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Berliner Grünen: Ratzmann tritt als Fraktionsvorsitzender zurück

Mit 17,6 Prozent holten die Grünen in Berlin ein Rekordergebnis bei der Abgeordnetenwahl im September. Dennoch waren viele vom Ergebnis enttäuscht. Eine Koalition mit der SPD kam nicht zustande und die Fraktion gilt seither als tief zerstritten. Der Rücktritt des Fraktionsvorsitzenden Volker Ratzmann soll für einen Neuanfang sorgen.

Nach wochenlangem politischen Richtungsstreit in der Berliner Grünen-Fraktion ist der Fraktionsvorsitzende Volker Ratzmann am Dienstag zurückgetreten. "Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen", sagte der 51-Jährige am Dienstag nach einer Fraktionssitzung im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Lösung der Konflikte sei aber leichter, "wenn meine Position unbesetzt ist". Und: "Wir stecken in einer tiefen Krise, die wir nach dieser Wahl schnell und gründlich lösen müssen."

Der linke Fraktionsflügel um den Kreuzberger Abgeordneten Dirk Behrendt hatte Ratzmann in den vergangenen Wochen mehrfach zum Rückzug aufgefordert und eine stärkere eigene Beteiligung in der Fraktionsspitze und mehr linke Politik verlangt.

Ratzmann und die zweite Fraktionsvorsitzende Ramona Pop waren nach der Abgeordnetenhauswahl erneut in ihre Ämter gewählt worden. Ratzmann benötigte Ende Oktober zwei Wahlgänge gegen Behrendt. Danach stritt die Fraktion weiterhin so stark, dass Mediatoren vermitteln mussten.

Gefühlte Wahlniederlage

Nachfolger von Ratzmann dürfte nicht Behrendt werden, sondern ein Abgeordneter, der besser zwischen den zerstrittenen Lagern vermitteln kann. In Frage kommen wohl der frühere Landesvorsitzende Stefan Gelbhaar, der frühere Mitarbeiter von Claudia Roth und Renate Künast, Heiko Thomas, oder der Abgeordnete Thomas Birk.

Vor zwei Monaten erreichten die Grünen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 17,6 Prozent - viel weniger als erwartet. "Für diesen gefühltem Misserfolg fühle auch ich mich verantwortlich. Auch ich habe dort die Fehler mitgemacht, die wir gemacht haben", sagte Ratzmann nun. Bei einem kleinen Parteitag am Mittwochabend wollen die Berliner Grünen den Wahlkampf und das schlechte Ergebnis auswerten.

ono/DPA / DPA