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Rassistischer Sprachgebrauch "Widerlicher Rassist", "unwürdig": Empörung über Facebook-Kommentar mit N-Wort von Boris Palmer

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Archivbild)
© Sebastian Gollnow / DPA
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat für einen Eklat gesorgt. Nach einem Posting bei Facebook wird ihm rassistischer Sprachgebrauch vorgeworfen, mehrere Grüne fordern seinen Ausschluss aus der Partei.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer steht wegen eines als rassistisch bewerteten Beitrags auf seiner Facebook-Seite massiv in der Kritik. Mehrere Parteikolleginnen und -kollegen von den Grünen fordern den Ausschluss des 48-Jährigen aus der Partei.

Boris Palmer hatte am Freitag auf seinem Facebook-Profil (69.000 Abonnentinnen und Abonnenten) einen Presseartikel zum Rückzug des früheren Fußballnationalspielers Dennis Aogo als Experte des Pay-TV-Senders Sky geteilt. Dieser hatte im Rahmen der Übertragung vom Champions-League-Halbfinalspiel Manchester City gegen Paris Saint-Germain den Ausdruck "Trainieren bis zum Vergasen" gebraucht – und seine Formulierung wegen ihres Bezugs zur Massenmord der Nationalsozialisten anschließend bedauert.

Rassismus-Vorwürfe gegen Boris Palmer 

"Der Furor, mit dem Stürme im Netz Existenzen vernichten können, wird immer schlimmer. Cancel Culture macht uns zu hörigen Sprechautomaten, mit jedem Wort am Abgrund", behauptete Palmer zunächst.

In der Diskussion über den Artikel warf ein Nutzer, nach eigenem Bekunden ebenfalls Grünen-Mitglied, dem Kommunalpolitiker daraufhin vor, Rassismus zu relativieren. Palmer antwortete: "Der Aogo ist ein schlimmer Rassist." Der Ex-Fußballer habe Frauen seinen N*-Schwanz angeboten.

"Ist das ein widerlicher Kommentar. Ihnen ist für Ihre Anbiederung an Ihre rassistischen Kumpels auch nichts zu schade, was?", hieß es in einer Antwort. Etliche weitere Nutzerinnen und Nutzer reagierten ebenfalls empört auf die Worte Palmers und warfen ihm einen rassistischen Sprachgebrauch vor.

Der Grünen-Politiker versuchte sich zu rechtfertigen. Der betreffende Nutzer stelle ihm regelmäßig durch Rassismusvorwürfe nach. Er sei "mit dem Stilmittel der Ironie", also einen Schwarzen zum Rassisten zu erklären, dieser Provokation entgegengetreten. Später nannte Palmer seinen Beitrag eine "Satire". Der zweite Teil sei ein Zitat einer Facebook-Nutzerin, was der Politiker mit einem Screenshot belegen wollte.

Zusammenschnitt der Facebook-Unterhaltung
Zusammenschnitt der Facebook-Unterhaltung
© Screenshot Facebook

Demnach soll die Frau auf der Facebook-Seite von Dennis Aogo geschrieben haben, dieser habe zu dessen Zeit beim Hamburger SV (2008 bis 2013) auf Mallorca ihrer Freundin angeblich Entsprechendes "vorgeschlagen". Belege dafür gibt es nicht. Das Posting ist inzwischen nicht mehr auffindbar, die Echtheit des Screenshots damit nicht mehr zu überprüfen. Auch sind sämtliche Einträge auf dem Profil der angeblichen Nutzerin gelöscht. An der Authentizität des Profils bestehen Zweifel. Eine Rückwärtssuche im Internet legt nahe, dass das Profilbild von einer norwegischen Influencerin verwendet wurde.

Dass der Tübinger Oberbürgermeister eine vollkommen unbelegte Behauptung einer x-beliebigen Facebook-Nutzerin über Dennis Aogo weiterverbreitet, wird ebenfalls scharf kritisiert.

Timon Dzienus aus dem Vorstand der Grünen Jugend erklärte, ein Rauswurf Palmers aus der Partei sei "überfällig". Er nannte den Tübinger Oberbürgermeister einen "widerlichen Rassisten". Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen schrieb: "Schon öfter hat sich Palmer rassistisch und ausgrenzend geäußert. Eines Oberbürgermeisters unwürdig. (...) Er möge endlich gehen." Der Grünen-Bundestagskandidat Julian Pahlke erklärte: "Das erste Problem ist, dass Palmer in der falschen Partei ist und das Zweite, dass er so denkt." Politikerinnen und Politiker aus der ersten Reihe der Partei haben sich zunächst nicht zu Wort gemeldet.

Nicht erst seit dem jüngsten Vorfall gilt Boris Palmer als umstrittene Figur in seiner Partei. In der Vergangenheit wurde ihm immer wieder die Bedienung rassistischer oder fremdenfeindlicher Klischees vorgeworfen (lesen Sie mehr dazu zum Beispiel hier, hier oder hier).

Auch die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck hatten Palmer für seine Positionen zur Flüchtlingspolitik kritisiert. Mehrfach wurde der Ausschluss des Kommunalpolitikers aus der Partei gefordert – die Debatte dürfte an diesem Wochenende wieder an Fahrt aufnehmen.

Hinweise: Der betreffende Account Palmers ist nicht durch Facebook verifiziert. Er wurde jedoch in der Vergangenheit von Boris Palmer genutzt. Auch wurden Beiträge des Accounts regelmäßig von der offiziellen Seite der Stadt Tübingen weiterverbreitet, sodass dieser Boris Palmer zuzurechnen ist. Hinweise auf einen Hack gibt es nicht. Palmer und seine Partei äußerten sich auf Medienanfragen bisher nicht.


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