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Streit in der CSU: Hohlmeier? Nein danke!

Gegen den Willen seiner Partei will CSU-Chef Horst Seehofer die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier ins Europaparlament schicken. Doch die ehemalige Bezirkschefin von München ist in ihrer Partei nicht wohl gelitten - weder in Franken, noch in Brüssel. Trotzdem muss sich Seehofer durchsetzen.

Von Gabriele Rettner-Halder

Eigentlich ist es eine öde Pflichtveranstaltung. Man trifft sich, stimmt über die Kandidaten zur Europawahl ab und geht wieder nach Hause. Doch diesmal wird alles anders sein, wenn sich die Delegierten am Samstag in der Münchner CSU-Parteizentrale treffen. Seit Wochen hagelt es öffentliche Beschimpfungen und Drohungen. Kampfkandidaturen sind angekündigt, ein Parteiaustritt ist zu verzeichnen. Der Anlass des Ärgers hat einen Namen: Monika Hohlmeier, Tochter des bayerischen Säulenheiligen Franz Josef Strauß. "Jetzt wissen die meisten wenigstens, dass es Europa gibt", sagt Hohlmeier mit Galgenhumor.

Ausgerechnet Hohlmeier. Parteichef Horst Seehofer wollte sie unbedingt zur Spitzenkandidatin für die Europawahl machen. Sein Kalkül: Hohlmeier ist weiblich, vergleichsweise jung und dank ihrer Herkunft eine schillernde Figur. Mit ihr würde sich mehr Aufmerksamkeit für die Europawahl erzeugen lassen als mit dem bisherigen Spitzenkandidaten, dem eher stillen Markus Ferber. Aufmerksamkeit ist wichtig - denn die Wahlbeteiligung bei Europawahlen ist traditionell sehr gering. Die CSU braucht aber eine höhere Wahlbeteiligung, um ihre Kandidaten überhaupt durchzubringen. Außerdem gilt die Europawahl als erste Testwahl für Seehofer. Also Hohlmeier.

Erpressung und Wahlfälschung

Doch Seehofer hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, in dem Fall die alteingesessenen CSU-Funktionäre. Die Strauß-Tochter ist nicht überall wohlgelitten, ihr hängt das Debakel als Münchner Bezirksvorsitzende nach, Erpressung von Parteifreunden und ein peinlicher Untersuchungsausschuss über Wahlfälschungen. Im Machtkampf mit unbotsamen Parteifreunden drohte sie damals, sie hätte gegen jeden etwas in der Hand - und brachte damit die "Dossier-Affäre" ins Rollen. Nicht wenige halten Hohlmeier allein deswegen für untragbar.

Noch viel größeren Zorn löste die Personalie jedoch aus, weil Seehofer die Oberbayerin Hohlmeier als EU-Kandidatin der Franken durchsetzen wollte - eine im von "Stammeskriegen" durchzogenen Bayern schwer vorstellbare Kombination. Denn die Franken haben noch lange nicht vergessen, dass "ihr" Ministerpräsident Günther Beckstein demontiert wurde. Und nun sollen sie zum Dank Hohlmeier wählen? Niemals, beschied der fränkische Ortsvereinsvorstand Roland Hollfelder, trat aus der Partei aus und rief den Verbliebenen per Zeitungsinterview hinterher, sie hätten "keinen Arsch mehr in der Hose".

Spitzentaem fährt Achterbahn

Die Wellen schlagen so hoch, dass Seehofer einlenken musste. Seitdem steht Markus Ferber wieder auf Platz Eins der Liste für die Europawahlen. Dieses Scheitern hat die Autorität Seehofers und seines Generalsekretärs Karl-Theodor zu Guttenberg geschwächt - schließlich war es Guttenberg, der im Auftrag Seehofers die Kandidatur Hohlmeiers einfädelte. Die Achterbahnfahrt des Spitzenteams ist damit jedoch noch nicht zu Ende. Seither soll Hohlmeier nun zumindest auf dem aussichtsreichen sechsten Listenplatz untergebracht werden. Auch dagegen wehrt sich die Gruppe der amtierenden CSU-Europaparlamentarier. Diverse Kampfkandidaturen gegen Hohlmeier sind angekündigt. Niemand will sich die Strauß-Tochter einfach so aufs Auge drücken lassen.

Diese Stimmung hat selbst Hohlmeier vorsichtig werden lassen. Sie räumt ein, dass es für die CSU Oberfrankens eine "Riesenüberraschung" gewesen sei, sich dort niederzulassen und für den Bezirk zu kandidieren. Ihr öffentlicher Hinweis, ihr Vater habe fränkische Wurzeln, brachte ihr keine zusätzlichen Sympathien ein. Also versucht sie nun zu beschwichtigen. "Listendiskussionen vorher machen keinen Sinn", sagt sie mit Blick auf das Delegiertentreffen am Samstag.

Seehofer braucht Erfolge

Dort wird es zu Seehofers ganz persönlichem Crashtest kommen. Schafft er es, Hohlmeier auf einem guten Listenplatz unterzubringen? Oder scheitert er am geballten Widerstand? Der CSU-Parteivorstand hofft auf Seehofers rhetorische Verführungskünste. An der Basis hat er damit immer punkten können, bei den Delegierten müsste ihm das doch auch gelingen. Außerdem glaubt Seehofers Lager, dass die Rebellen schon klein beigeben werden, wenn ihnen klar werde, dass sie mit ihrer Sturheit den bayerischen Ministerpräsidenten öffentlich beschädigen. Es werde schon zu einem "tragfähigen Kompromiss" kommen, heißt es. Wie der aussehen könnte, weiß allerdings niemand.

Fest steht nur: Seehofer braucht einen Erfolg. Der Ausgang der Landtagswahl (43,4 Prozent) steckt der CSU noch in den Knochen. Das Drama um die Landesbank, deren Sanierung Milliardensummen kostet, hat die Laune nicht verbessert. Geht nun auch die Europawahl schief, könnte Seehofer als Verlierer dastehen. Mit der Personalie Hohlmeier, soviel steht fest, hat er sich allerdings schon jetzt verzockt.

  • Gabriele Rettner-Halder