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Bundeswirtschaftsminister: Glos bietet seinen Rücktritt an

Paukenschlag im politischen Berlin: Michael Glos will als Bundeswirtschaftsminister zurücktreten. Der CSU-Minister schrieb seinem Parteivorsitzenden Horst Seehofer in einem Brief: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden." Kanzlerin Angela Merkel ist bereits unterrichtet.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat überraschend seinen Rücktritt angeboten. Ministeriumssprecher Steffen Moritz bestätigte der Nachrichtenagentur AP auf Nachfrage einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag". Demnach schrieb der 64-jährige Glos an den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in einem Brief: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden."

Glos fühlt sich zu alt

Den Grund für seinen Schritt nenne der Minister ebenfalls in seinem Brief, schreibt die "Bild am Sonntag". Die bayerische Landtagswahl habe gezeigt, "dass Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt sind. Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen. Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören." Deshalb wolle er von seinem Amt entbunden werden.

Allerdings soll es nach Angaben aus Regierungskreisen in den letzen Wochen auch immer mehr Spannungen zwischen Glos und dem neuen CSU-Chef Seehofer gegeben haben. Seehofer habe Glos wiederholt gedrängt, innerhalb der Regierungsmannschaft schärfer auf Konfrontationskurs zu gehen, um die Handschrift der Christsozialen erkennbarer zu machen.

Wie die Nachrichtenagentur DPA berichtet, soll Seehofer selbst entscheiden, ob er Glos sofort durch einen anderen Politiker seiner Partei ersetzt oder ihn noch bis zur Bundestagswahl im Amt hält - was aber als unwahrscheinlich gilt. Seehofer lehnte am Rande der Sicherheitskonferenz in München jegliche Stellungnahme zu dem Bericht ab. Glos habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag von seiner Entscheidung telefonisch unterrichtet, berichtet die "Bild am Sonntag".

"Der Höhepunkt meines politischen Lebens"

In dem Brief mache der als Minister immer wieder in die Kritik geratene Glos auch deutlich, dass er ohne Groll gehe: "Die Arbeit als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie ist der Höhepunkt meines politischen Lebens, und ich bin dankbar, dass ich die Weichen stellen konnte. Vor allen Dingen war es mir wichtig, in der Finanz- und Wirtschaftskrise wirkungsvolle Maßnahmen, die auch meine Handschrift tragen, rasch durch- und umzusetzen."

Seehofer und CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg wollten auf der Münchner Sicherheitskonferenz zunächst keinen Kommentar zu den Berichten abgeben. Auch aus dem Kanzleramt sowie von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab es auf Nachfrage keine Stellungnahme.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast erklärte in Berlin, Merkel müsse den Rücktritt sofort annehmen. Es sei schädlich für Deutschland, einen Wirtschaftsminister zu halten, "der selber meint: 'Holt mich hier raus.'" Gerade in diesen Zeiten sei jemand nötig, "der mit Energie arbeitet, statt am Amt zu leiden".

Überraschender Wechsel nach Berlin

Glos war nach den Wahlen 2005 auch für ihn selbst überraschend als Wirtschaftsminister der Großen Koalition ins Kabinett berufen worden. Die Bestellung des langjährigen CSU-Landesgruppenchefs zum Wirtschaftsminister kam zustande, weil der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl kurzfristig von seinem Vorhaben abgerückt war, als Minister ins Bundeskabinett einzusteigen. Glos selbst hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass diese Entwicklung auch für ihn selbst nicht vorhersehbar gewesen war und er sich ihr eher aus Verpflichtung gegenüber seiner Partei denn aus Neigung gefügt habe.

Er gilt als Vertreter einer konservativ ausgerichteten Wirtschaftspolitik, der aber in der Großen Koalition nur wenige Akzente setzte. Zu inhaltlichen Auseinandersetzungen kam es häufig mit seinem Amtskollegen Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Vor seiner Tätigkeit als Minister war Glos lange Jahre Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

chs/Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters