Eröffnungsfeier Großer Bahnhof in Berlin


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Berliner Hauptbahnhof als Europas größten und modernsten Verkehrsknotenpunkt eröffnet. Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft wird damit ein neues Bahnkonzept mit schnelleren Verbindungen von und nach Berlin umgesetzt.

Berlin hat fast 17 Jahre nach dem Fall der Mauer einen zentralen Hauptbahnhof. Mit einem symbolischen Knopfdruck eröffneten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bahnchef Hartmut Mehdorn am Freitag den neuen Knotenpunkt direkt am Regierungsviertel. Unterstützt wurden sie von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), EU-Kommissar Günter Verheugen und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Nach acht Jahren Bauzeit soll die mindestens 700 Millionen Euro teure Station aus Glas und Stahl zur Fahrplanumstellung an diesem Sonntag in Betrieb gehen. Der teuerste und aufwendigste Bahnhofsneubau der Nachkriegszeit ist Teil eines Konzepts, mit dem die Fahrzeiten der Fernzüge bundesweit verkürzt werden. Zugleich entzerrt der Kreuzungsbahnhof den Verkehr am bisherigen Nadelöhr Berlin.

Symbol für ein weltoffenes Land

Merkel nannte den Bahnhof mit seiner transparenten Konstruktion ein Symbol für ein weltoffenes Land. Die Kanzlerin bekannte sich klar zu einer Privatisierung der Bahn, "die nicht nur kommen soll, sondern kommen muss". Mit Bundestag und Bundesrat würden Form und Zeitpunkt der Privatisierung besprochen. Die Bundesregierung werde alles daran setzen, dass die Bahnreform nicht stecken bleibe. Die Bahn müsse für den europäischen Wettbewerb fit gemacht werden.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Verheugen, bezeichnete die Debatte, ob das Gleisnetz vom bundeseigene Konzern getrennt werden sollte, als nationale Entscheidung, aus der sich Brüssel heraushalte. Die bestehende Konzernstruktur mit Netz sei mit EU-Recht vereinbar.

"Wir freuen uns darauf"

Bahnchef Mehdorn nannte den neuen Hauptbahnhof ein Symbol für die Überwindung der deutschen Teilung. Von der Station auf dem einstigen Grenzstreifen zwischen Ost und West könnten nun Fahrgäste in alle Richtungen reisen. Die Bahn könne sich "gut vorstellen, eines Tages mit unserer Konzernzentrale hier zu leben", sagte er mit Blick auf das Areal am Regierungsviertel. Bürgermeister Wowereit begrüßte dies:"Wir freuen uns darauf."

Auf den ober- und unterirdischen Gleisen des Hauptbahnhofs sollen täglich über 1000 Züge von der S-Bahn bis zum ICE halten. Die Bahn rechnet langfristig mit 300 000 Nutzern, in der Anfangsphase sollen es rund 50 000 Kunden am Tag sein. Neben einem Parkhaus gibt es ein Einkaufszentrum mit 80 Läden. Die Züge in Nord-Süd-Richtung fahren fortan durch einen 3,4 Kilometer langen Tunnel. An den Fernverkehr angeschlossen werden die Berliner Stationen Südkreuz und Gesundbrunnen. Der Bahnhof Zoo wird dagegen abgekoppelt und nur noch von Regionalzügen angesteuert.

Hochgeschwindigkeitstrasse ein "Quantensprung"

In Richtung Leipzig fahren die Züge künftig über eine neue Schnelltrasse. Verkehrsminister Tiefensee sprach bei der Eröffnungsfahrt eines Sonderzuges, der am Nachmittag nach Berlin gefahren war, von einem Quantensprung. Damit würden die Anbindungen Ostdeutschlands verbessert. Auf der neuen Strecke verkürzt sich die Reise zwischen Leipzig und Berlin um 40 Minuten auf gut eine Stunde.

Am Sonntag nimmt die Bahn daneben die neue ICE-Strecke Nürnberg- Ingolstadt-München in Betrieb. Auf der für 3,6 Milliarden Euro ausgebauten Trasse erreichen die Züge Tempo 300. Die Fahrt zwischen Nürnberg und München verkürzt sich damit um 25 Minuten, von Dezember an um 40 Minuten auf gut eine Stunde. Dann geht es auch von München nach Berlin 50 Minuten schneller in 5:42 Stunden. Der Verkehrsclub Deutschland kritisierte indes die enormen Kosten der Großprojekte aus der Wendezeit, die nicht im richtigen Verhältnis zum Nutzen stünden.

Während der Eröffnungsfeier gab es einen kurzen Stromausfall. Als Höhepunkt sollte der Hauptbahnhof am späten Abend mit einer Lichtshow angestrahlt werden. Danach werden sich die Türen dem allgemeinen Publikum erstmals für eine "Lange Nacht des Bahnhofs".

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker