HOME

Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Finger weg von der Burka!

CDU-Vize Julia Klöckner hat das Verbot der Vollverschleierung gefordert. Eine Debatte darüber braucht nun wirklich gerade kein Mensch.

Von Axel Vornbäumen

Freiheit oder Unterdrückung? Die Burka polarisiert - dabei dient die Diskussion nur einem Zweck: Aufmerksamkeit erhaschen.

Freiheit oder Unterdrückung? Die Burka polarisiert - dabei dient die Diskussion nur einem Zweck: Aufmerksamkeit erhaschen.

Lange nichts mehr gehört von Julia Klöckner. Julia Klöckner? Das ist doch, Moment, das ist, ja ... nein, doch nicht. Schnell mal googeln. Ach ja, stimmt, das ist diese stellvertretende CDU-Vorsitzendende, eine handfeste Rheinland-Pfälzerin mit Winzerköniginnen-Charme. Wir holen hier an dieser Stelle deshalb ein bisschen aus, um den jüngsten Vorschlag von Angela Merkels Stellvertreterin ein bisschen besser einordnen zu können. Klöckner hat dieser Tage nämlich gefordert, dass Frauen in Deutschland das Tragen der Burka verboten werden sollte.

Nächste Woche beginnt der Bundesparteitag der CDU in Köln. Wenn nicht alles täuscht, dann sieht das nach einer Veranstaltung von gepflegter Langeweile aus. Merkel wird reden, nicht viel sagen. Danke. Bitte. Das wars. Da wird man ja im Vorfeld noch ein bisschen auf sich aufmerksam machen dürfen, oder?

Das Burka-Verbot ist da strategisch nicht schlecht gewählt. Es ist ein bisschen wie mit der Einführung der Torlinientechnik. Man braucht beides nicht so richtig, das Leben war bisher auch so schon ganz erträglich. Es lässt sich aber prima darüber einigermaßen substanzlos diskutieren. An Stammtischen. In Talkshows. Undsoweiter. Wird man doch noch mal fordern dürfen, in diesem Land.

Nur ein billiger Trick

Julia Klöckner sagt: "Die Vollverschleierung steht für mich nicht für religiöse Vielfalt, sondern für ein abwertendes Frauenbild". Das kann man so sehen, keine Frage. In Frankreich, Belgien und der Schweiz ist man bereits so weit und hat die Vollverschleierung verboten. Nur - gibt’s wirklich nichts Dringlicheres? Und, drängt sich hier nicht geradezu zwingend der Verdacht auf, dass sich da jemand in der anschwellenden Debatte über das schwieriger werdende Zusammenleben der Kulturen bequem auf die Seite des vermeintlich gesunden Volksempfindens stellen will? Ja, das tut er.

Julia Klöckner hat sich eines billigen Tricks bedient - sie ist in der komplizierten Integrationsdebatte auf einen Nebenschauplatz ausgewichen. Das ist billig und durchschaubar.

Besser - Achtung: Ironie - haben es vor kurzem die Australier gemacht. Anfang Oktober beschloss dort die Regierung, dass vollverschleierte Besucherinnen im Parlament künftig in einer Glasbox sitzen müssen. Ja, das ist mal ein kraftvoller Schritt! Seit diesem Beschluss wurde noch keine Burka-Frau im Parlament gesichtet. Vorher allerdings auch nicht.

Axel Vornbäumen mag keine Wichtigtuer. Und Debatten, die von Wichtigtuern angezettelt werden mag er auch nicht. Dem Autor kann bei Twitter folgen unter @avornbaeumen.