Berlin vertraulich! Podolski und Ballack in Berlin


Die Ohrfeige, mit der Michael Ballack auf dem Fußballplatz von Lukas Podolski bedient wurde, ist auch Thema der Berliner Politik. Christian Wulff hat da ein vergleichbares Problem. Norbert Röttgen kommt besser aus mit der CDU/CSU-Mannschaftsführerin.
Von Hans Peter Schütz

Seit Christian Wulff geklagt hat, er sei der "Podolski der CDU", weil er wie der Bayern-München-Kicker auf dem Platz nie richtig von der Kanzlerin ins politische Spiel gelassen werde, steht er im Mittelpunkt des Spotts der Polit-Szene rund um den Reichstag. Vor allem deshalb, weil der echte Podolski jetzt im Länderspiel gegen Wales Mannschaftskapitän Michael Ballack geohrfeigt hat. Da könne Wulff doch mal lernen, wie man sich wehrt. Dumm nur, bei Wulffs Kapitän handelt es sich erstens um eine Frau. Zweitens wäre Wulffs Karriere wohl beendet, würde er Angel Merkel titulieren, wie Podolski Ballack angeschrieen hat.

Auch grundsätzlich stellt sich die Frage, ob das der erfolgreiche Umgang mit "Angie" wäre. Lehrstunde könnte Wulff bei Friedrich Merz nehmen. Der hatte ihr 2002 nach einem Besuch bei Edmund Stoiber mitgeteilt, der Bayer wolle nicht Kanzlerkandidat werden. Entzückt informierte der damalige Fraktionschef Merkel: "Das mache ich dann." Und setzte die Frage hinzu: "Was machst du dann?" Ihre Antwort: "Mach dir mal keine Sorgen." Man möchte wetten, dass sie damals gedacht hat: Dich schieße ich schon noch aus dem Team. Was ihr ja auch gründlich gelungen ist. Wer in die Mannschaft kommt entscheidet die Ballack der Berliner Politik ganz allein. Wulff tröstete sich jetzt bei stern. de ein wenig, indem er zum richtigen Podolski blickte: "Lukas sitzt ja demnächst bei Köln am Schalthebel."

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Kein Podolski-Problem hat Norbert Röttgen. Er darf überall mitspielen, wohl als Einziger. In der Nähe von Mannschaftskapitänin Merkel ebenso wie als Ausputzer von Libero Volker Kauder. Röttgen ist jetzt von der "Denkfabrik berlinopolis" mit dem Preis für die "Beste politische Rede" des Jahres 2008 ausgezeichnet worden. Er strahlte glücklich dabei und erzählte, dass dies der erste Preis sei, seit er als Jugendlicher dreimal Kreismeister im Judo geworden war. Da nickten einige politische Gäste der Preisverleihung und murmelten, als Parlamentarischer Geschäftsführer arbeite Röttgen zuweilen immer noch mit Judo-Beinstell-Technik.

Allen voran ätzt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gerne über den Parteifreund, obwohl der aus seinem CDU-Landesverband stammt. Weil Röttgen ihm politisch nicht zu Knien liegt, hat Rüttgers ihn auch schon mal als "Verräter an der nordrhein-westfälischen CDU" beschimpft. Unstrittig ist allerdings, dass Röttgens Rede im Bundestag im Oktober 2008 zur Finanzkrise alle anderen Beiträge weit übertraf. Ihm gelang dabei der Sprung über die Messlatte, die er sich selbst gelegt hat: "Es ist unerlässlich, dass wir eine Sprache sprechen, die zu dieser Krise passt."

Entstanden ist diese Rede, weil Röttgen erst am Tag vor der Debatte aus dem Urlaub nach Berlin zurückgekommen war, zuhause am Abend am Küchentisch. Auf einem Fetzen Zeitungspapier hat er sich ein paar Notizen gemacht und an denen dann entlang geredet. Für die CDU-Abgeordnete Martina Krogmann war das dann die "Mutter aller Reden" an diesem Tag - und für viele in der Union, auch für Rüttgers, gilt sie immer noch wegweisender als alles andere, was allerlei CDU-Größen bislang zur Finanz- und Wirtschaftskrise dazu gesagt haben. Die Worte von Angela Merkel und ihrem Generalsekretär Ronald Pofalla ausdrücklich eingeschlossen.

Im Zusammenhang mit dem unionsinternen Streit um die Jobcenter hatte Röttgen einmal mehr einen Härtetest zu bestehen. Im CDU-Präsidium wurde er, weil Fraktionschef Kauder abwesend war, stellvertretend für diesen von Roland Koch und Rüttgers angebrüllt. Das Nein der Fraktion zum Jobcenter-Kompromiss, den Rüttgers mit der SPD ausgehandelt habe, sei ein "schwerer strategischer Fehler," von dem vor allem die SPD im Wahlkampf profitieren werde. Bemerkenswert daran: Der Merkel-Vertraute Thomas de Maizière konnte sich hinterher an ein solch heftiges Wortgefecht nicht erin-nern.

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Ganz energisch plädiert CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dafür, nach Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber auch den Ex-Bundesminister und ehemaligen CSU-Vorsitzenden Theo Waigel zum CSU-Ehrenvorsitzenden zu küren. Das sei eine verdiente Ehrung für Politiker, die großen Anteil daran getragen haben, dass es den Menschen in ihrer Heimat gut geht. Diese Leistungen müssten Anerkennung finden.

"Ich unterstütze diese sehr gute Idee sehr," sagte Dobrindt im Gespräch mit stern.de. Außerdem werde diese Ehrung für Waigel belegen, "dass es in der CSU ein neues Bewusstsein des Zusammenhalts gibt." Dem lässt sich kaum widersprechen, bedenkt man, wie viele Jahre Stoiber und Waigel sich in tiefer parteipolitischer und persönlicher Abneigung verbunden waren, nachdem Stoiber den Konkurrenten Waigel über dessen Beziehungen zu seiner heutigen Frau Irene Epple hinterrücks moralisch attackiert hatte. Und später ohne jede Rücksicht auf CSU-Maßstäbe in Sachen Familienmoral Horst Seehofer beim Griff nach der Macht in Bayern unterstützte.


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