Berlin vertraulich! Die große Heils-Frage


Wen unterstützt SPD-Generalsekretär Hubertus Heil? Kurt Beck oder Frank-Walter Steinmeier? Während die Genossen noch darüber grübeln, wie sicher Infos auf Heils Schreibtisch sind, wettert der frisch frisierte Erwin Huber gegen den andern potenziellen SPD-Kanzler-Kandidaten.
Von Hans Peter Schütz

Es soll ja immer noch vereinzelt politische Beobachter geben, die glauben, dass SPD-Chef Kurt Beck am Ende seiner hoffnungslosen Dienstfahrt Außenminister Frank-Walter Steinmeier oder gar Finanzminister Peer Steinbrück im Wahlkampf 2009 als Kanzlerkandidat ins Rennen gegen Angela Merkel schickt. Alles Unsinn, mögen die Stimmungsforscher noch so oft abfragen, ob die Wähler einen der beiden sympathischer finden als den SPD-Chef. Steinbrück sagt intern, er sei der SPD schwer vermittelbar und außerdem zu alt. Bei Steinmeier, der immer noch eifrig zu lernen versucht, wie es um die SPD-Seele bestellt ist, ist inzwischen ein ganz anderes Hindernis aufgetaucht. Das Internet. Zwar gibt es eine von Anhängern Becks gesicherte Internet-Seite "wir-fuer-beck." Eine "wir-fuer-Steinmeier" steht allerdings nicht zur Verfügung. Die hat sich der Hamburger Internet-Seiten Designer Felix Roman reserviert. Der besitzt auch die Seite "wir-gegen-beck." Erstaunt hat Roman, dass die SPD sich die Steinmeier-Seite nicht längst gesichert hatte. Hat Generalsekretär Hubertus Heil geschlafen? Wohl kaum. Er weiß genau, dass Beck selbst antreten wird.

*

Wie lange Heil noch Beck dient, gilt inzwischen als offene Frage. Die wenigen Beck-Anhänger in der SPD-Zentrale verdächtigen ihn fortwährend, wenig vom amtierenden SPD-Chef zu halten. Heil sei vermutlich schuld, dass der wütende Brandbrief des gescheiterten Hamburger SPD-Kandidaten Naumann an Beck in die Öffentlichkeit gelangt ist. Nichts sei sicher, "was über Heils Schreibtisch läuft", flüstern sie im Beck-Lager. Und hat er denn nicht - vergeblich - versucht, Steinmeier beim Zukunftskongress der SPD in Nürnberg neben Beck zum Hauptredner zu machen? Natürlich wird jede Verstimmung zwischen Beck und Heil, der mit den Linken in der SPD wenig im Sinn hat und als eher rechter "Netzwerker" gilt, dementiert. Aber dass jetzt Becks Büroleiter Wolfgang Wiemer die SPD-Mitarbeiter ermahnte, sie sollten mehr "Kommunikationsdisziplin" walten lassen, lässt tief blicken. Damit habe Wiemer schlicht versucht, den Genossen im Willy-Brandt-Haus einen Maulkorb zu verpassen.

*

Gerne übersehen wird beim Blick auf die inneren Probleme der CSU nach der Ära Stoiber, dass der Berliner CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer den weitaus schwierigsten Job hat. Während es in München mehr drunter als drüber geht, soll er das bundespolitische Gewicht der CSU in der Großen Koalition sichern. Zu Zeiten schwarz-gelber Koalitionen etwa mit Helmut Kohl war das ein Kinderspiel. Da konnten die Bayern immer die Opposition in der Regierung geben. In der Großen Koalition und nach Edmund Stoibers Flucht aus Berlin funktioniert das nicht mehr so einfach. Umso stolzer ist Ramsauer auf die Umfrage von Sat.1, wonach die CSU in Bayern derzeit auf schlappen 50 Prozent durchhängt. Bei der Frage, was die Befragten wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, antworteten nämlich 51 Prozent "CSU". Das gab es noch nie, weder zu Zeiten von Stoiber noch von Franz-Josef Strauß. Als die in Bayern das Sagen hatten, lag die CSU bei Bundestagswahlen immer rund vier Prozent hinter dem bayerischen Ergebnis zurück. Und wer ist "schuld", dass das endlich mal anders ist: Ramsauer, die bundespolitische Speerspitze der CSU in Berlin.

*

Neue Frisur, neuer Mensch? Beim CSU-Vorsitzenden Erwin Huber scheint das zuzutreffen. Mit einem scharfen Rasiermesserschnitt hat er sich jetzt in Berlin den Journalisten präsentiert. Und richtig losgeledert gegen die "Chaostruppe SPD" und den "unprofessionellen" Finanzminister Peer Steinbrück. Sein bisher bester bundespolitischer Auftritt mit dicken Schlagzeilen am nächsten Tag. Und wem dankt er diesen Profilierungs-Erfolg? Seinem Intimfeind Horst Seehofer, der immer noch glaubt, er könne Huber nach der bayerischen Landtagswahl vielleicht beerben. Seehofer hatte nämlich gestänkert: "Der Huber läuft immer mit so verschwurbelten Haaren rum. Das macht keinen guten Eindruck." Mit dem neuen Schnitt erträgt Huber auch Umfragen leichter, in denen ein Gesellschaftsmagazin in Deutschland hatte ermitteln lassen, dass ihn nur noch sechs Prozent für den richtigen CSU-Chef halten. Es sei doch kompletter Unfug, die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zu fragen, wen sie für den besten CSU-Chef hielten, wettert Huber. "Dann hätten die ja gleich in Polen und Dänemark nachfragen können."

*

Bei Ex-Frauen- und Familienministerin Renate Schmidt nähert sich allmählich das Ende ihrer politischen Dienstfahrt. 2009 verlässt sie den Bundestag. Mit "zwei lachenden Augen", so hat sie jetzt verraten, werde sie dann ihren Schreibtisch räumen. Danach sagt Frau Schmidt, werde sie daran arbeiten, wieder unbekannt zu werden. Das könnte ihren Mann freuen, den sie vor zehn Jahren geheiratet hat, den Maler Hasso von Henninges, der all die Probleme ihrer politischen Karriere in Bayer, Bonn und Berlin geduldig ertragen hat. Gefragt, ob sie denn gerne ihr Mann sein möchte, antwortet Renate Schmidt: "Um Himmels willen, nein!" Eine klare Ansage.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker