Die Grünen Rot-Rot-Grün– kein Tabu auf Ewigkeit


Die politischen Schmuddelkinder von einst streiten sich über den Umgang mit der Linkspartei. Nach deren Erfolg bei den Landtagswahlen hat sich nach Krista Sager nun auch Jürgen Trittin offen für eine Koalition mit den Linken gezeigt. Sehr zum Unwillen einiger Parteifreunde.

Die Grünen streiten offen über den Umgang mit der Linken. Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, wies Überlegungen seines Stellvertreters Jürgen Trittin über mögliche Koalitionen mit der aus der PDS hervorgegangenen Partei zurück, die in Hessen und Niedersachsen in die Landtage gewählt wurde. "Wenn Jürgen Trittin am Spekulieren Freude hat, sollte er es doch mal an der Börse probieren", sagte Kuhn dem "Tagesspiegel".

Ströbele ebenfalls für Linke offen

Mit Jürgen Trittin hatte sich erstmals ein führender Grünen-Politiker offen für rot-rot-grüne Bündnisse gezeigt. In einem Zeitungsinterview vertrat der Vize-Fraktionsvorsitzende die Ansicht, die Linkspartei werde spätestens nach der Landtagswahl im Saarland auch im Westen mit der SPD koalieren. Sollte seine Partei zur Regierungsbildung notwendig sein, "wird sie mitverhandeln", sagte Trittin.

Auch der zweite stellvertretende Fraktionschef, Christian Ströbele, forderte eine Annäherung an die Linken. "Rot-Rot-Grün darf nicht auf ewig ein Tabu sein", sagte er der "Berliner Zeitung". Den Grünen stünden die Linken in Sachfragen oftmals näher als Union oder FDP. Dies gelte zum Beispiel für die soziale Gerechtigkeit und ökologische Fragen. "Die linke Mehrheit bei Wahlen sollte perspektivisch auch zu einer linken Regierungsmehrheit führen", sagte Ströbele.

Trittin erwartet Ampel-Koalition in Hessen

Jürgen Trittin zeigte sich des Weiteren im Interview mit der "Rheinischen Post" davon überzeugt, dass FDP-Chef Guido Westerwelle sein striktes Nein zu Ampelkoalitionen nicht durchhalten werde.

"Die Ampel scheitert jetzt noch daran, dass die FDP das Trotzköpfchen macht. Aber meine These ist: Wenn Guido Westerwelle Weihnachten 2009 nicht Bundesminister ist, wird er am 6. Januar 2010 das Dreikönigstreffen der FDP nicht als Parteivorsitzender eröffnen. Also wird er jetzt noch trotzen, aber dann nicht mehr." Ein Bündnis zwischen Grünen und CDU, wie es für Hamburg diskutiert wird, lehnte Trittin ab. Es gebe keine Schnittmengen mit der Union.

Bereits vor einigen Tagen hatte die stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Krista Sager, in einem Interview gesagt, die Linken dürfe man nicht auf Dauer als Schmuddelkinder behandeln. Die Möglichkeit von Bündnissen mit den Linken müssten in jedem Einzelfall geprüft werden.

DPA/AP AP DPA

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