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Bundeswehr vor Somalia: Mit Christstollen auf Piratenjagd

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat die Bundeswehrtruppe in Dschibuti verabschiedet. Nun werden die 220 Soldaten vor der Küste Somalias auf Piratenjagd gehen. Wegen Weihnachten hatten sich die Männer und Frauen Christstollen und Glühwein gewünscht - bei 30 Grad in Schatten.

Die Deutsche Marine hat mit der Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika begonnen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verabschiedete die Fregatte "Karlsruhe" und ihre Besatzung aus dem Hafen von Dschibuti. Das Kriegsschiff mit rund 220 Soldaten an Bord wird im Seegebiet vor der somalischen Küste und dem Golf von Aden die EU-Mission "Atalanta" unterstützen. Bei dem "Kampfeinsatz" stehe allerdings nicht die Piratenjagd im Vordergrund, sondern das Vermeiden von Übergriffen, so Jung.

Der EU-Flottenverband mit insgesamt drei Kriegsschiffen, einem Unterstützungsschiff und drei Aufklärungsflugzeugen soll weitere Piraten-Überfälle auf Privat- und Handelsschiffe in der Region verhindern. 2008 kaperten Seeräuber dort mehr als 200 Schiffe und erpressten Lösegeld. Derzeit seien noch zwölf Schiffe mit insgesamt rund 300 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten.

Jung sagte, die Mission habe ein so robustes Mandat, "das wir in dieser Art und Weise noch nicht hatten". Dafür gebe es klare Einsatzregeln. Zudem sei Rechtsklarheit geschaffen worden. Das Ziel der Mission sei "Abschreckung, Abwehr und die Beendigung von Seeräuberei". Zuvor hatte der Verteidigungsminister bereits klargestellt, dass die Marine im Notfall auch Schiffe und Besatzungen aus der Gewalt der Piraten befreien könne. Er wollte sich nicht festlegen, ob die zunächst auf ein Jahr begrenzte Mission auch tatsächlich im Dezember 2009 beendet wird.

Jung traf in Dschibuti seinen Amtskollegen sowie den Außenminister des Landes, Ougoureh Kifleh Ahmed und Mahamoud Ali Youssouf. Er sprach mit beiden Ministern über eine Verstärkung der deutschen Hilfe bei der Ausbildung von Soldaten - bisher wurden 46 Soldaten ausgebildet - sowie über die Ausstattung mit Technik und Fahrzeugen. Hier zahlte Deutschland bisher 2,4 Millionen Euro. Mit der Regierung sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden, nach der gefangen genommene Piraten über Dschibuti nach Deutschland gebracht werden dürfen.

Den Soldaten hat Jung zudem ein kleines Weihnachtsgeschenk mitgebracht: Christstollen und Glühwein, bei Temperaturen von bis zu 30 Grad im Schatten ein ungewöhnliches Mitbringsel. "Die Soldaten haben es sich so gewünscht", sagte Jung. Doch ganz scheint der Minister den Wünschen nicht getraut zu haben. Vorsichtshalber ließ er noch zwei Fässer Bier ins Flugzeug laden.

DPA/AFP / DPA