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NSU-Prozess: Zschäpe gingen Zeugenaussagen angeblich "sehr nahe"

Im NSU-Prozess ließ Beate Zschäpe eine Erklärung verlesen, in der die mutmaßliche Rechtsterroristin die berührende Wirkung der Zeugenaussagen beschreibt. Indes kämpfen ihre Anwälte weiter gegen ein psychiatrisches Gutachten.

Beate Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt

Beate Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt

Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Einige Zeugenaussagen seien für sie "zum Teil sehr einschneidende Erlebnisse" gewesen und seinen ihr "sehr nahe" gegangen, gab die mutmaßliche Rechtsterroristin bekannt. Im Prozess hat sich die Angeklagte von der "sogenannten rechten Szene" distanziert.

Als Beispiel der berührenden Zeugenaussagen nannte sie den Appell der Mutter des NSU-Mordopfers Halit Yozgat "von Frau zu Frau". Zschäpe trug ihre Erklärung am Dienstag nicht selber vor, sondern ließ sie von einem Verteidiger verlesen.

NSU-Prozess befindet sich im vierten Jahr

Zuvor hatte das Gericht erneut vergeblich versucht, den psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß aufzurufen. Der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgerichts hat ihn damit beauftragt, Zschäpe psychiatrisch zu begutachten. Das Gericht hatte ihn bereits im Dezember anhören wollen, was an einem Verfahrensstreit mit der Verteidigung und einem Befangenheitsantrag scheiterte.

Zschäpe erklärte weiter, sie habe im Verlauf des seit dreieinhalb Jahren laufenden Verfahrens vor allem deshalb kaum Gemütsregungen gezeigt, weil ihre Anwälte ihr das so geraten hätten. Die Verbrechen ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt habe sie verdrängt gehabt. Erst die Aussagen von Zeugen hätten ihr den Umfang und die Auswirkungen der von Mundlos und Böhnhardt verübten Taten "voll bewusst" gemacht.

Beate Zschäpe wurde psychiatrisch begutachtet

Auch am Dienstag brachten Zschäpes Verteidiger neue Anträge ein. So forderten sie das Gericht auf, dafür zu sorgen, dass der Sachverständige Saß "Beobachtungen von Frau Zschäpe während und außerhalb der Hauptverhandlung" außer Acht zu lassen habe. Sonst würden Grundrechte der Angeklagten verletzt.

Das Gericht entschied am Dienstag nicht über die Anträge. Die Bundesanwaltschaft kündigte für Mittwoch Stellungnahmen dazu an. Wann Saß sein Gutachten erstatten kann, blieb zunächst offen.

Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Die Bundesanwaltschaft hat sie wegen Mittäterschaft an zehn Morden, vor allem an Menschen mit ausländischen Wurzeln, und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt.

fri / DPA