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Schwere Vorwürfe Bundeswehr-Offizier redet Klartext: "Von der eigenen Regierung moralisch verletzt"

Afghanistan: Ortskräfte-Helfer Marcus Grotian attackiert Bundesregierung scharf
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Marcus Grotian, Vorsitzender Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V.: "2500 Ortskräfte sollen es gewesen sein und davon sind ja auch schon 1900 in Deutschland. Diese Zahlen sind mitnichten richtig. Es gab eine viel größere Personenanzahl an Ortskräften, denn sie wurde durch bürokratische Hürden runter reduziert – um zirka 50 Prozent. Auch nachdem die 2000 Seelen am 16.06. zusätzlich antragsberechtigt waren. Wir sind das einzige Land, das eine zeitliche Begrenzung für die Ortskräfte hat. In diesen Minuten werden Menschen abgelehnt, weil sie nicht auf Listen stehen, am Flughafen in Kabul, weil sie zu einer Zeit für ein Ressort gearbeitet haben, was nicht bürokratisch erfasst ist. Alle anderen Länder evakuieren jetzt alle Ortskräfte, wir evakuieren die, die man ausgewählt hat. [...] Ich kritisiere hier die politischen und bürokratischen Entscheidungen, die viel zu spät oder immer noch nicht getroffen wurden, um Ortskräfte zu retten. Ortskräfte mit einem Arbeitsvertrag für ein deutsches Ministerium, die abgelehnt werden, weil sie zur falschen Zeit für das falsche Ministerium gearbeitet haben. Und da sind wir noch nicht einmal bei der Subunternehmer-Thematik, die es sich immer noch lohnt zu streiten. Aber ich rede hier erst einmal nur von Ortskräften, Menschen mit einem direkten Arbeitsvertrag."
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Deutsche Unterstützer von afghanischen Ortskräften richten schwere Vorwürfe an die Bundesregierung: Sie habe Warnungen zu lange ignoriert und "bürokratische Tricks" angewendet.

Deutsche Unterstützer von afghanischen Ortskräften haben der Bundesregierung mutwilliges Versagen bei der Rettung der ehemaligen Mitarbeiter vorgeworfen. "Wir sind überwältigt und verbittert in einem Maße, das wir nicht in Worte fassen können", sagte der Vorsitzende des Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte, der Bundeswehroffizier Marcus Grotian. "Wir sind von der eigenen Regierung moralisch verletzt, und das ist beschämend."

Grotians Verein setzt sich seit Jahren für einheimische Ortskräfte der Bundeswehr und anderer deutscher Stellen in Afghanistan ein. Der Offizier richtete eine Reihe von Vorwürfen an deutsche Regierungsstellen: Sie hätten Warnungen vor der drohenden Machtübernahme der Taliban zu lange ignoriert. Sie hätten durch übermäßige Bürokratie gezielt versucht, die Zahl der nach Deutschland ausreisenden Ortskräfte möglichst niedrig zu halten. Zudem gäben sie die Zahl der ausreiseberechtigten Ortskräfte viel zu niedrig an.

Offizier wirft Bundesregierung "bürokratische Tricks" vor

Grotian warf den Regierungsstellen vor, "mit bürokratischen Tricks" die Zahl der ausreiseberechtigten Afghanen "herunterreduziert" zu haben. Die von der Bundesregierung genannten Zahlen von 2500 ausreiseberechtigten Afghanen, von denen 1900 schon in Deutschland seien, seien "mitnichten richtig", sagte Grotian. Sein Verein gehe von 8000 Ausreiseberechtigten aus - ehemalige Ortskräfte mitsamt Kernfamilien.

Zu den bürokratischen Hürden, die Grotian besonders kritisierte, zählt die Zwei-Jahres-Frist für Ortskräfte: Die Ausreiseberechtigung war zunächst nur solchen Ortskräften erteilt worden, die in den vorangegangenen zwei Jahren für deutsche Stellen in Afghanistan gearbeitet haben. Im Juni wurde die Regelung gelockert – die Befristung wurde gestrichen für Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder andere deutsche Sicherheitsbehörden gearbeitet haben.

Patenschaftsnetzwerk will Ortskräfte unterstützen

Damit seien aber jene Ortskräfte ignoriert worden, die für andere Stellen gearbeitet haben, monierte Grotian. Er berichtete von einer Afghanin, die noch 2017 für die Entwicklungshilfeorganisation GIZ gearbeitet habe. Sie schaffte es in den vergangenen Tagen am Flughafen Kabul "bis zu deutschen Soldaten – und wurde dort abgewiesen", weil sie nicht auf einer Ausreiseliste verzeichnet gewesen sei. 

"Ortskräfte wurden abgelehnt, weil sie zur falschen Zeit fürs falsche Ministerium gearbeitet haben", beklagte Grotian. Seine Forderung sei, "alle, die für uns beschäftigt waren, nicht zurückzuweisen, sondern mitzunehmen".

Das von Grotian geleitete Patenschaftsnetzwerk verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, die Ortskräfte bei ihrem Start in Deutschland zu unterstützen. "Wir tragen diese Verantwortung den Menschen gegenüber, die für uns und für unsere Ziele ihr Leben riskiert haben", heißt es auf der Internetseite. Grotian war als Bundeswehroffizier selbst in Afghanistan stationiert.

epp AFP

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