Anschlag in Kundus ISAF-Einsatz ohne Wenn und Aber


Der weltweit einzigartige Lazarett-Airbus wird am Sonntagabend vier der bei einem Anschlag in Kundus verletzten Bundeswehrsoldaten nach Deutschland zurückbringen. Bundeswehr und Bundesregierung halten die Beteiligung am ISAF-Einsatz, trotz des Attentats, für "verantwortbar".

Trotz des tödlichen Anschlags auf die Bundeswehr in Kundus hält die Bundesregierung am Afghanistan-Einsatz der deutschen Soldaten ohne Wenn und Aber fest. Man werde weiter helfen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ähnlich die Lage bei der Armee: Man sei sich einig, dass man das den Toten und Verletzten des Selbstmordanschlages schuldig sei, sagte der Bundeswehr-Sprecher im deutschen Feldlager in Kundus, Günter Schellmann. Die Stimmung unter den Soldaten sei "entsprechend dem Betroffenheitsgrad".

Merkel und alle Parteien im Bundestag zeigten sich bestürzt über den Anschlag in Kundus. Nur die Linke forderte aber, deshalb die Bundeswehr schrittweise aus Afghanistan abzuziehen. Obwohl es offenbar auch in der SPD Debatten gibt, bekannten sich die Partei- und Fraktionsspitzen ebenso zur Fortsetzung des Einsatzes wie Union, Grüne und FDP. "Eine Verlängerung des Mandats ist verantwortbar - so schlimm der Vorfall ist", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Kolbow der "Bild am Sonntag". Die Entscheidung darüber steht im Oktober an.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, die größte Sorge gelte den verletzten Soldaten. Zwei schwer und zwei leicht Verletzte sollten am Sonntagabend mit einem Medevac-Airbus in Köln ankommen und in deutschen Kliniken weiter behandelt werden. Die Toten sollen mit einer Trauerfeier Mitte der Woche in Köln geehrt werden, wie das Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. Der Anschlag war der schlimmste auf die Bundeswehr in Afghanistan seit 2003, als in der Nähe von Kabul vier Soldaten getötet und 29 verletzt wurden.

Am Samstagmorgen waren zehn deutsche Soldaten, ein deutscher Polizist und ein afghanischer Übersetzer nach Jungs Angaben auf den Markt gefahren, um technisches Gerät zu kaufen. "Als sie am Attentäter vorbei gingen, hat er sich in die Luft gesprengt und hat die Soldaten getötet", sagte der CDU-Politiker. Bei dem Attentat wurden drei deutsche Soldaten in den Tod gerissen und fünf weitere verletzt. Zudem wurden sieben Afghanen getötet und 13 verletzt. Am Sonntag erschütterte ein ähnlicher Anschlag mit 14 Toten den Osten Afghanistans. Aus Jungs Sicht galt der Anschlag gezielt der Schutztruppe ISAF, aber nicht unbedingt der Bundeswehr.

Taliban bekennen sich zum Anschlag

In Afghanistan bekannten sich die Taliban zu dem Selbstmordanschlag. Der militante Taliban-Anhänger Mullah Dschawad aus Baghlan habe ihn ausgeführt, sagte ein Sprecher, Sabiullah Mudschahid. Jung zweifelt jedoch an der Version. Man werde alles daran setzen, die Drahtzieher dingfest zu machen, sagte er. Generalbundesanwältin Monika Harms leitete ein Ermittlungsverfahren ein, wie die "Bild am Sonntag" meldete.

Die getöteten Soldaten stammen aus Schleswig-Holstein, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Ministerpräsidenten der Länder drückten ihre Trauer und ihr Mitgefühl aus. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums gab es etwa zehn Kilometer vom Anschlagsort entfernt außerhalb von Kundus am Samstag ein zweites Attentat mit einer Sprengfalle, bei dem aber niemand zu Schaden kam.

DPA DPA

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