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Beck-Vorschlag: Hohn und Spott für den SPD-Chef

Der Vorschlag von Kurt Beck, man müsse mit moderaten Taliban verhandeln, um Afghanistan zu befrieden, sorgt beim Außenminister des Landes für Kopfschütteln. Man würde ja auch nicht mit einer "moderaten NPD" koalieren wollen, sagte er jetzt.

Der Vorstoß von SPD-Chef Kurt Beck zur Einbindung der Taliban in eine Friedenslösung für Afghanistan ist von der afghanischen Regierung mit Verärgerung und offenem Spott aufgenommen worden. Außenminister Rangin Dadfar Spanta warf dem SPD-Vorsitzenden in einem NDR-Interview Ahnungslosigkeit vor und lehnte die Idee Becks für eine Friedenskonferenz in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hatte sich unmittelbar im Anschluss an seinen ersten Besuch in Afghanistan dafür ausgesprochen, in einen nationalen Versöhnungsprozess auch moderate Teile der radikalen Taliban einzubeziehen.

Spanta äußerte sich in dem Interview verwundert und offen spöttisch über den Vorstoß des Mainzer Regierungschefs: "Ich habe mich sehr gewundert, weil wir in Afghanistan seit geraumer Zeit moderate Taliban suchen und nicht finden. Wenn westliche Politiker sowas haben, können sie uns die Adresse und Kontaktpersonen geben", sagte der Außenminister.

Ich sehe keine moderaten und nicht-moderaten Taliban

Becks Vorschlag für eine neue Afghanistan-Konferenz nach dem Muster der Petersberger Konferenzen von 2002 zum Aufbau Afghanistans nach dem Krieg zeugt nach Einschätzung Spantas von Ahnungslosigkeit. "Als militärische und politische Kraft sehe ich keine moderaten und nicht-moderaten Taliban. So eine Klassifizierung ist eine Erfindung von denjenigen, die von Afghanistan keine Ahnung haben. Ich sehe momentan für die Organisierung und Realisierung solch einer Konferenz keinen Sinn."

So zu tun, als gebe es in Afghanistan "moderate oder nicht-moderate Taliban und al Kaida" sei ähnlich richtig, als "wenn ich von Afghanistan oder von Kabul aus sagen würde, man sollte in Rheinland-Pfalz zum Beispiel mit der NPD eine Koalition schließen, oder mit moderater NPD", sagte der Minister, der lange in Deutschland gelebt hat.

Zugleich plädierte Spanta für einen Dialog mit einzelnen Menschen, die von den Taliban instrumentalisiert oder indoktriniert worden seien. "Man sollte auf allen Wegen versuchen, diese Menschen wieder einzugliedern, einzubinden in den Friedensprozess", sagte Spanta. Als politische oder militärische Kraft sehe er aber keine Trennung in moderate und nicht-moderate Taliban.

Frauen die Rechte genommen

Die Taliban hatten nach dem Abzug der russischen Besatzer in Afghanistan einen islamischen Gottesstaat errichtet, der Frauen fast aller Rechte beraubte und zudem der radikalen al Kaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Unterschlupf gewährt. Daraufhin hatten die USA unterstützt von einem breiten "Bündnis gegen den Terror" einen Krieg gegen das Land geführt und die Taliban vertrieben.

DPA / DPA