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Ex-Außenminister zum Mauerfall: Genscher wirft Europa verpasste Chancen vor

Seine Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum musste Hans-Dietrich Genscher wegen eines gebrochenen Brustwirbels absagen. Zur aktuellen politischen Lage hat er trotzdem etwas zu sagen.

Hans-Dietrich Genscher fordert einen Neuanfang in der Beziehung zu Putins Russland

Hans-Dietrich Genscher fordert einen Neuanfang in der Beziehung zu Putins Russland

Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher fordert angesichts der aktuellen Ost-West-Spannungen um die Ukraine einen "Neuanfang" für Europa. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls sagte Genscher der Deutschen Welle: "Es besteht eine große Sorge, weil ich nicht glaube, dass aus den Chancen, die das Jahr 1989 geboten hat, das gemacht wurde, was gemacht werden konnte."

Das Bemühen um das "gemeinsame europäische Haus", wie es Michail Gorbatschow gefordert habe, brauche neue Energie. So müsse der Nato-Russland-Rat wiederbelebt werden. "Diese große Errungenschaft" sei gerade für Krisenzeiten geschaffen worden. "Jetzt haben wir die Krise, und der Rat tritt nicht zusammen. Ich denke, hier haben beide Seiten Anlass nachzudenken", sagte der 87-Jährige, der als einer der Architekten der Wiedervereinigung gilt.

In einem weiteren Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte Genscher mit Blick auf neue Gefahren durch die radikalislamische Terrormiliz IS, "dass die gemeinsamen Interessen mit Russland erheblich größer sind als die Differenzen". Russland sei "noch immer eine Großmacht. Noch immer gibt es zwei dominierende Atommächte auf der Welt, die die Stabilität in diesem Bereich garantieren. Ich kann daher nachvollziehen, wenn man in Moskau auf einem Dialog auf Augenhöhe besteht."

Absage wegen Bruch eines Brustwirbels

Genscher musste seine Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls absagen, weil er wegen eines gebrochenen Brustwirbels operiert werden musste. Diesen habe er sich beim Heben eines Koffers im Urlaub in Süddeutschland zugzogen, berichtet die "Bild am Sonntag". Eigentlich hatte Genscher gemeinsam mit Michail Gorbatschow bei einem Symposium sprechen sollen. Bei der Veranstaltung warf der ehemalige sowjetische Staats- und Regierungschef Europa vor, einen neuen Kalten Krieg zu riskieren.

haw/DPA / DPA