte der Journalist anschließend seine Herangehensweise.

Quellen: Rundfunk Berlin-Brandenburg, "Märkische Allgemeine"Rundfunkstaatsvertrag, "Watson".


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