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Florian Gerster im Porträt: Das Chamäleon und die Berater

Im Kampf gegen Mindestlöhne haben die privaten Konkurrenten der Deutschen Post AG eine gemeinsame Speerspitze: Ihren eigenen Arbeitgeberverband, angeführt von Florian Gerster, dem geschassten Chef der Bundesagentur für Arbeit. Der ambivalente Lobbyist fiel bisher vor allem durch schlechte Berater auf.

Von Markus Baluska

Florian Gerster ist ein sehr beschäftigter Mann. Seine Interviewtermine werden von Beratern koordiniert und die kommen derzeit von der Hering Schuppener Unternehmensberatung. Gerster und Berater, da war doch was? Seinen bisher verantwortungsvollsten Job verlor der 58-jährige, weil er zu viel Geld für Berater ausgegeben hatte. Bis vor vier Jahren war Gerster Präsident der Bundesagentur für Arbeit. Als bekannt wurde, dass die Nürnberger Einrichtung Verträge mit fünf Beraterfirmen und einem Gesamtvolumen von 38 Millionen Euro abgeschlossen hatte, war Gerster sein Präsidentenamt los.

Schröders bester Mann

Dabei hatte alles für ihn so schön angefangen. 2002 verkündete der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): "Ich schicke meinen besten Mann auf meine wichtigste Baustelle." Gersters Aufgabe war es, das bürokratische Monster, die Bundesanstalt für Arbeit, umzubauen. Sie sollte zu einer Agentur werden, die sich als Dienstleister für Arbeitssuchende versteht. Gerster krempelte aber nicht die Ärmel hoch, sondern ließ erst einmal die Chefetage für 1,8 Millionen Euro umbauen. Er setzte durch, dass sein Salär im Vergleich zu seinem Vorgänger auf 250.000 Euro im Jahr verdoppelt wurde.

Verglichen mit aktuellen Managergehältern ist das nicht viel, immerhin trug Gester die Verantwortung für 90.000 Mitarbeiter. In der Öffentlichkeit kam das aber nicht gut an. Genauso wenig wie seine drei Dienstwagen, die er beanspruchte. Um die damalige Bundesanstalt für Arbeit effektiv leiten zu können, hielt es Gerster für notwendig, je einen Chauffeur in Nürnberg, in Berlin und in seiner Heimatstadt Worms zur Verfügung zu haben. Gleichzeitig wetterte er gegen "überzogenes Anspruchsdenken" der Arbeitslosen.

Offenbar braucht der Mann, dem eine Liebe zur Musik Wagners nachgesagt wird, Statussymbole. Jetzt nennt er sich Präsident des "Arbeitgeberverbandes neue Brief- und Zustelldienste e.V.", einem Verband, der im Wesentlichen aus zwei Mitgliedern besteht, auch wenn der Geschäftsführer, Rico Nelte behauptet, dass 50 Firmen mit 40.000 Mitarbeitern vertreten werden. Gerster kämpft für mehr Wettbewerb auf dem liberalisierten Briefmarkt und gegen Mindestlöhne in der Branche. Sie würden zu Lasten der Gewinne seiner Mitgliedsfirmen gehen und nur den Monopolist Post stärken, argumentiert er. Gerster hat sich vor den Karren der Pin-Group gespannt, die mit niedriger Bezahlung ihrer Mitarbeiter der Post AG Konkurrenz machen will.

Ein sozialdemokratischer Lobbyist

Gerster ist immer noch Sozialdemokrat. Schon mit 17 trat er der SPD bei. Seine politischen Vorstellungen weichen jedoch oft vom Parteiprogramm ab. Dennoch sieht er in der SPD seine politische Heimat. "Eine große Volkspartei erträgt alles mögliche, auch einen wie mich", ist der Diplompsychologe überzeugt.

Dass Gerster jetzt sein Geld als Lobbyist für Unternehmen verdient, die alles andere als sozial eingestellt sind, dürfte für viele Genossen nur schwer zu ertragen sein. Mit den Gewerkschaften steht der Oberstleutnant der Reserve ohnehin auf Kriegsfuß. Es waren die Gewerkschaftsvertreter im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit, die Gersters Entlassung vorangetrieben hatten. Allen voran Gersters Parteifreundin Ursula Engelen-Kefer.

Zu den "Attitüden eines Sonnenkönigs" (Stern 14/2004) passt es, dass sich der Arbeitgeberpräsident eine eigene Gewerkschaft zulegt, die fast so heißt wie Gersters Verband. Die Gewerkschaft Neue Brief- und Zustelldienste, GNBZ, sorgte bundesweit für Aufsehen, als sie ihre Mitglieder zu einer Protestkundgebung gegen Mindestlöhne auf die Straße schickte. Seine Kommunikationsberater hätten ihn davor warnen müssen. Denn das Medienecho war verheerend. Aber das ist Gerster ja gewöhnt.