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FESTNAHMEN: Wollten Islamisten Splitterbomben bauen?

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben mit der Festnahme mutmaßlicher Mitglieder der Islamistengruppe El Tawhid offenbar schwere Anschläge in Deutschland verhindert.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben laut einem Bericht der »Bild«-Zeitung mit der Festnahme mutmaßlicher Mitglieder der Islamistengruppe El Tawhid offenbar schwere Anschläge in Deutschland verhindert. Wie die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, seien bei der Durchsuchung von Wohnungen in Essen, Berlin und München außerordentlich große Mengen an Nägeln sichergestellt worden. »Ein klares Indiz, dass die Gruppe an einer Art Splitterbombe gebastelt hat«, zitiert die Zeitung einen ermittelnden Beamten des Bundeskriminalamts (BKA).

Terror-Ziel Synagogen?

Darauf weise auch die Tatsache hin, dass Mitglieder der aus Palästinensern bestehenden Terrorgruppe in den vergangenen Wochen in mehreren deutschen Städten versucht hätten, Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff zu kaufen. Als mögliche Ziele eines Anschlags, so die »Bild«-Zeitung weiter, wären nach Ansicht von Ermittlern vor allem jüdische Gemeindezentren und Synagogen in Deutschland, aber auch größere Menschenansammlungen in Frage gekommen.

12 mutmaßliche Islamisten festgenommen

Nach den bundesweiten Razzien gegen El Tawhid in dieser Woche will Generalbundesanwalt Kay Nehm heute eine erste Zwischenbilanz ziehen. Bei Durchsuchungen von 21 Objekten in zehn deutschen Städten waren in den vergangenen Tagen zwölf mutmaßliche Islamisten festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt die Männer, Terroranschläge in Deutschland geplant und dafür bereits Waffen gekauft zu haben.

Acht Beschuldigte wurden am Mittwoch dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt. Ein weiterer Verdächtiger wird heute nach Karlsruhe gebracht. Vermutlich wird sich Nehm am Mittag dazu äußern, ob Haftbefehle erlassen werden.

Weitere Razzia am Mittwoch

Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten gestern mit einer weiteren Razzia den Fahndungsdruck auf El Tawhid erhöht. In Essen wurden eine Wohnung und ein Restaurant durchsucht. Im Laufe des Tages ging den Ermittlern ein weiterer Verdächtiger ins Netz. Als Kopf der deutschen Zelle von El Tawhid gilt ein 36 Jahre alter Palästinenser aus Essen.

»Anschluss-Untersuchungen«

Laut Bundesanwaltschaft kam es in der Ruhrgebietsstadt zu »Anschluss-Untersuchungen« nach der bundesweiten Razzia vom Dienstag. Dabei waren bereits 19 Wohnungen in zehn deutschen Städten durchsucht worden. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge besteht kein Zusammenhang zum Terroranschlag von Djerba am 11. April mit insgesamt 16 Toten, darunter 11 Deutschen. Ob es eine Verbindung zum Terror- Netzwerk El Kaida gibt, ist nicht geklärt.

Weitere Bedrohung in Deutschland?

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) warnte gestern erneut vor der Gefahr möglicher Anschläge in Deutschland. Auch Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) kündigte erhöhte Wachsamkeit gegen international agierende Terrorgruppen an. Generalbundesanwalt Nehm wollte eine weitere Bedrohung in Deutschland ebenfalls nicht ausschließen. Es müsse damit gerechnet werden, »dass jederzeit aus dem Ausland weitere Täter zu uns kommen«.

60 »potentielle Gefährder« in Berlin

Allein in der Bundeshauptstadt leben nach einem Bericht der »Berliner Zeitung« rund 60 mutmaßliche Anhänger und Mitglieder islamistischer Terrorgruppen. Wie die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise meldet, befinden sich die Namen und Anschriften dieser Personen auf einer »Liste potenzieller Gefährder«, die der Berliner Staatsschutz im vorigen Herbst dem Bundeskriminalamt übergeben habe. Zwei Drittel der dort aufgeführten Männer würden der palästinensischen Organisation Hamas zugeordnet.

Vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts treffen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) heute zu ihrem ersten großen Rededuell im Bundestag zusammen. Anlass ist Schröders Regierungserklärung zur Nahost-Politik der Regierung. Stoiber wird erstmals nach seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der Union die Gegenrede halten. Im Zentrum der Debatte dürften die Forderung der Vereinten Nationen nach einer multinationalen Nahost- Schutztruppe und die Frage einer deutschen Beteiligung stehen.