VG-Wort Pixel

"Spiegel" widerspricht "Monitor" Verdächtiger im Mordfall Walter Lübcke: Nahm er doch nicht an "Combat 18"-Treffen teil?

Stephan E., der Verdächtige im Mordfall Walter Lübcke
2002 lieferten sich in Kassel Stephan E. (2.v.r.) und andere Rechtsextreme Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Wie sehr war der 45-jährige Verdächtige im Mordfall Lübcke in jüngster Zeit noch in der rechten Szene zugange?
© Uwe Zucchi / DPA
Nach Recherchen von "Spiegel TV" ist das WDR-Magazin "Monitor" einer Verwechslung aufgesessen. Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke hat demnach nicht an einem Neonazi-Treffen im Frühjahr teilgenommen.

Wie sehr war der Tatverdächtige im Mordfall Walter Lübcke vor der Tat in die rechte Szene eingebunden? Nachdem Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang am vergangenen Dienstag erklärte, Stephan E. sei in den vergangenen zehn Jahren nicht als Rechtsextremist in Erscheinung getreten, meldete das WDR-Magazin "Monitor" unter der Überschrift "Mutmaßlicher Lübcke-Mörder stand auch 2019 noch in Kontakt zur rechtsextremen Szene", dass der 45-Jährige noch im März an einem Neonazi-Treffen teilgenommen habe.

Doch an dem "Monitor"-Bericht gibt es nun Zweifel. Nach Recherchen von "Spiegel TV" sei nicht Stephan E. auf Bildern des Treffens zu sehen, sondern Rechtsextremist Karsten H. Der 33-Jährige habe sich inzwischen selbst bei der Polizei gemeldet, schreibt "Spiegel Online". Die Sicherheitsbehörden gehen angeblich inzwischen ebenfalls davon aus, dass die Fotos nicht Stephan E. zeigen. Offiziell habe sich niemand äußern wollen.

War Verdächtiger im Mordfall Walter Lübcke in Mücka?

"Monitor" hatte in der vergangenen Woche berichtet, Stephan E. habe im März an dem konspirativen Treffen der Neonazi-Organisationen "Combat 18" und "Brigade 8" im sächsischen Mücka teilgenommen. (Lesen Sie hier im stern: "'Combat 18', das Neonazi-Netzwerk unter den Initialen Adolf Hitlers"). Dies galt als wichtiges Indiz dafür, dass der Verdächtige bis zuletzt Kontakte zum rechtsextremen Milieu pflegte.

"Monitor" stützte seine Berichterstattung auf den Abgleich von Fotos des Verdächtigen mit Aufnahmen des Treffens der rechten Gruppierungen. "Die Identität der Person Stephan E. als sichtbare Person auf den Lichtbildern der Veranstaltung vom 23. März 2019 ist als praktisch erwiesen anzusehen", stellte ein zertifizierter Sachverständiger für Foto-Anthropologie im Auftrag der Redaktion fest. Die Anwesenheit von Stephan E. in Mücka "gilt als sicher", so das Fazit von "Monitor". Zahlreiche Medien, darunter auch der stern, griffen die Berichterstattung des WDR-Magazins auf.

Laut "Spiegel" handelt es sich bei dem Fotovergleich "wohl um eine Verwechslung". Die "Monitor"-Redaktion habe dem Nachrichtenmagazin mitgeteilt, "bisher keinen Anlass (zu sehen), an der Seriosität dieses Gutachtens und seines Verfassers zu zweifeln". Die Sonderkommission "Liemecke" der hessischen Polizei kündigte laut "Spiegel" eine Überprüfung an.

Quellen: "Spiegel TV", "Monitor", "Exif-Recherche"

wue

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker