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Berlin vertraulich!: 00-7-Ramsauer erforscht die Bahnhofs-Klos

Stellen Sie sich vor, sie sind auf einem Bahnhof und müssen mal - aber es gibt kein Klo. So ist es ausgerechnet in den Wahlkreisen von Ramsauer und Guttenberg. Höchste Zeit für eine Toiletten-Mission.

Von Hans Peter Schütz

Ein Bundesverkehrsminister wie Peter Ramsauer (CSU) hat viel zu tun. Mal muss er sich mit umstrittenen Großprojekten wie Stuttgart 21 befassen, mal den künftigen ICE-Verkehr zwischen Frankfurt und London durch den Eurotunnel organisieren. Kaum vorstellbar, dass er sich auch um die Klos auf den Bahnhöfen und die Fahrkartenautomaten kümmert. Doch genau das geschieht. Ramsauer zu stern.de: "Wir dürfen doch nicht über einen Börsengang der Bahn reden und dann bietet sie ihren Kunden nicht mal anständige Klos." Wo immer er in einen Bahnhof kommt, besichtigt er neuerdings die Toiletten. Auslöser der Inspektionen ist der Bahnhof Freilassing, ausgerechnet in Ramsauers Wahlkreis gelegen, der als mit Abstand schönster der Republik gilt - aber kein Bahnhofs-Klo hat. Für dringende Bedürfnisse müssen die Bahnkunden 400 Meter weit eilten. "Ich dachte, ich spinne", gesteht Ramsauer. Jetzt baut die Bahn AG dort ein Klo ein. Und Ramsauer ist fest entschlossen, die Problemfälle mit der Energie eines 00-7-Bundesministers aufzuspüren und die Toilettenfrage energisch bundesweit zu lösen.

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Davon wird auch sein Parteifreund Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg profitieren. Im oberfränkischen Städtchen Lichtenfels, im Wahlkreis des CSU-Senkrechtsstarters gelegen, sind die Bahnhofstoiletten bereits seit zwei Jahren dicht. Im Stadtrat wurde schon voller Verzweiflung die buchstäbliche Notdurft-Situation diskutiert, es stellte sich die Frage, ob man sie nicht auf städtische Kosten entschärfen sollte. Guttenberg hat jetzt Ramsauer gebeten, die Bahn möge die Lage prüfen. Nun, nach höchster regierungsamtlicher Intervention, kann man darauf wetten, dass damit auch das Lichtenfelser Problem in Bälde gelöst ist. Schließlich geht es um eine hochpolitische Frage: Wie kann einer als potentieller Kanzlerkandidat der Union gelten, wenn er nicht mal eine Klo-Frage im eigenen Wahlkreis zu lösen imstande ist?

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Auch den Fahrkartenautomaten gilt künftig die aufmerksame Beobachtung durch den Verkehrsminister. Er gehe gerne in die Bahnhöfe hinein und untersuche, ob die Betriebsanleitung auch in englischer Sprache aufgedruckt sei. Besonders enttäuscht war er auf dem Bahnhof der Insel Sylt, wo ein internationales Publikum gastiert: "Nicht ein einziges englisches Wörtchen."

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Noch schweigt Renate Künast offiziell beharrlich auf Fragen, ob sie antritt, um die erste grüne Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden. Gedanklich scheint sie sich allerdings in diesem Amt bereits etabliert zu haben. Denn auf die Frage, ob sie den künftigen Regierungs-Stress nicht fürchte, antwortete sie stern.de: "Mit Bionade und Latte Macchiato kann man gut ein Bundesland regieren." Wie bitte? Künast erklärte: Bionade ist ein Öko-Kultgetränk. Latte Macchiato enthält Kaffe und Milch, und lässt sich ebenfalls politisch korrekt zubereiten. "Ökologischer Anbau und faire Löhne für die Kaffebauern vor Ort, faire Löhne für die Milchbauern - das ist die politische Zukunft." Ob das als Regierungsprogramm für Berlin reicht, wo bekanntlich Milchbauern eher selten anzutreffen sind? Ihr Stellvertreter im Fraktionsvorsitz im Bundestag, Fritz Kuhn, sieht indes zusätzliche Talente bei ihr: "Renate ist eine politische Kämpferin, die ganz nah am Herzen der Bevölkerung ist." Außerdem: "Sie hat eine saugute Nase!"

Ihre Nase trägt sie nicht hoch, die grüne Reala steht vielmehr mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Unlängst besprach sie mit Winfried Kretschmann, dem grünen Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, der die Chance hat, noch vor ihr erster grüner Ministerpräsident zu werden, den rasanten Aufschwung der Grünen dank Stuttgart 21. "Bleibt auf dem Teppich," habe sie ihm geraten, obwohl Grün derzeit im Ländle weit vor der SPD liegt. Doch der Parteifreund, den sie zackig nur "Kretsch" nennt, habe geantwortet: "Renate ich bleibe ja auf dem Teppich, aber ich glaube, der Teppich fliegt."

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Horst Seehofer und Guido Westerwelle duzen sich seit einem Jahr. Besser ist die Beziehung zwischen beiden dadurch kaum geworden. Der CSU-Chef betreibt unverändert ein Politik, die die Liberalen ärgert - etwa das Abrücken von der Rente mit 67. Wenig entzückt zeigt sich auch der Junge-Union-Vorsitzende Philipp Missfelder, dass Seehofer ihm öffentlich in einer Rede das Du aufgedrängt hat. Und er ließ sich vom Duzi-Duzi auch nicht politisch bremsen. Es sei "unverantwortlich," sagte der Philipp dem Horst, "die Rente 67 in Frage zu stellen." Wieder einmal ist damit klargestellt: Das Duzen garantiert noch lange keine gemeinsame politische Linie. Schon gar nicht unter Koalitions- oder Parteifreunden.