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Castor-Transport nach Lubmin: 250 Aktivisten verschanzen sich auf den Gleisen

Sie tragen Clownskostüme und haben sich in einer Senke postiert, wo sie von der Polizei nicht so leicht weggeräumt werden können: Rund 250 Aktivisten besetzen kurz vor Lubmin die Gleise, auf denen der Castor-Transport in das Zwischenlager rollen soll.

Begleitet von weit weniger Protesten als beim Castor-Transport Anfang November nach Gorleben nähert sich der letzte Atommüll-Zug dieses Jahres seinem Ziel. Auf dem letzten Streckenabschnitt besetzen rund 250 Aktivisten die Gleise. In einer Senke, die zu beiden Seiten von zehn Meter hohen Abhängen gesäumt wird, belagern sie etwa 40 Meter des Schienenstranges. An dieser Stelle werde es die Polizei schwer haben, die Castor-Gegner von den Gleisen zu räumen, sagte ein Sprecher des Anti-Atom-Bündnisses Nordost. Einige Demonstranten trugen Clownskostüme, mit denen sie sich über die "Dummheit der Atompolitik" lustig machen wollen. "Die Lage ist aber friedlich und ruhig", stellt Polizeisprecher Axel Falkenberg fest, bis zum Mittag gab es keine Festnahmen.

Der mit vier Spezialbehältern beladene Zug war am Dienstagabend in Südfrankreich gestartet. Noch bevor der Castor-Transport Mecklenburg-Vorpommern erreichte, hatten Atomkraftgegner in der Nacht an mehreren Orten bei Eiseskälte Mahnwachen gehalten. Am frühen Donnerstagmorgen hielt der Zug für eine Überprüfung und den Austausch des Personals in Magdeburg. Nach einem mehr als zweistündigen Stopp rollte er weiter nach Norden. Rund um die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wurden nach Angaben der Bundespolizei 24 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen, die auf den Gleisen unterwegs waren. Dem Vernehmen nach wurden sie inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Zug bringt etwa 2500 Brennstäbe zum bundeseigenen Zwischenlager Nord bei Lubmin nahe Greifswald. Sie stammen aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom deutschen Atomschiff "Otto Hahn" und waren jahrelang im südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache gelagert.

Castor-Stopp für eine Viertelstunde

Am Morgen war es Kernkraftgegnern gelungen, den Castor-Transport unmittelbar nach der Ankunft in Mecklenburg-Vorpommern für kurze Zeit zu stoppen. Etwa 25 Personen hatten sich bei Ludwigslust mit Plakaten an den Gleisen der Schnellzugstrecke postiert und so den Zug zum Stehen gebracht. In der Folge musste auch ein ICE, der von Berlin nach Hamburg unterwegs war, warten. Die Polizei räumte die Strecke nach etwa 15 Minuten.

"Der Protest richtet sich in erster Linie gegen die ungelöste Atommüllentsorgung. Seit 45 Jahren wird in Deutschland Atomstrom produziert, ohne dass klar ist, was mit den Abfällen passiert", sagte contrAtom-Sprecher Bernd Ebeling. Teilnehmer der Aktion, die aus dem niedersächsischen Wendland, Nordbrandenburg und Mecklenburg angereist waren, kritisierten zudem, dass Müll aus westdeutschen Atomanlagen in Lubmin eingelagert werden. Das Zwischenlager Nord war ursprünglich nur für radioaktiven Müll aus den beiden stillgelegten ostdeutschen Atomkraftwerken in Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg gebaut worden.

Die Demonstranten müssen nun mit Strafanzeigen wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr rechnen. In Magdeburg waren in der Nacht zum Donnerstag 24 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen, aber bald darauf wieder freigelassen worden. In Mecklenburg-Vorpommern sind laut Innenministerium 3000 Polizisten aus neun Bundesländern zur Sicherung des Transports aufgeboten, die Bundespolizei stellt mehr als 1000.

be/DPA/AP / AP / DPA