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Forsa-Umfrage: Linksbündnis kommt auf elf Prozent

Das Linksbündnis von PDS und WASG steht bei den Wählern derzeit offenbar hoch im Kurs. Die Ergebnisse der jüngste Forsa-Umfrage kommen einer kleinen politischen Sensation gleich.

Die Chancen des Bündnisses von PDS und WASG auf den Einzug in den Bundestag steigen. Würde am nächsten Sonntag gewählt werden, würde die linke Allianz elf Prozent der Stimmen erhalten. Das geht aus der jüngsten Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des stern und des Fernsehsenders RTL erstellt hat. Danach konnten PDS und WASG im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte zulegen. Die SPD bleibt bei 26 Prozent konstant, ebenso die Grünen bei sieben Prozent. Die Union verliert zwei Prozentpunkte und fällt auf 47 Prozent, die FDP bleibt mit sechs Prozent konstant.

Auswirkungen auf Regierungsbildung möglich

Die Umfrage-Ergebnisse des Bündnisses kommen einer politischen Sensation gleich. Ein Erfolg des Bündnisses bei einer möglichen Wahl im September könnte die Regierungsbildung erheblich beeinflussen und Union und SPD sogar in eine große Koalition zwingen.

In einem Vier-Parteien-Parlament wäre es sicher, dass entweder Union und FDP oder SPD und Grüne die absolute Mehrheit der Sitze gewinnen würden. In einem Fünf-Partei-Parlament ist es dagegen möglich, dass weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün die absolute Mehrheit erzielen. Dann wird eine große Koalition von Union und SPD unumgänglich.

Darüber hinaus könnte das Linksbündnis die Parteienlandschaft langfristig verändern, wenn es ihm gelänge, bundesweit Wähler anzusprechen, die sich von den etablierten Parteien vernachlässigt fühlen. Das Bündnis könnte so zur Antwort vieler Wähler auf die scheinbar vernachlässigte "soziale Frage" werden. Langfristig wollen sich PDS und WASG zu einer Partei mit dem Namen "Linkspartei" zusammenschließen.

Vorerst will sich aber nur die PDS in "Linkspartei" umbenennen. Ein Parteitag soll im Juli über diese Namensgebung entscheiden. Auf den offenen Kandidatenlisten der Linkspartei/PDS sollen dann WASG-Mitglieder antreten. Nach der voraussichtlichen Wahl im Herbst soll sich die WASG dann Schritt für Schritt in die Linkspartei integrieren.

"Die WASG wird von intellektuellen Nörglern getragen"

Trotz des gegenwärtigen Umfragehochs des Linksbündnisses gibt es jedoch Zweifel an einem dauerhaften Erfolg der Allianz. Forsa-Chef Manfred Güllner etwa hält das Führungspersonal - die wahrscheinlichen Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine und Gregor Gysi - schlicht für unglaubwürdig. "Weder Gysi noch Lafontaine haben einen langen Atem. Beide neigen dazu, etwas schnell hinzuschmeissen, wenn es einmal nicht so läuft", sagte Güllner stern.de. "Die Eitelkeiten der beiden dürften verhindern, dass sie ein langfristiges Führungsduo bilden", sagte er.

Darüber hinaus sei die Klientel der PDS kaum mit der Anhängerschaft der WASG kompatibel. "Die PDS hat eine eigene Klientel", sagte der Demoskop. So habe sich die PDS als Partei etabliert, die jene ostdeutschen Wähler anspricht, die sich als Verlierer der deutschen Einheit sehen.

Der WASG dagegen fehlt nach Einschätzung des Demoskopen eine Anhängerschaft, die sich aus einer bestimmten sozialen Schicht rekrutiert. "Die WASG wird von intellektuellen Nörglern getragen, die es in Westdeutschland eben gibt", sagte Güllner.

Der Forsa-Chef widersprach der These, die WASG könne auf starken Rückhalt in unteren sozialen Schichten zählen. Die Partei werde in erster Linie von Bürgern aus gesicherten wirtschaftlichen Schichten unterstützt, so Güllner. "Die Wähler der WASG sind sozial abgesichert, sie haben eher gehobene Einkommen, sie sind eher mittelalt als jung oder alt. Sie sind kaum Rentner, kaum Arbeitslose. Sie sind die bekannten Nörgler, die bei der SPD genörgelt haben, die bei den Grünen genörgelt haben, die bei den Gewerkschaften genörgelt haben. Die brauchen jetzt ein Forum, auf dem sie wieder nörgeln können".

"Die Menschen zweifeln an der Fähigkeit der SPD"

Die derzeitige Stärke der Linkspartei ist für den Forsa-Chef vor allem Ausdruck eines Versagens der SPD. "Das ist ein Zeichen für die Schwäche der SPD und die nachlassende Bindungskraft dieser SPD als Volkspartei", sagte Güllner stern.de. Die von der SPD verfolgte Strategie, sich, wie etwa mit dem Vorschlag einer "Reichensteuer" geschehen, weiter links zu positionieren, um so einen Erfolg der Linkspartei zu verhindern, hält Güllner für einen Irrweg. "Das ist ein taktisch-strategischer Fehler. Wenn es so einfach wäre, dass die SPD sich nur nach links orientieren müsste, um verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen, dann wäre es zu einfach. Aber das Vertrauen in die SPD ist deswegen verloren gegangen, weil die Menschen an der Fähigkeit der SPD zweifeln, die Erneuerung des Landes voranzutreiben. Die Menschen glauben nicht, dass die SPD es will und kann."

Union erleidet Einbußen

Der Umfrage-Schub zu Gunsten der Union nach der Verkündigung von Neuwahlen am 22. Mai scheint an Kraft verloren zu haben. Zwar würde sich ein schwarz-gelbes Bündnis derzeit laut Forsa-Umfrage auf eine satte Mehrheit von 53 Prozent der Stimmen stützen können. Die absolute Mehrheit jedoch, die CDU und CSU noch in der vergangenen Woche erreicht hatten, ist vorerst verloren.

Auch bei der Frage nach der politischen Kompetenz musste die Union Einbußen hinnehmen. Trauten ihr in der vergangenen Woche noch 26 Prozent der Bürger zu, mit den Probleme in Deutschland am besten fertig zu werden, so sind es in dieser Woche nur noch 21 Prozent. Das ist ein Minus von fünf Prozentpunkten.

Die SPD verbesserte sich auf niedrigem Niveau. Neun Prozent der Befragten trauen den Sozialdemokraten am meisten zu, in der Vorwoche waren es nur sieben Prozent. Allerdings geht mit 65 Prozent eine große Mehrheit der Deutschen davon aus, dass keine Partei mit den Problemen des Landes fertig werden kann.

Schröder wieder beliebter als Merkel

Leicht verbessert hat sich die Position von Bundeskanzler Gerhard Schröder gegenüber seiner Widersacherin Angela Merkel, der Spitzenkandidatin der Union. 38 Prozent der Deutschen würden Schröder gerne im Kanzleramt sehen nur 34 Prozent sprachen sich für Merkel aus. Damit hat Schröder wieder einen Vorsprung von vier Prozentpunkten auf seine Herausforderin, nachdem die beiden in der vergangenen Woche bei 36 Prozent gleichauf lagen. Nach ihrer Nominierung zur Kanzlerkandidatin hatten Merkels persönliche Umfragewerte einen Sprung nach oben gemacht, Schröder hatte zuvor meist weit vor ihr gelegen.

Im Zeitraum zwischen dem 20. und dem 24. Juni befragte Forsa 2504 Bürger.

Florian Güßgen