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Organisation für Migration: Deutlich weniger Flüchtlinge kommen an Europas Außengrenzen an

Während Europa um eine gemeinsame Asylpolitik ringt, meldet die Organisation für Migration stark sinkende Flüchtlingszahlen an den Außengrenzen. In Italien kam nur noch ein Siebtel der Migrantenzahl im Vergleich zum Vorjahr an.

Das Erstaufnahmelager Fylakio bei Orestiada in Nordgriechenland an der Grenze zur Türkei

Das Erstaufnahmelager Fylakio bei Orestiada in Nordgriechenland an der Grenze zur Türkei. Griechenland erreichen vor allem Syrer, Iraker und Afghanen.

DPA

Seit Anfang 2018 sind deutlich weniger Migranten an Europas Außengrenzen angekommen als in den Vorjahren. Von Anfang Januar bis Mitte Juni waren es laut der Organisation für Migration (IOM) in Genf gut 54.300 Menschen, verglichen mit fast 187.000 im vergangenen Jahr und 390.500 im Jahr davor.

Flüchtlingszahlen in Italien besonders stark gesunken

Die meisten Menschen erreichen Europa nach IOM-Angaben nach wie vor über das Mittelmeer, insgesamt 80 Prozent in diesem Jahr. Der Großteil von ihnen kam in Italien an, gefolgt von Spanien und Griechenland. In Italien kamen 16.400 Menschen an. Im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum sieben mal so viele, im Jahr davor sogar elf Mal so viele. In Spanien kamen 13.600 per Boot plus 2700 über Land an (2017 insgesamt: 28.700). In Griechenland waren es bislang 13.000 per Boot und 8000 über Land - zusammen 21.000. 2017 kamen in Griechenland bis Mitte Juni insgesamt 35.000 Menschen an, im Jahr davor 177.000. 

Nach Spanien legen Boote aus Marokko ab und es kommen Migranten in die spanischen Afrika-Exklaven Ceuta und Melilla sowie über Portugal, wie die IOM weiter berichtet. Nach Italien kommen demnach Menschen auf dem Seeweg aus Libyen und Tunesien und die Balkanrouten werden vor allem über die Türkei angesteuert. Auf den Balkanrouten wurden bis Ende Mai in Bulgarien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien und Ungarn rund 9000 Flüchtlinge und Migranten gezählt.

Weniger Migranten im Mittelmeer ertrunken

Bis Mitte Juni wurden im Mittelmeer knapp 1000 Menschen tot geborgen oder vermisst gemeldet, verglichen mit gut 3100 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl dürfte nach Angaben von Hilfsorganisationen aber deutlich höher sein. Nicht jede Schiffstragödie wird bekannt.

Im April kamen in Italien vor allem Tunesier an, gefolgt von Bürgern aus Eritrea und Nigeria. Griechenland erreichten vor allem Syrer, Iraker und Afghanen, die auch auf den Balkanrouten Richtung Europa zogen. Dort waren aber auch Pakistaner sowie einige Algerier und Iraner unterwegs. In Spanien kamen vor allem Afrikaner aus Staaten südlich der Sahara an. Die Herkunftsländer lagen nicht vor.

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mad / DPA