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Der Strauß-Clan: Das Comeback der Monika Hohlmeier

Nach ihrem politischen Absturz war es ruhig um die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier geworden. Ein Fernstudium, ihre Kinder, ein paar Ausflüge ins Grüne, das alles schien ihr wichtiger zu sein als die Karriere. Doch jetzt schwächelt die CSU - und Hohlmeier sieht ihre zweite Chance.

Von Gabriele Rettner-Halder

Die Fallhöhe war enorm und der Absturz rasant. 2004 musste Monika Hohlmeier, Tochter des bayerischen Säulenheiligen Franz Josef Strauß, als Bezirksvorsitzende der Münchner CSU zurücktreten. Ein Jahr später stellte sie ihr Amt als Kultusministerin zur Verfügung. Der Untersuchungsausschuss, der prüfen sollte, ob Wahlen in ihrem Münchner CSU-Bezirksverband gefälscht wurden, beendete 2007 seine Arbeit. Und so sehr sich Monika Hohlmeier auch verteidigt hatte - sie war politisch massiv beschädigt. Ihre Partei atmete auf, als sich Hohlmeier von der großen Bühne zurückzog. Sie blieb zwar Landtagsabgeordnete, kümmerte sich aber verstärkt um ihr Privatleben.

Kaum zwölf Monate später wendet sich das Blatt. Als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass der Vorsitzende des mächtigen Haushaltsausschusses im bayerischen Parlament aufs Altenteil geht, fiel prompt der Name Hohlmeier. Mitglied dieses Ausschusses ist die 45jährige bereits. "Ich giere nicht nach einem Posten", sagte Hohlmeier zu stern.de. Sie sei "gottseidank unabhängig" und sehe alles gelassener als früher. Doch diese Aussage ist nichts weiter als ein gepflegtes Understatement.

"Unanständigkeit verjährt nicht"

Für die kommende Landtagswahl sorgte die Strauß-Tochter schon im Mai dieses Jahres vor. Weil sie nicht mehr für Münchner CSU antreten kann, suchte sie sich eine neue politische Heimat im oberbayerischen Vaterstetten. Der dortige Kreisverband habe sie einstimmig für die Landtagswahl nominiert, freut sich Hohlmeier. Sie wolle im Team in den Wahlkampf ziehen, "viel mit den Menschen reden" und diese mit "Infotainment" begeistern. Kritikern, die ihre Kandidatur als "schwere Belastung" bezeichneten, konnten wenig ausrichten: Hohlmeier rutschte nur von Platz neun auf den immer noch recht sicheren Listenplatz zehn. Sie selbst nimmt die Beschwerden gelassen: "Ich habe den Unfrieden nicht angezettelt. Die Vorwürfe richten sich gegen jene, die sie erhoben haben."

Jene - das sind die Menschen, die ihr Auftreten im Münchner Bezirksverband noch in übler Erinnerung haben. Damals wurde bekannt, dass die Junge Union Wahlen des Bezirksverbands manipulierte, indem sie jeweils kurz vorher neue Mitglieder "einkaufte". Das Münchner Amtsgericht verurteilte diese Methode und verhängte sogar eine Geldstrafe. Richtig in Bedrängnis geriet Hohlmeier, als ihr Satz bekannt wurde: "Gegen jeden von Euch gibt es was". Damit deutete sie an, dass sie Dossiers angelegt haben könnte, um Schmutzkampagnen gegen ihre politischen Gegner zu führen. Zur großen Enttäuschung ihrer Kritiker konnte sich der Untersuchungsausschuss des Landtages, der die Affäre durchleuchtete, dennoch nicht zu einer handfesten Sanktion durchringen. Wutschnaubend bezeichnete der Münchner CSU-Chef Otmar Bernhard den Abschlussbericht des Ausschusses als "Auftragsarbeit". Der CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle, Hohlmeiers Intimfeind, sagte kürzlich: "Politische Unanständigkeit und Unfähigkeit verjähren nicht".

Chance dank CSU-Schwäche

Doch in der Parteispitze findet das Hohlmeier-Bashing keine Resonanz. Eine Debatte um politische Moral wollen CSU-Chef Huber und Ministerpräsident Günter Beckstein wenige Monate vor der Landtagswahl keinesfalls führen. Außerdem halten sie die Strauß-Tochter nach wie vor für einen möglichen Verkaufsschlager: Hohlmeier ist fleißig, bierzelttauglich, und, ganz wichtig, eine Frau. Davon hat die männerdominierte CSU nicht allzu viele. Also gilt die Devise: Eine erfolgreiche Monika Hohlmeier ist eine gute Monika Hohlmeier. Hauptsache, sie fährt für die CSU möglichst viele Stimmen ein. Da die Partei in den Umfragen derzeit so schwächelt, wollen Huber und Co. auf nichts und niemanden verzichten. Die unangenehmen Münchner Vorfälle sollen unter dem großen bayerischen Teppich verschwinden.

Hohlmeiers kennt die präkere Lage ihrer Partei, die um die absolute Mehrheit bangen muss. Das ist der Boden, auf dem ihre zweite politische Karriere gedeihen kann - wenn sie jetzt keine Fehler macht. Also gibt sie sich bescheiden. Sie brauche das alles nicht mehr, sagte sie stern.de: den Ministerposten, die Bodyguards, den großen Auftritt. Sie genieße die Freiheit, alleine und völlig unbeobachtet irgendwo hinzufahren. Zeit zu haben für ein Fernstudium in Ökonomie und für ihre beiden Kinder, die jetzt 19 und 21 Jahre sind.

Aktuelle Niederlagen in künftige Siege umzuwandeln, das hat sie vom Vater gelernt. Keinen Millimeter zu weichen, auch. Dieser Wesenszug blitzt gelegentlich auf. Zum Beispiel, wenn Monika Hohlmeier über den Untersuchungsausschuss zu ihren Münchner Zeiten spricht. Der Ausschuss habe ihre Unschuld bewiesen, sagt sie. Und nichts anderes.

  • Gabriele Rettner-Halder