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Elefantenrunde im Wortlaut: "Machen sie sich da gar nichts vor"

Haben Sie Gerhard Schröder in der Elefantenrunde, der TV-Nachlese der Parteichefs, gesehen? Haben Sie gesehen, wie der Kanzler zuerst Journalisten und dann Angela Merkel angriff? stern.de zeigt Ihnen Auszüge im Wortlaut.

Nikolaus Brender, ZDF-Chefredakteur: Herr Bundeskanzler -

Gerhard Schröder, Bundeskanzler: (fällt ihm ins Wort) Ist ja schön, dass Sie mich noch Kanzler nennen.

Brender: Sind sie denn jetzt schon zurückgetreten?

Schröder: Nein, überhaupt nicht, Herr Brender.

Brender: Ich wundere mich nur. Ich sage noch einmal: Herr Bundeskanzler, weil das bleiben sie ja noch …

Schröder (fällt ihm ins Wort): Das bleibe ich noch, Herr Brender, auch wenn Sie dagegen arbeiten.

Brender: Ob wir dagegen arbeiten?

Schröder: Ja.

Brender: Sie haben von Medienmacht und Medienkampagne geredet.

Schröder (fällt ihm ins Wort): Ja zu Recht. Zu Recht, wie ich finde.

Brender: Ich weise darauf hin, dass der ARD und dem ZDF dies nicht vorzuwerfen ist. Nicht alles, was Ihnen passt …

Schröder (fällt ihm ins Wort): Der eine sieht das so, der andere sieht das so.

(unverständliches Wortgefecht)

…..

Hartmann von der Tann, ARD-Chefredakteur: Herr Bundeskanzler, ich habe jetzt ein intellektuelles Problem. Ich habe von ihnen eine kämpferische Rede gehört, in der sie sagten, sie würden die nächste Regierung bilden. Sie haben gleichzeitig gesagt, eine große Koalition werde es nicht geben. Sie haben gehört, wie Herr Westerwelle ausgeschlossen hat, dass er mit ihnen koaliert. Und mit Herrn Bisky, das haben sie auch gesagt, wollen Sie nicht. Jetzt weiß ich nicht, wie sie eine Regierung bilden wollen.

Schröder: Ist doch klar, Herr von der Tann. Ihr intellektuelles Problem in allen Ehren. Aber hier ist doch deutlich geworden, dass die demokratischen Parteien miteinander reden können und miteinander reden müssen. Das wird auch geschehen – unabhängig von dem, was jetzt hier erklärt worden ist. Und da ist es nun einmal so, dass diejenigen, die eine Regierung bilden könnten, wenn man von den Realitäten ausgeht, nicht auf dieser Seite sitzen (zeigt zu den anderen). Frau Merkel müsste doch einmal sagen, ob sie sich vorstellen kann, mit einer Koalition zu regieren, die besteht aus einer Koalition von Herrn Westerwelle und den Nachfolgern von Herrn Fischer. Das kann doch wohl nicht der Ernst sein.

Von der Tann: Aber die Frage geht doch an sie, Herr Bundeskanzler.

Unverständliches Wortgefecht.

Schröder: Glauben sie im Ernst, glauben sie im Ernst. Nicht mit den Nachfolgern, sondern natürlich mit den Nachfolgern im Amt des Parteivorsitzenden, also doch nicht im Amt des Bundesaußenministers. Also, ich sage ihnen: Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel bei dieser Sachlage einginge, in dem sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden. Also, ich meine, wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen. Die Deutschen haben doch in der Kandidatenfrage eindeutig votiert. Das kann man doch nicht ernsthaft bestreiten,

Unverständliches Wortgefecht

Schröder: Ich sage ihnen: Ich führe Gespräche. Und ich sage ihnen heute voraus: Die werden erfolgreich sein. Wenn Frau Merkel eine Koalition hinkriegt mit der FDP und den Grünen. Dann kann ich dagegen nichts sagen. Das werde ich auch nicht tun. Aber sie wird keine Koalition unter ihrer Führung mit meiner sozialdemokratischen Partei hinkriegen. Das ist eindeutig. Machen sie sich da gar nichts vor.

Nach einem Wortgefecht mit Guido Westerwelle

Guido Westerwelle: Wenn es Ihnen nichts ausmachen würde, Herr Kollege Schröder. Wenn es Ihnen nichts ausmachen würde, Herr Kollege Schröder. Ich weiß nicht, was sie hier vor der Sendung gemacht haben.

Schröder: Das sage ich Ihnen gerne.

Westerwelle: Ich bin mir nicht ganz sicher, was da noch alles vorher gewesen ist.

Nach einem Wortgefecht über die sozialliberale Koalition.

Westerwelle: Ich bin zwar jünger als sie, Herr Bundeskanzler, aber nicht blöder.

Protokoll: Florian Güßgen