Bundeswehr "Kein individuelles Fehlverhalten"


Wegen Misshandlungen von Kameraden wird gegen 20 Bundeswehrsoldaten ermittelt. Verteidigungsminister Peter Struck kündigt an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck will die Verantwortlichen für die angebliche Misshandlung von Bundeswehrrekruten zur Rechenschaft ziehen. Struck sagte am Montag, eine solch schwere Verletzung der Dienstpflicht könnte "in keiner Weise von uns toleriert werden". Neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Münster würden auch "disziplinare Ermittlungen" geführt. Die Union verlangte schnelle und umfassende Aufklärung des Bundestages.

"Alle diejenigen, die dafür verantwortlich sind, werden entsprechend auch zur Rechenschaft gezogen", kündigte Struck an. "Hier geht es um unverantwortliche Ausbildungsmethoden, die man in keiner Weise tolerieren kann", sagte der SPD-Politiker. Von Folter wollte er allerdings nicht sprechen. Struck sagte auch, seiner Meinung nach handele es sich um Einzelfälle. Die Obleute der Bundestagsfraktionen seien von ihm bereits informiert worden.

"Besser kann man es nicht machen"

Das Verteidigungsministerium wies gleichzeitig Vorwürfe zurück, die Bundeswehr würde bei den Verdachtsfällen schleppend ermitteln. Ministeriumssprecher Hannes Wendroth sagte, der ermittelnde Kommandeur des Heerestruppenkommandos in Koblenz habe sich unmittelbar, nachdem ihm die Vorwürfe bekannt geworden seien, ins Auto gesetzt, sei nach Coesfeld gefahren und habe die erste Anhörung durchgeführt. "Besser kann man es nicht machen", so Wendroth.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Münster wird inzwischen gegen 20 Unteroffiziere und einen Hauptmann des Instandsetzungsbataillons der westfälischen Stadt ermittelt, weil sie im Rahmen einer Geiselnahme-Übung Untergebene misshandelt haben sollen. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Schmidt, sagte der "Berliner Zeitung", er erwarte, dass Struck den Abgeordneten des Verteidigungsausschusses Rede und Antwort stehe. Für Mittwoch sei eine Sitzung des Unterausschuss "Innere Führung" geplant. "Wir brauchen umfassende und schnelle Informationen, damit die Bundeswehr keinen Schaden nimmt", sagte Schmidt.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner (SPD), forderte eine umfassende Aufklärung der Misshandlungen. "Wichtig ist, dass das Rahmengeschehen aufgeklärt wird, damit man versteht, wie und warum diese Art von Ausbildungsverhalten entstanden ist", sagte Penner dem gleichen Blatt. Es müsse klar gemacht werden, dass solche Ausbildungsmethoden in der allgemeinen Grundausbildung verboten seien.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte im WDR, der Fall sei "überhaupt nicht mit unserem Menschenbild vereinbar, mit dem Staatsbürger in Uniform". Es sei für jeden Vorgesetzten völlig klar, dass man Soldaten nicht entwürdigend behandeln dürfe.

Keine Rede von individuellem Fehlverhalten

Der Fraktionsvize der Grünen, Winfried Nachtwei, erklärte: "Wer durch menschenverachtende Ausbildungsmethoden Rekruten schikaniert und drangsaliert, tritt die Menschenwürde mit Füßen und zerstört damit das Fundament unserer Rechtsordnung." Von individuellem Fehlverhalten könne keine Rede mehr sein, wenn mehr als 70 Rekruten in ihrer Grundausbildung in der Coesfelder Kaserne misshandelt worden seien.


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